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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Franklin; Frankomarkt; Frankreich

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Franklin - Frankreich.

Kreislauf desselben in der Landwirtschaft« (das. 1888); »Über die Pilzsymbiose der Leguminosen« (das. 1889); »Lehrbuch der Pflanzenphysiologie« (das. 1890). Auch bearbeitete er die 3. Auflage von Leunis' »Synopsis der Botanik« (Hannov. 1883-86, 3 Bde.), die 11. Auflage von Leunis' »Schulnaturgeschichte: Botanik« (das. 1891) und die 10. Auflage von dessen »Leitfaden der Botanik« (das. 1890).

Franklin, 1) Benjamin, nordamerikan. Staatsmann. Vgl. noch die Biographie von Morse (Boston 1889) und Mac Master, Benj. F. as a man of letters (Lond. 1888).

2) Sir John, engl. Seefahrer. Vgl. Skewes, Sir John F., the secret of the discovery of his fate (Lond. 1889).

Frankomarkt, der Markt für unentgeltliche Erledigung der Kaufs- und Verkaufsgeschäfte. Ein solcher hat sich zu dem Zwecke, um die Maklergebühr ganz oder teilweise zu ersparen, in den letzten Jahren an einzelnen Effektenbörsen herausgebildet, indem die Bankiers untereinander mit Umgehung der Maklergebühren Geschäfte abzuschließen bestrebt sind.

Frankreich. Aus den offiziellen Daten über die Bevölkerungsbewegung im J. 1889 ergibt sich, daß die Zahl der Geburten (exkl. Totgeborne) abermals und zwar gegen das Vorjahr um 2060, gegen 1887 um 18,754 abgenommen hat. Noch stärker haben sich allerdings die Sterbefälle, nämlich um 49,934 gegen 1888 vermindert. Die Eheschließungen, 272,934, weisen seit 1870 die niedrigste Ziffer auf. Die französischen Universitäten waren im Schuljahr 1889/90 von 16,587 Studierenden, darunter 1271 fremden, besucht. Seit 1875, wo die Zahl der Studenten nur 9863 betrug, ist dieselbe um 66 Proz. gestiegen. Die 16,587 Studenten verteilen sich wie folgt auf die einzelnen Fakultäten: Medizin 5843, Rechte 4570, Philosophie 1834, Mathematik und Naturwissenschaften 1278, höhere Pharmazeutenschule 1590, pharmazeutische Fachschule 1371, protestantische Theologie 101. Auf Paris allein entfallen 8653 Studenten, also mehr als die Hälfte der Gesamtzahl. Die medizinische Fakultät von Paris wird von 4319 Studenten besucht. Von den 1271 fremden Studenten kommen 1078, also 85 Proz., auf die Pariser Hochschulen.

[Landwirtschaft.] Die Ernte in Weizen wird für das Jahr 1890 mit 108,5 Mill. hl angegeben, wovon 101 Mill. zum Mahlen taugliche Frucht war. Der Ertrag, welcher 95 Proz. einer Mittelernte ausmacht, wurde noch dadurch geschmälert, daß das natürliche Gewicht des Kornes fühlbar geringer ist als im Vorjahr. Die Weinernte belief sich in den Jahren 1889 und 1890 auf 23,223,150, bez. 27,416,327 hl, d. h. um 6,7, bez. 2,26 Mill. hl weniger als im Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Das schlechte Ergebnis ist der Phylloxera und andern Erkrankungen der Weinstöcke zuzuschreiben. Die Qualität des Weines war allerdings sehr befriedigend. Man schätzte den Wert der Weinernte 1889 auf 881 Mill., 1890 aber auf 988 Mill. Fr. Der Ausfall der Ernte wurde auch 1889 durch die Einfuhr fremder, insbesondere spanischer Weine gedeckt. Die Weinfabrikation aus Trestern mit Zuckerzusatz sowie die aus getrockneten Weintrauben ist fortgesetzt im Abnehmen begriffen; erstere betrug 1889: 3,305,000 hl gegen 4,693,000 hl im J. 1888, letztere 1,826,000 gegen 2,220,000 hl. Namentlich gegen die letztere Fabrikation machte sich eine lebhafte Agitation der Weinproduzenten geltend. Da jedoch bis 1892 der Eingangszoll auf trockne Trauben (nach dem portugiesischen Handelsvertrag, der infolge der Meistbegünstigung auch für die wichtigsten Provenienzen, Türkei und Griechenland, gilt, 6 Frank pro 100 kg) nicht erhöht werden kann, wurde der Vorschlag gemacht, die Fabrikation von aus trocknen Trauben erzeugtem Weine mit einer Steuer zu belasten. In der That ist durch Gesetz vom 27. Juli 1890 der aus getrockneten Weinbeeren fabrizierte Wein mit einer Abgabe von 40 Cent. für jeden Grad Alkoholgehalt bis zu 10° und von 60 Cent. für jeden Grad von 10-15° belegt worden. An Apfelwein wurden 1890: 11 Mill. hl (1,1 Mill. weniger als im zehnjährigen Durchschnitt) gewonnen.

