Schnellsuche:

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

791
Thalsperre (Staubecken)
ttagölt diejelllgen T. an sich, welche Flußterrassen hinterlassen haben (Tafel, Fiq.4). Die Terrassen, d.h. horizontale Stufen an den Thalgehängen, treten in zwei genetisch verschiedenen Arten auf: als Ausfüllungs- und Felsterrassen. Im allgemeinen stellt jede Flußterrasse den Rest eines frühern Thalbodens dar, welcher dadurch zerstört wurde, daß der Fluß aus irgend welcher Ursache sein Bett durch Einschneiden in die Unterlage tiefer legte. Das sogen. Mittelgebirge bei Innsbruck ist eine solche Terrasse, die bis zu 400 m über die jetzige Thalsohle ansteigt und fast4 kin breit ist', sie besteht aus Schotterablagerunqen der Gletscherbäche der Eiszeit und aus Moränen.
Die Terrassen sind nicht immer aus alten Flußablagerungen zusammengesetzt, sehr oft sind sie in den festen Fels eingegraben. Besonders deutlich sind solche Terrassen in den höhern Thälern der Alpe, ausgeprägt, in denen sie sich nicht nur in den Längsprofilen geltend machen, sondern auch an den Thalwänden übereinander erscheinen. Die beiden Profile (Textfig. 2 u. 3) lassen auf den ersten Blick erkennen, wie oie Terrassen aus den Thalstufen entstanden sind.
Vereinigt man die Terrassen und die noch vorhandenen Thalstufen, die in gleichem Niveau liegen, miteinander, so erhält man uier verschiedene Thalvöocn, die sich unter geringer Neigung thalabwärts senken.
Im Reußthal lassen sich vier solcher alter Thaljohlen unterscheiden, in 2200-1900, 1600-1400, 1200-900,900-600 m Höhe; als fünfte Stufe kommt dazu diejenige von Amsteg bis Flüelen, die noch keine Terrasse hat. Die kleinern Seitenthäler haben mit dem Hauptthal nicht gleichen Schritt gehalten, sie münden stets in beträchtlicher Höhe über der Sohle des vauptthals. Die Erosion ist an den Abstürzen in fortwährender Thätigkeit, auf den Thalstufen macht sie sich nicht bemerkbar. Aus dem Vorstehenden läßt sich der Schluß ziehen, daß die Stufen- und Terrassenoberflächen einem Stillstand in der Thalbildung entsprechen, die Abstürze dagegen Vewegungsverioden.
Um die Entstehung die,er Erscheinung zu erklären, hat man verschiedene Faktoren herangezogen, welche in der erodierenden Wirkung der Flüsse eine periodische Änderung bedingen könnten. Das Nächstliegende ist, Perioden einer gesteigerten Gebirgsbildung anzunehmen, mit denen ein erneutes Einschneiden der T. zusammenfallen würde, während den Ruhepausen in der Aufwölbung ein Stillstand in der Thal' bildung, d. h. Tenassenbildung, entsprechen würde.
niveaus im Verhältnis zum Festland haben, mag man nun Hebungen des Festlandes oder Senkungen des Meers annehmen. Wahrscheinlicher ist jedoch, daß meteorologische Verhältnisseöie Ursacheder Terrassenbilduna, sind. Eine Zunahme der mittlern jährlichen Niederschlagsmenge muh in der Menge des ablaufenden Flu'ßwassers in gleicher Weise zum Ausdruck kommen, wie sich dieser Faktor in dem Stande der Gletscher oder in dem Niveau der Binnenseen bemerkbar macht. Vgl. F. Löwl, Über Thalbildung (Prag 1884); v. Richthofen, Führer für Forschungsreisende (Verl. 1886); Neumayr, Erdgeschichte, Bo. 1 ^Leipz. 1887).
