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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bohn; Bohnenberger; Boileau-Despréaux; Boissy d'Anglas; Bolin; Bonaparte

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Bohn - Bonaparte.

tonte, daß die tschechische Bevölkerung ohne jeden Grund verhetzt und in Aufregung versetzt sei. Übrigens dauerte auch nach der Vertagung des Landtags die jungtschechische Agitation ungeschwächt fort, wogegen die Alttschechen, welche fühlten, daß sie den Boden unter ihren Füßen verloren, ein neues Mittel versuchten, um ihre Position zu retten. Sie verlangten nämlich plötzlich die Einführung der tschechischen Amtssprache im internen Dienste der Gerichte der rein tschechischen Bezirke als Bedingung für die Annahme der weitern Ausgleichspunkte. In diesem Sinne hatte sich auch der Landtag mit einer gegen die Stimmen der Deutschen angenommenen Resolution ausgesprochen. Die Regierung und die Deutschen verhielten sich gegenüber dieser neuen Forderung, welche zufolge der Wiener Vereinbarungen vom Ausgleich ausgeschlossen bleiben sollte, ablehnend. Ja der Kaiser erklärte, als bei einem Delegationsempfang Rieger ihm gegenüber diese Frage berührte, es dürfe nicht dahin kommen, daß die Beamten in Böhmen der deutschen Sprache nicht mehr mächtig seien. Neuerliche Konzessionen der Regierung an die Tschechen in der Schulfrage, wie die Komplettierung der tschechischen Universität durch die Errichtung einer theologischen Fakultät, die Übernahme von tschechischen Privatgymnasien in die Staatsverwaltung, Anerkennung und Unterstützung der neuen tschechischen Akademie der Wissenschaften und Künste, übten nur geringe Wirkung auf die erregten Gemüter aus, anderseits verursachte es bei der Durchführung des neuen Gesetzes über den Landesschulrat auf seiten der Deutschen großen Unmut, daß die Prager tschechische Stadtvertretung den Reichsratsabgeordneten Heinrich, welcher immer mit den Tschechen stimmte, als Vertreter der Deutschen in den Landesschulrat entsandte. Am 14. Okt. wurde der böhmische Landtag zur Fortsetzung seiner Beratungen über die Ausgleichsvorlagen einberufen. Die kurz vorher stattgefundenen Verhandlungen zwischen den Alt- und Jungtschechen über den Ausgleich waren, wie vorauszusehen war, an der Weigerung der Jungtschechen, für die Ausgleichspunktationen ohne vorherige Zugeständnisse an die Tschechen in sprachlicher und staatsrechtlicher Beziehung, insbesondere hinsichtlich der Wahlordnung, einzutreten, gescheitert. In dieser zweiten Ausgleichssession wurde die Vorlage, betreffend die Zweiteilung des Landeskulturrats, jedoch in einer Art in Verhandlung gezogen, daß die Beratung des Gesetzes in der Session nicht zu Ende geführt werden konnte und bis zu der im Januar 1891 in Aussicht genommenen dritten Session vertagt werden mußte. Unter diesen Umständen beschlossen die Vertrauensmänner der Deutschböhmen, daß von der Beschickung der Landesausstellung 1891 seitens der Deutschen Abstand zu nehmen sei.

Bohn, Emil, geb. 14. Jan. 1839 zu Bielau bei Neiße, studierte in Breslau Philologie, leitete aber bereits als Student den Akademischen Musikverein und widmete sich schließlich ganz der Musik als Schüler von J. ^[Julius] Schäffer (Theorie) und E. Baumgart (Orgel). 1868 wurde er Organist der Kreuzkirche zu Breslau und begründete in demselben Jahr den Bohnschen Gesangverein, der sich in neuerer Zeit besonders durch seine historischen Konzerte hervorthat. 1884 wurde er von der Breslauer Universität zum Ehrendoktor ernannt und übernahm die Direktion des Universitätsgesangvereins und den Gesangsunterricht am Matthiasgymnasium. Sehr verdienstlich sind seine bibliographischen Werke: »Bibliographie der Musikdruckwerke bis 1700, welche auf der Universitätsbibliothek, Stadtbibliothek etc. zu Breslau aufbewahrt werden« (Berl. 1883) und »Die musikalischen Handschriften des 16. und 17. Jahrhunderts in der Stadtbibliothek zu Breslau« (Bresl. 1890). Auch gab B. Mendelssohnsche und Chopinsche Klavierwerke heraus. B. bereitet eine umfassende Partiturausgabe der weltlichen mehrstimmigen Lieder der Zeit von 1550-1630 vor. Seit 1884 ist er auch Musikreferent der »Breslauer Zeitung«.

