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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bakterien

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Bakterien (Krankheitserreger bei Tieren).

können sie mit alkoholischer Fuchsinlösung schön gefärbt werden. Auf Gelatine wachsen die Cholerabacillen leicht bei Zimmertemperatur; Sporenbildung ist nicht beobachtet, auch sind die Bacillen meist sehr empfindlich und gehen schon beim Eintrocknen rasch zu Grunde. Unter gewissen Bedingungen scheint jedoch ausnahmsweise ein längerer Widerstand beim Eintrocknen vorzukommen.

Bacillen des Darmtyphus. Klebs, Eberth, Koch und Gaffky fanden in der Milz und den Lymphdrüsen von Typhusleichen kurze, plumpe Bacillen in kleinen isolierten Herden beisammenliegend, und Gaffky konnte dieselben in Reinkulturen züchten; man findet diese Bacillen regelmäßig in Typhusleichen vor. Es sind lebhaft bewegliche Stäbchen von 0,002-0,003 mm Länge, welche von den Anilinfarben nur mit besondern Zusätzen bereitete Lösungen leicht aufnehmen. Sie wachsen auf Gelatine leicht, ohne dieselbe zu verflüssigen, bei Zimmertemperatur. Eine Übertragung auf Tiere gelingt nicht, weil Tiere für den menschlichen Darmtyphus überhaupt nicht empfänglich sind. Eine Sporenbildung findet anscheinend nicht statt; doch halten die vegetativen Zellen wenigstens das Eintrocknen sehr lange aus (zwei Jahre sind beobachtet). Gegen Hitze u. Desinfektionsmittel sind die Typhusbacillen ziemlich empfindlich.

Spirillen der Febris recurrens werden regelmäßig bei dieser Krankheit im Blute angetroffen. Die Übertragung derselben durch Überimpfung von Blut auf Affen ist Koch und Carter gelungen, dagegen sind alle Versuche, diese Organismen rein zu züchten, um sodann durch Übertragung der Krankheit durch die Kultur die ursachliche Bedeutung der Bacillen zu erweisen, fehlschlagen.

Die Mikrokokken der Gonorrhöe wurden von Neißer regelmäßig im Trippereiter nachgewiesen, von Bumm auf menschlichem Blutserum bei Bruttemperatur gezüchtet, auch Übertragung von der Reinkultur aus mit Erfolg ausgeführt. Es sind große, meistens zu zweien vereinigte und an der Vereinigungsstelle abgeplattete Kokken; ihr Hauptcharakteristikum ist ihre Lage innerhalb der Harnröhrenepithelzellen. Sie färben sich leicht mit allen Anilinfarben, entfärben sich aber wieder bei dem Gramschen Färbeverfahren.

Unter den Infektionskrankheiten der Tiere wurden gleichfalls schon mehrere als durch B. erzeugt nachgewiesen. Die betreffenden Mikroorganismen sind folgende: Milzbrandbacillen. Sie sind die am längsten bekannten und am eingehendsten studierten Mikroorganismen; sie wurden 1849 von Pollender im Blut erkrankter Rinder aufgefunden, und 1863 erklärte Davaine dieselben als die Ursache des Milzbrandes. Die Reinzüchtung, Übertragung der Reinkulturen auf Tiere und damit der endgültige Beweis ihrer ursachlichen Bedeutung wurde von R. Koch erbracht. Die Milzbrandbacillen sind die größten der bekannten pathogenen Bacillen; ihre Form ist stets so gleichmäßig und charakteristisch, daß dieselben schon bei der mikroskopischen Untersuchung allein (ohne Zuhilfenahme der Züchtungsmethoden) sicher erkannt werden können. Die 0,005-0,02 mm langen und 0,001-0,0125 mm breiten Stäbchen sind unbeweglich; sie färben sich sehr leicht und intensiv mit den gebräuchlichen Anilinfarben. Die Bacillen wachsen bei Zimmertemperatur auf Gelatine, indem sie dieselbe verflüssigen. Bei 20-34° (am besten bei 30°) bildet der Milzbrandbacillus Sporen; die Stäbchen wachsen zunächst zu langen Fäden aus, innerhalb dieser bilden sich in regelmäßigen Abständen, d. h. stets in der Mitte jedes Einzelgliedes, eirunde glänzende Körper; sind diese ausgereift, so zerfällt der Bacillenfaden, wodurch die Sporen frei werden; diese können entweder (wenn die günstigen Ernährungsbedingungen anhalten) sofort wieder zu Bacillen auskeimen, oder sie bleiben liegen und halten sich jahrelang keimungsfähig. Die Auskeimung der Sporen zu Bacillen kann im tierischen (oder auch im menschlichen) Körper von statten gehen, nicht aber die Entwickelung der Sporen aus den Bacillen. Dieser Vorgang ist an die Anwesenheit reichlichen Sauerstoffs geknüpft. Die Milzbrandsporen sind mit die widerstandsfähigsten, welche man kennt, und nur wenige Desinfektionsmittel sind stark genug, sie zu vernichten.

