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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Heerwesen der europäischen Staaten
3,446,683, zusammen 6,134.578 Mann verfügbar, so daß für den Landsturm noch rund 3 Mill. verbleiben.
Rechnet man hiervon einen Ausfall für Untaugliche u. dgl. ab, so werden doch mindestens 5 Mill. verbleiben, die an der Verteidigung des Reichs teilnehmen können. Ganz ähnlich so verfährt Frankreich, welches für die aktive Armee einschließlich Reserve 1,797,000, für die Territorialarmee 1,022,000, für deren Reserve 762,000, im ganzen auf 3,581,000 Mann rechnet. Italien rechnet für das permanente Heer 1,405,053, die Mobilmiliz 388,846, die Ter^ ritorialmiliz 1M2,739, zusammen auf 3,136,638 Mann. Österreich würde auf Grundlage des Gesetzes von 1886 nur über eine Kriegsarmee von etwa 1,600,000 Mann verfügen können, welche Zahl sich uach dem Wehrgesetz von 1888 jedoch wesentlich erhöhen wird. Rußland besitzt einen fast unerschöpflichen Reichtum an Wehrkraft, die Kriegsstärke seiner regulären Armee wird auf etwa 1,689,000 Mann mit 3776 Geschützen berechnet, zu welchen noch die Kosakentruppen hinzutreten, so daß die Armee auf etwa 2 Mill. Mann kommt. Es verbleibt dann noch die Reichswehr (Opoltschenie), die etwa ebenso stark sein soll. Hierbei darf man indessen nicht übersehen, daß in keinem Staat Waffen und Ausrüstungsstücke für solche Armee vorrätig gehalten werden, und daß daher die Aufstellung der Heere im Krieg wesentlich Mttächst von der Beschaffung der Waffen und Ausrüstung abhängt; ferner bleibt zu berücksichtigen, daß der Landsturm ersten Aufgebots aus vollständig militärisch unausgebildeten Leuten besteht, während zum zweiten Aufgebot auch die aus der Landwehr übergetretenen Leute zählen; erstere bedürfen aber erst der Ausbildung, bevor sie kämpfen können. Die Aufstellung so gewaltiger Kriegsheere setzt entsprechend organisierte Friedensheere voraus. Hierzu eignet sich am besten das Rahmen- (Kadre-) System, bei welchem in das stehende Heer die Reserven und Ersatzreserven eingereiht werden, während die aus lauter gedienten Leuten bestehende Landwehr eine gleich formierte Reservearmee bildet. Zu einem solchen Verfahren der Aufstellung großer Kriegsheere eignet sich weder das englische Werbe- noch das Schweizer Milizsystem, weil ersterm die Reserve, letzterm der feste Grundstock fehlt; ein Mittelding bildet die dänische Armee. In
England sollen zwar die Miliz, die Freiwilligen und Deomanry die gleich verfügbare Heeresverftarkung bilden, doch fehlt es dieser an der erforderlichen militärischen Ausbildung, um selbständige Schlachttörper formieren zu können, mit denen operiert und gekämpft werden kann. Der englischen Armee fehlt der organische Aufbau. Das Bataillon, die Batterie sind thatsächlich höchste Truppeneinheiten, welche lose, ohne Zusammenhang, dastehen. Regimenter bestehen nominell, Brigaden, Divisionen und Armeekorps überhaupt nicht, welche bei ausbrechendem Krieg nach Bedarf aus den vorhandenen Truppen zusammengestellt werden. Für eine schleunige Mobilmachung und die Heeresleitung ist eine im Frieden bereits vorhandene gegliederte Organisation und die territoriale Ergänzung die Grundlage. Die Regimenter sollen im Frieden schon möglichst in ihren Ergänzungsbezirken stehen. Nach deutschem Muster hat man hiermit in Österreich, Italien U.Frankreich begonnen, aber die gänzliche Durchführung wird noch Jahre erfordern.
Nicht minder erleichtert die gleiche Organisation aller Armeekorps und ihrer Truppenteile die Mobilmachung. In dieser Gleichheit ist Frankreich mustergültig und bleibt in Deutschland noch manches zu thun. Der Entwickelung des Heers ist es erfahrungsgemäß fö'rdersamer, wenn das monarchische Staatsoberhaupt zugleich oberster Kriegsherr im Frieden wie im Krieg (Oberfeldherr) ist. Die Geschichte Preußens bestätigt dies. In Deutschland steht der Kriegsminister nur an der Spitze der Heeresverwaltung einschließlich der Heeresorganisation, auf die Befehlsführung hat er keinen Einfluß. Der Chef des Generalstabs, der Artillerie und der Pioniere, die Armeekorps-Kommandeure sind in dieser Beziehung, wie der Kriegsminister für sein Ressort, nur dem Kaiser verantwortlich. In Frankreich wie in England werden die Befugnisse eines Oberfeldherrn vom Kriegsminister, bez.dem Staatssekretär des Kriegs ausgeübt, letzterer stets, in Frankreich gegenwärtig (1889) Zivilperson.
Die nachstehende Tabelle gibt eine Übersicht über die Friedensstärken der europäischen Heere imI.
1888/89, zu der wir des Vergleichs halber die Einwohnerzahl hinzugefügt haben. Im allgemeinen beträgt die Friedensstärke 1 Proz. der Bevölkerung.
Friedensstärke
der europäischen Heere 1888/89 (vgl. dazu die Vemcrlungel ! S. 425)
Länder
Offi-ziere Infan» terie Kavallerie Artis» lerie Genie» Eisen-bahn-truvve Train Sonst. Formationen Gesamt» stärke Ge.
schütze Pferde Ve im Jahr völlerung Einwohner« zahl
Belgien.......
2W3 28573 5648 7 619 1387 374 3915 50449 204 10510 1887 5974743
1484 23454 2650 3 701 1029 28 32346 90 4211 1887 3154375
Dänemark
1495 46 733 2420 7548 1366 ^. 59562 128 1880 2096467
Deutschland (1880 90» .. . 19404 24594 1888 9944 14359 331279 295 000 13380 140397 143933 65439 «6 76,» 1515 18527 27014 55,967 «4 000 3158 34838 28124 12382 10 300 1368 6 347 7542 6174 7 720 4055 1195 43498 5036 6350 9033 491840 512472 26345 221358 230041 2196 2880 110 624 1188 84093 122394 3 758 25578 1885 1886 1879 1881 1887 46855 704 38 218903 1979561 35241482 30260065
Großbritannien ....

2342 18345 1898 42843 172161 15187 3988 44476 3338 12634 27160 2749 1599 8277 672 11335 2127 8332 517 65 733 290106 24361 12) 766 132 50362 3112 1887 1880 1881 4450870 37882712 4 708178
Österreich-Ungarn .. .. . Rumänien...... Rußland.......
1699 454375 47920 89318 18977 49400 35413 659990 370 1652 6969 ca.88000 1885 ca. 5376000 108843192
2209 800 26069 4623 4217 894 277 38289 18800 234 6178 1887 1885 4734901 1806900
Schweiz.......
159391 5670 26628 6473 1287 3830 203 279 348 1880 2846102
13213 132 1887 2013691
Spanien....... Türkei........
12000 I I I 131400 182000 1188 16495 30000 1886 17358404 s 21633000» l 11518850'
» Unmittelbar. ^^ Tributär,