[Bergbau und Industrie.] Der Berg- und Hüttenbetrieb lieferte als Hauptprodukte im J. 1889: 24,588,888 Ton. Mineralkohle (um 1,985,986 T. mehr als im Vorjahr) und 1,722,480 T. Roheisen (gegen 1,683,349 T. im J. 1888). Das Roheisen wurde fast durchgehends, nämlich 1,708,328 T., mittels Koksfeuerung gewonnen. Raffiniertes Eisen wurde in einer Menge von 793,358 T. (um 23,615 T. mehr als 1888), von Stahl wurden 529,021 T. (um 11,727 T. mehr) hergestellt. Von letzterer Menge kamen 145,347 T. auf Schienen (27,711 T. weniger), 294,951 T. auf Stahl in Stäben (um 35,887 T. mehr), 88,723 T. auf Blech (3551 T. mehr). Bessemerstahl figuriert mit 304,786, Siemens- und Martinstahl mit 183,100 T. Die französische Kohlenproduktion genügt bekanntlich dem Bedarf bei weitem nicht, es müssen jährlich ca. 12 Mill. T. aus dem Ausland (Belgien, England, Deutschland) eingeführt werden. Angesichts dieses Umstandes wurde in F. neuerdings die Kalamität viel besprochen, welche beim Ausbruch eines Krieges in Bezug auf den Kohlenbedarf der französischen Eisenbahnen, Kriegsschiffe, Hochöfen etc. entstehen müßte. Die französischen Bergwerksarbeiter werden zufolge Gesetzes vom 8. Juli 1890 in Zukunft an der Aufsicht über die Sicherheit ihres Lebens und ihrer Arbeit selbst teilnehmen. Bisher haben die Unternehmer über die Sicherheit des Betriebes ihrer Gruben gewacht und Staatskontrolleure diese Überwachung ergänzt. Von nun an wird in den Bergwerken eine dritte Kontrolle, und zwar die der Arbeiter selbst, eingeführt; dieselben haben für je 750 Arbeiter einen Delegierten zu bestellen, dessen Aufgabe es ist, im Namen der Arbeiterschaft die Bergwerke seines Bezirks regelmäßig zu inspizieren und durch genaue Untersuchung der Vorrichtungen, welche für die Sicherheit der Arbeiter getroffen sind, Unglücksfällen zuvorzukommen. An dem Erfolg dieser Maßregel wird übrigens deshalb gezweifelt, weil der Senat die Bestimmung, wonach die Delegierten einen Gehalt aus der Staatskasse bezogen hätten und dadurch unabhängig gestellt worden wären, verworfen hat. Die französischen Kammern beschäftigten sich auch sonst mehrfach mit sozialpolitischen Gesetzentwürfen, wozu die Berliner Arbeiterschutzkonferenz eine besondere Anregung bot. So bildeten die Arbeiterschiedsgerichte (conseils de prud'hommes) und ihre Weiterentwickelung, die Altersversicherung der Arbeiter, die Haftpflicht für Unfälle von Arbeitern im Industriebetrieb, die Arbeitsbücher, die Nachtarbeit der Frauen und Kinder etc. den Gegenstand von Gesetzentwürfen und Regierungsvorlagen sowie von Beratungen der beiden Kammern, ohne daß diese Fragen jedoch zu einem vollständigen Abschluß gelangt wären. Der 1. Mai 1890 ist in F. ohne eine größere öffentliche Kundgebung der Arbeiter verlaufen. Es wurde nur in der Kammer eine Petition wegen Beschränkung des normalen Arbeitstags im Wege internationaler Gesetzgebung auf 8 Stunden überreicht. Dagegen sind in den Maitagen größere Streits, namentlich im