In der Gestalt den Milzbrandbacillen sehr ähnlich ist eine andre pathogene Art: der Bacillus des malignen Ödems. Die Krankheit ist ziemlich selten, etwa so selten wie der Wundstarrkrampf, mit dessen Bacillen die genannten gemein haben, daß sie sich in jeder Erde, jedem Staub, Schmutz finden, und daß sie nur ohne Sauerstoff leben können. Ihre Sporen kommen an Widerstandsfähigkeit denen des Milzbrandes und des Tetanus gleich.

Die Rotzbacillen, die Erreger der Rotzkrankheit der Pferde, wurden von Löffler in den Geweben erkrankter Pferde nachgewiesen und aus diesen durch Reinzüchtung gewonnen; sie sehen den Tuberkelbacillen nach Gestalt und Größe ziemlich ähnlich, sind jedoch ein wenig dicker als diese. Sie sind unbeweglich und lassen sich schwierig färben, am besten mit alkalischem Methylenblau. Sporenbildung ist bei denselben nicht nachgewiesen. Eingetrocknet halten sich die Bacillen aber mehrere Monate lang infektionsfähig. Sie wachsen nur bei Bruttemperatur auf Hammel- oder Rinderblutserum, auch auf Agar-Agar mit Glycerinzusatz und auf Kartoffeln; auf dem letztgenannten Nährboden bilden sie einen sehr charakteristischen bernsteingelben Belag. Löffler konnte mit den Reinkulturen bei Pferden typischen Rotz erzeugen; auch Meerschweinchen und Feldmäuse sind für die Impfung empfänglich.

Die Bacillen des Schweinerotlaufs, gleichfalls von Löffler aus der Haut und den Muskeln am Rotlauf verendeter Schweine gezüchtet und auf Tiere verimpft, von Schütz auf Schweine erfolgreich übertragen, sind die kleinsten pathogenen Bacillen, nur 0,0008 mm lang und etwa 0,0002 mm dick. Ob sie Eigenbewegung besitzen, ist noch nicht sicher entschieden; auch nicht, ob sie Sporen bilden. Sie färben sich leicht und wachsen bei Zimmertemperatur auf Gelatine. Noch eine andre Seuche als der Rotlauf wird bei Schweinen durch B. hervorgerufen, die von Löffler und Schütz so benannte Schweineseuche; sie ist vielleicht identisch mit der Wildseuche, vielleicht auch mit der Schweinediphtherie Dänemarks und Skandinaviens; die amerikanische Schweineseuche (hog cholera) scheint jedoch durch andre B. bedingt zu sein. Die genannten Seuchen haben zu den teilweise noch bestehenden Schweine-Einfuhrverboten Anlaß gegeben. Die B. der Schweineseuche sind dicke Bacillen mit abgerundeten Enden und einer hellen Lücke im Innern (die helle Lücke ist jedoch nicht als Spore zu deuten). Ihre Länge beträgt 0,001-0,0012 mm, häufig liegen sie zu zweien, manchmal bilden sie auch längere Verbände, kurze sogen. Scheinfaden. Sie sind unbeweglich, wachsen auf Gelatine bei Zimmertemperatur und färben sich leicht mit Anilinfarben. Außer für Schweine wirken sie noch auf viele andre (Versuchs-) Tiergattungen krankheitserregend. Sporenbildung ist nicht nachgewiesen. Die B. der Hühnercholera stimmen in allen wesentlichen Punkten mit den vorigen überein, von denen sie nur mit Mühe zu unterscheiden sind.