*Thallperre (Staubecken, Stausee, Sammelteich), die künstliche Absperrung eines Thals durch eine Erdschüttung oder durch Mauerwerk zum Zweck der Aufstauung fließende? Gewässer, besonders behufs Gewinnung von Nutzwasser für die Landwirtschaft oder die Gewerbe, für Wasserversorgung der Städte und für die Speisung von Schiffahrtskanälen, H^snahmsweife zur Abwehr von Überschwemmungs gefahren. Zur Anlage von Thalspenen eignen sich am besten hinreichend geräumige, thalabwärts sich verengernde, unbebaute Thalbecken mit hohen Ufern, deren Sohle und Wände gleichartig und hinreichend fest sind, um sowohl die Last der Sperrmauer oder des Sperrdammes zu tragen, als auch Durchquelluw gen und Unterspülungen zu verhindern. Die Sperrwerke erfordern außer einer sehr sorgfältigen Herstellung eine gewissenhafte Unterhaltung, damit durch Beschädigung oder Bruch derselben nicht eine?/ö F liche Entleerung des Staubeckens eintreten kann, welche für die thalabwärts gelegenen Ländereien und Ortschaften mehr oder minder verhängnisvoll werden müßte. Die Sperrwerke werden bis zu Höhen von 50 m als Erdschüttungen mit flachen Bös Hunaen und Steinbekleidung, als Mauern mit verbreitertem Fuß oder als Eroschüttungen mit Kernmauern ausgeführt.
In Amerika sind etwa zwei Drittel aller Sperrwerke mit Erde hergestellt, welche sich zum Teil mitten in den Städten befinden, wie das große Wasserbecken im Hentralvark in New Jork und das Becken der Wasserwerke in Buffalo. Der größte bekannte Stausee ist der von den Ägyptern um 2000 v. Ehr. zur Bewässerung der Nilebene angelegte, unter dem Hoch' wasser des'Nils gelegene Mörissee mit 3000 Mill. ^bm Fassungsraum, welcher im 3. Jahrh. v. Chr. zerstört wurde und hierbei furchtbare Verheerungen anrichtete. Im I. 1802 brach die 50 m hohe, 240 ui lange T. bei Puentes in Spanien infolge Auswaschens der als Grundbau dienenden Felsjchichten, wobei 800 Häuser vernichtet und 600 Menschen getötet wurden, im I. 1864 die 28 m hohe T. bei Sheffield mit einem Fassungsraum von 3,4 Mill. clim, wobei 240 Menschen das Leben verloren und große Verwüstungen angerichtet wurden. Auch der im I. 1881 eingetretene Bruch der in der Provinz Oran in Algerien für 35 m Wassertiefe erbauten T. bei L'Habra verursachte große Verheerungen an ^eben und Eigentum, während der im Mai 1889, wahrscheinlich infolge Überströmung der Dammkrone, erfolgte Bruch des Staudammes im South Fork-Thal oberhalb Iohnstown in Pennsylvanien von 284 m Länge und 22 m größter Höhe bei 22 Mill. odm Fassungsraum des Stallbeckens ganze Teile dieser Stadt zerstörte, wobei etwa 4000 Menschen in den Fluten und Trümmern umkamen. Unter den in neuerer Zeit ausgeführten gemauerten Thalsperren ist unter andern die für33m Wassertiefe erbaute bei Ternay in Frankreich und die im Thal der Gileppe für 47 N Wassertiefe erbaute bei Dolhain in Belgien zu erwähnen, wovon die letztere die Fabriken der Stadt Verviers mit Wasser versorgt, geschweift ist und bei einer Kronenbreite von 15 in eine Fußbreite von 65,d2 m besitzt. Unter den neuern Anlagen von Thalsperren im Gebirge sind diejenigen hervorzuheben, welche im Elsaß teils Zur Nutzbarmachung des Wassers, teils zur Minderung der Hochwassergefahren hergestellt worden sind. Das größere dieser Staubecken, welches in erster Linie Meliorationszwecken des Thalgebiets, in zweiter Linie der im Thal angesessenen Industrie (welche sich mit 100,000 Mk. an den 430M0 Mk. Gesamtkosten beteiligt hat) dienen sott, ist bei Sewen hergestellt und besitzt bei 549 km Niederschlagsgebiet 22 m größte Tiefe und 1,100,000 (Hin Fassuna.sraum. Die Sperrmauer ist aus kytlopischem Gramtmauerwert mittels Zementkalkmörtel aufgeführt. Die Stauanlage im Schießrotried faßt 360,000 cbmbei 10m größter Tiefe und hat ein Niederschlagsgebiet von 1,429 km. Del Sperrdamm ist aus Erde geschüttet und wird, wenn er sich während eines Jahrs gefegt hat, an der Was-