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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

748

Schweißen - Schweiz

Aufhören der Schweißsekretion beobachtet man bei Fieberkranken, besonders während eines raschen Ansteigens der Temperatur. Sehr starkes Schwitzen kann einen Frieselausschlag herbeiführen (s. Friesel, Bd. 6). Gegen die Schweiße der Schwindsüchtigen werden verschiedene Medikamente, besonders Atropin, häufig mit gutem Erfolg angewandt.

*Schweißen, elektrisches, s. Lot (Bd. 17).

Schweiz. Als endgültiges Resultat der Volkszählung vom 1. Dez. 1888 hat sich eine Bevölkerungsziffer von 2,933,334 Seelen ergeben. Die in Bd. 14, S. 748 gegebenen Zahlen sind danach für folgende Kantone zu berichtigen:

^[Liste]

Bern 539305 Einw.

Basel (Stadt) 74247

Schaffhausen 37876

Aargau 193834

Tessin 127148

Waadt 251296

Wallis 101837

Neuenburg 109037

Genf 106738

Die Zunahme der Bevölkerung seit 1880 betrug nur 3 Proz. Das weibliche Geschlecht überwiegt erheblich, da unter 1000 Personen 514 dem weiblichen und nur 486 dem männlichen Geschlecht angehören. Von der ortsanwesenden Bevölkerung wurden als Bürger der Zählgemeinde 45,1 Proz., einer andern Gemeinde desselben Kantons 31,6, als Bürger eines andern Kantons 15,2 und als Ausländer 8,7 Proz. ermittelt. Die meisten Ausländer entfallen auf die Kantone Genf (32 Proz. der Bevölkerung), Basel (Stadt), Zürich, Waadt, St. Gallen, Tessin und Bern.

Im J. 1888 hat eine Erhebung über die Ausdehnung der Baumwollindustrie in der S. folgendes Ergebnis geliefert. Es beschäftigten sich mit Spinnerei 92 Unternehmungen mit 11,200 Arbeitern und 1,722,299 Spindeln, welche 227,251 Doppelztr. Garn lieferten; davon wurden 73,469 Doppelztr. exportiert. Während die Zahl der Spindeln seit 1884 um 119,094 abgenommen hat, vermehrte sich die Produktion an Garn um 29,300 Doppelztr. In der Weißweberei arbeiteten in 65 Fabriken 9900 Arbeiter an 16,800 Webstühlen und lieferten 101,259 Doppelztr. Gewebe, wovon mehr als die Hälfte ausgeführt wurde; in der Buntweberei produzierten 44 Fabriken mit 6921 Webstühlen 37,000 Doppelztr. Gewebe. Mit der Zwirnerei beschäftigten sich 58 Fabriken mit 1300 Arbeitern und 73,545 Spindeln (1884 noch 82,000), welche etwa 24,000 Doppelztr. Zwirn lieferten. Eine Förderung der Industrie erwartet man von der Einführung des Erfindungsschutzes, welche 10. Juli 1887 von der überwiegenden Mehrzahl des Volkes und der Kantone angenommen wurde. Mit nicht geringerer Majorität erklärte sich das Volk für das Alkoholgesetz (15. Mai 1887), durch welches der Bund das Monopol für die Herstellung und den Verkauf gebrannter Wasser erhielt, dessen Reineinnahmen jedoch den Kantonen teils zum Zweck der Bekämpfung des Alkoholismus, teils als Entschädigung für den Wegfall der Binnenzölle auf geistige Getränke zufallen.

