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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Äthernarkose; Äthylbromid; Attenhofer; Aube; Aublet; Audouard; Aufmerksamkeit; Aufzug

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Äthernarkose - Aufzug.

weist, daß sie in der That Allyl enthalten, wenn man sie aber mit alkoholischem Kali erhitzt, so geht das Allyl in Propenyl über. Nun finden sich aber auch Propenylphenole in ätherischen Ölen. Der Hauptbestandteil des Anisöls, das Anethol, ist nämlich der Methyläther des Parapropenylphenols C6H4.C3H5.OCH3 ^[C_{6}H_{4}.C_{3}H_{5}.OCH_{3}], also isomer mit einem methylierten Chavicol und aus solchem durch Behandeln mit alkoholischem Kali leicht zu erhalten. Man kann also ohne Schwierigkeit vom Betelöl zum Anisöl gelangen. Dieses Verhalten dürfte auch praktisches Interesse besitzen, da sich die Propenylderivate wesentlich leichter oxydieren lassen als die Allylderivate. Wenn man z. B. das leicht zugängliche Safrol durch Behandeln mit alkoholischem Kali in die isomere Propenylverbindung überführt, so erhält man durch Oxydation leicht den Aldehyd C6H3.CHO.OCH2O ^[C_{6}H_{3}.CHO.OCH_{2}O], das Piperonal, eine Substanz, die unter dem Namen Heliotropin in der Parfümerie benutzt wird.

Äthernarkose, s. Chirurgenkongreß.

Äthylbromid, s. Chirurgenkongreß.

Attenhofer, Karl, Männergesangskomponist, geb. 5. Mai 1837 zu Wettingen (Schweiz), Schüler des Leipziger Konservatoriums, wirkte in Muri, Rapperswyl und lebt seit 1867 in Zürich als Dirigent mehrerer namhafter Männergesangvereine und als Gesanglehrer an der Musikschule. Er schrieb zahlreiche Männerchöre (besonders beliebt: »Abendfeier«, »Vale«, »Rothaarig ist mein Schätzelein«, »Der treue Kamerad« etc.), auch Lieder für gemischten Chor, Kinderlieder, Kompositionen für Violine und Klavier.

Aube, Théophile, franz. Admiral, starb 31. Dez. 1890 in Toulon.

Aublet (spr. oblä), Albert, franz. Maler, geb. 1850 zu Paris, Schüler von Jacquand und Gérôme, trat zuerst im Salon von 1873 mit dem Innern einer Schlächterwerkstatt in Tréport auf, kultivierte dann eine Zeitlang das Geschichtsbild (1876 Nero vergiftet Sklaven, Museum von St.-Etienne; 1877 Jesus beschwichtigt den Sturm, Kirche zu Tréport; 1878 der Herzog von Guise bei Heinrich III. in Blois) und fand schließlich im Porträt und im modernen Genre dasjenige Gebiet, auf welchem sich die Feinheit seines Kolorits, seine geistreiche Zeichnung und die pikante Lebendigkeit seiner Auffassung am besten bewähren konnten. 1879 wurde ihm für ein mit keckem Griff aus dem modernen Leben herausgegriffenes Genrebild: die Waschung der Reservisten, eine ehrenvolle Erwähnung, 1880 für ein Damenbildnis und den Herzog von Guise im Louvre bei Heinrich III. eine Medaille dritter Klasse zu teil. Ein Bild im Salon von 1881: ein Inhalationssaal in Mont Dore, frappierte ebensosehr durch die originelle Wahl des Stoffes wie durch die außerordentliche Feinheit des Tones. Nachdem er eine Reise nach dem Orient unternommen, folgte 1882 die Zeremonie heulender Derwische in Skutari und 1883 das Bildnis eines Kindes, auf welchem sich verschiedene Nüancen von Rot in kecker Zusammenstellung von einem goldgelben Hintergrund abhoben, und eine lebensvolle Schilderung des Treibens der eleganten Badegesellschaft am Strand von Tréport. Die beiden letztern Bilder vertraten den Künstler auf der internationalen Kunstausstellung in München (1883) und wurden durch eine Medaille zweiter Klasse ausgezeichnet. Seitdem wählte er seine Motive mit Vorliebe aus dem Leben der vornehmen Frauenwelt, indem er im Anschluß an die Grundsätze der Hellmalerei junge Frauen und Mädchen beim Spiel, auf dem Spaziergang oder beim Blumenpflücken in voll von der Sonne beleuchteten Garten- und Parklandschaften darstellte. Seine Hauptbilder dieser Gattung sind: Juni, Pfingstrosen, unter Blüten und der Spaziergang. Von der skizzenhaft behandelten Umgebung heben sich die lebendig gezeichneten Figuren in plastischer Wirkung ab.