Bohnenberger, Joh. Gottl. Friedr. von, Mathematiker und Astronom. Vgl. über ihn die Schrift von Ofterdingen (Tübing. 1885).

Boileau-Despréaux, Nicolas, franz. Dichter und Kritiker. Vgl. Kaulen, Poetik Boileaus (Hannov. 1882); Deschanel, Le romantisme des classiques, 4. série: Boileau, Charles Perrault (Par. 1888).

Boissy d'Anglas (spr. böasfi dangla), François Antoine, Baron de, franz. Politiker, geb. 19. Febr. 1846 zu Paris, Enkel des berühmten Präsidenten des Nationalkonvents, Grafen B., studierte die Rechte, ward Präfekturrat in den Departements Var und Drôme, nahm aber nach dem 16. Mai 1877 seine Entlassung und wurde als republikanischer Kandidat zum Deputierten gewählt und 1880 als außerordentlicher Gesandter nach Mexiko geschickt, um mit dieser Republik die diplomatischen Beziehungen wieder anzuknüpfen. Er kehrte 1881 zurück und widmete sich ganz der parlamentarischen Thätigkeit. Er gehört der radikalen Linken in der Kammer an.

Bolin, Andreas Wilhelm, schwed. Philosoph und Litterarhistoriker, geb. 2. Aug. 1835 zu St. Petersburg, studierte in Helsingfors, wo er 1865, nachdem er zu wissenschaftlichen Zwecken Schweden, Deutschland, Belgien und Frankreich bereist, zum Dozenten der Philosophie und 1873 zum Universitätsbibliothekar mit dem Titel eines Professors ernannt wurde. Seine rechtsgeschichtlichen Hauptschriften sind: »Die Familie« (Helsingf. 1864) und »Europas Staatsleben und die politischen Lehren der Philosophie« (das. 1868). Außerdem veröffentlichte er zahlreiche Essays (»Die Entwickelung des Familienbegriffs bis zur Reformation«, 1860; »Leibniz, ein Vorbote von Kant«, 1864; »Die Lehre von der Willensfreiheit«, 1868) sowie auch Aufsätze in deutscher Sprache in deutschen Blättern, besonders auf dem Gebiet der Shakespeare-Forschung und der deutschen Litteratur; ferner eine Shakespeare-Ausgabe nach Hagbergs Übersetzung mit den Gilbertschen Illustrationen (2. Aufl., Lund 1889 ff.) und 1891 eine größere Arbeit über Ludwig Feuerbach, mit dem er viele Jahre in brieflichem und persönlichem Verkehr gestanden hatte.

Bonaparte. Vgl. Schlitter, Kaiser Franz I. und die Napoleoniden (Wien 1888).

3) Ludwig B., König von Holland. Vgl. Loosjes, Louis B., de koning van Holland (Amsterd. 1888).

4) Jérôme, Exkönig von Westfalen. Sein und andrer Briefwechsel mit dem König Friedrich von Württemberg wurde von Schloßberger herausgegeben (Stuttg. 1886-87, 3 Bde.).

Bonaparte, Roland Napoléon, Prinz, geb. 19, Mai 1858, Sohn des Prinzen Pierre Napoléon (gest. 1881), besuchte die Schule von St.-Cyr, trat als Unterleutnant in ein Infanterieregiment und heiratete 1880 eine Tochter des Spielpachters von Monaco, Blanc, welche ihm ein großes Vermögen zubrachte, aber nach der Geburt einer Tochter 1882 starb. 1883 nahm B. seinen Abschied und wurde zu den Offizieren von der Reserve versetzt, 1886 aber auf Grund des Prätendentengesetzes aus den Listen der Armee gestrichen. Er unternahm darauf große Rei-^[folgende Seite]