Erwähnung verdienen ferner die jüngst abgeschlossenen Handelsverträge mit dem Deutschen Reich (11. Nov. 1888), Österreich-Ungarn (23. Nov. 1888), Italien (23. Jan. 1889) und Belgien (3. Juli 1889), die allerdings nur bis 1. Febr. 1892 gelten, aber trotz der herrschenden Tendenz zur Schutzzöllnerei wenigstens keine Verschlimmerung in den Handelsbeziehungen der S. zu diesen Nachbarstaaten im Gefolge hatten. Der Handelsverkehr mit dem Ausland hatte im J. 1888 im Spezialhandel einen Wert von 827 Mill. Frank (davon 49,6 Mill. edle Metalle) bei der Einfuhr und von 673 Mill. Fr. (davon 28,6 Mill. edle Metalle) bei der Ausfuhr, was gegenüber 1887 eine Abnahme der Einfuhr um 10 Mill. und eine Zunahme der Ausfuhr um 2 Mill. Fr. ergibt. Die wichtigsten Einfuhrartikel waren: Spinnstoffe und Gewebe 299,4 Mill. Fr. (darunter Seide 132,9 Mill., Baumwolle 64,9 Mill., Wolle 56,3 Mill.), Nahrungs- und Genußmittel 220,8 Mill., Metalle (ohne edle Metalle) 41,2 Mill., Tiere und tierische Stoffe 40,8 Mill., Mineralien 37,3 Mill., Chemikalien 29,2 Mill., Uhren, Maschinen etc. 20 Mill. Fr.; die wichtigsten Ausfuhrartikel: Spinnstoffe und Gewebe 392,7 Mill. (darunter Seide 201,3 Mill., Baumwolle 160,2 Mill.), Uhren und Maschinen 104,3 Mill. (darunter Uhren 82 Mill.), Nahrungs- und Genußmittel 71,8 Mill., Tiere und tierische Stoffe 24 Mill. Fr. Die Hauptverkehrsländer waren bei der Einfuhr: Deutschland (253,8 Mill. Fr.), Frankreich (202,8 Mill.), Italien (115,8 Mill.), Österreich-Ungarn (96 Mill.), Großbritannien (43,9 Mill.); bei der Ausfuhr: Deutschland (164,5 Mill.), Frankreich (142 Mill.), Großbritannien (104,7 Mill.), Vereinigte Staaten von Nordamerika (87 Mill.), Italien (51,4 Mill.), Österreich-Ungarn (33,2 Mill. Fr). In militärischer Beziehung ist die S. fortwährend bemüht, ihre Wehrkraft zu verstärken, ohne die Grundlagen ihres Milizsystems zu verlassen. Die wichtigsten Neuerungen auf diesem Gebiet sind die Organisation des Landsturms, welche 1898 durchgeführt wurde, die Befestigung des St. Gotthard, die 1886 begonnen wurde, und die Einführung eines Gewehrs von kleinem Kaliber, für welche der Bundesrat von der Bundesversammlung 1889 einen Kredit von 16 1/2 Mill. Fr. erhalten hat. Die Kontrollstärke des Landsturms betrug 1888: 262,766 Mann.

Geschichte. Die Bundesverfassung vom 29. Mai 1874 wurde 1887 einer dritten Partialrevision unter zogen, die indes nur die Vorläuferin zu größern Umgestaltungen sein wird, da die Durchführung der Rechtseinheit und die völlige Zentralisation des Heerwesens notwendig erschienen und von der liberalradikalen Mittelpartei in ihr Programm aufgenommen wurden. Die im Grütliverein organisierte sozialdemokratische Partei verlangte in einer Eingabe vom 5. April 1889 die Einführung des obligatorischen Referendums und der Volksinitiative sowie die Wahl des Bundesrats durch das Volk. Diesen Forderungen zu entsprechen, war die Bundesversammlung allerdings wenig geneigt, dagegen bereit, für die Arbeiterschutzgesetzgebung weiteres zu thun, und beschloß zu diesem Zweck, auf Bundeskosten einen vom Arbeiterbund gewählten Arbeitersekretär anzustellen und zu besolden. 1889 wurden durch Gesetz den Eisenbahnangestellten eine Anzahl freier Tage gesichert und der Güterverkehr an Sonntagen eingestellt. Zur Erhaltung und Erwerbung vaterländischer Altertümer setzte die Bundesversammlung einen alljährlichen Kredit von 50,000 Fr. und zur Hebung der schweizerischen Kunst 100,000 Fr. jährlich aus. Die Verstaatlichung der Eisenbahnen wurde geplant, aber noch nicht verwirklicht. 1888 trat eine Änderung in der Organisation des Bundesrats in Kraft, durch welche das sogen. politische Departement (jetzt Departement des Auswärtigen) von dem jährlich wechselnden Bundespräsidium, mit welchem es früher verbunden war, abgelöst wurde. Die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten konnte nun einer geeigneten Persönlichkeit auf längere Zeit übertragen werden. Der Bundesrat Droz wurde hierzu ausersehen und hatte gleich Gelegenheit, seine Befähigung zu beweisen. Seit Jahren war die S. die Zuflucht der deutschen Sozialdemokraten, die dort ihre Kon-^[folgende Seite]