Audouard, Olympe, franz. Schriftstellerin, starb 12. Jan. 1890 in Nizza.

Aufmerksamkeit, der seelische Zustand, in welchem das Bewußtsein bestimmten psychischen Inhalten in höherm Grade zugewandt ist als andern. Das eigentümliche Gefühl des Aufmerkens entspringt aus Muskelspannungen der einzelnen Sinnesorgane oder der ganzen Kopfmuskulatur; der Ausdruck »gespannte A.« ist wohl selbst dieser Empfindung entnommen, und weiterhin hat dieses Anstrengungsgefühl den Begriff der geistigen Arbeit entstehen lassen. - Man unterscheidet zwischen sinnlicher und intellektueller A., von denen die erste auf Wahrnehmungen, die zweite auf innere Vorgänge gerichtet ist. Man unterscheidet ferner zwischen willkürlicher und unwillkürlicher A. Wenn von mehreren Vorstellungen eine durch einen Akt der Willkür gewählt und so durch die A. herausgehoben wird, so spricht man von willkürlicher (Herbart) oder aktiver (Wundt) oder spontaner (E. v. Hartmann) A. Wenn aber unter mehreren Vorstellungen eine, durch ihre Intensität oder sonstwie bevorzugt, die A. auf sich zieht, so handelt es sich um unwillkürliche oder passive oder reflektorische A. - Was A. eigentlich ist, läßt sich noch nicht entscheiden. Man hat neuerdings versucht, sie dadurch zu ergründen, daß man ihre Wirkungen experimentell prüft. Bei Reaktions- (s. d.) Versuchen zeigt es sich z. B., daß Störungen leiser und gleichmäßiger Natur (wie: Summen) die Reaktionszeit nicht verlangsamen, also die A. nicht verwirren, während stoßweise Geräusche umgekehrt wirken. Die Ablenkung und Zerteilung der A. hat man in Zahlen fassen können, indem man etwa feststellte, wie sehr die Unterschiedsempfindlichkeit für Gewichte in der rechten Hand leidet, wenn die linke durch Bewegungen einen Teil der A. an sich reißt, wie wenig dagegen ein solcher Einfluß zu verspüren ist, wenn die Störung einem andern Sinnesgebiet angehört, z. B. in dem Singen einer Melodie besteht. Zu einer Kausalerklärung der A. sind jedoch derartige Untersuchungen noch längst nicht vorgedrungen. Ist die A. ein Gefühl (Ribot), eine Vorstellungsthätigkeit (Marillier) oder eine Willenshandlung (Espinas)? Man wird sich wohl für die letzte Auffassung entscheiden dürfen, denn Ribots Gefühlstheorie verwechselt augenscheinlich das allgemeine Gefühl des Interesses mit dem besondern Willensakt A. Viele Menschen von sehr lebendigem Interesse können doch den Energiegrad der A. nicht aufbringen. Und die A. als einen rein intellektuellen Vorgang zu deuten, widerstreitet aller innern Erfahrung. Vgl. Ribot, Psychologie de l'attention (Par. 1888).

Aufzug. Von Pinette ist eine mit Wasserdruck betriebene Fördermaschine für einen zweitrumigen A. angegeben, deren Kraftmaschine aus zwei hydraulischen Cylinderpaaren besteht. Die Cylinder jedes Paares (in Fig. 1 ist ein Paar A und A1 im Längsschnitt gezeichnet) stoßen mit den Böden zusammen und umschließen an der Verbindungsstelle einen Zapfen (Sternzapfen T), der nach Art eines Hahnkükens mit vielen Wegen ausgebildet ist, während die dem Zapfen entsprechend geformten Böden der Cylinder als Hahngehäuse funktionieren. Die Kolbenstangen greifen unmittelbar an den Kurbelzapfen O