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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gephyreen; Gerard; Gerbsäuren; Germann; Gerok; Geruch

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Gephyreen - Geruch.

scheiden kann, entsprechen verschiedenen Stadien der Lateritbildung. Man kann von den auf ursprünglicher Lagerstätte befindlichen Eluviallateriten die umgelagerten Detrituslaterite unterscheiden. Die erstern sind zunächst Tiefenlaterite und können ganze Schichtensysteme bilden. Sie gehen durch Aufhebung der Struktur und Konzentration des Eisengehalts in Oberflächenlaterite über, und es können schließlich eisenreiche, zellige, oft schlackig aussehende Krusten daraus werden. Die Detrituslaterite sind entweder Absätze des fließenden Wassers oder vom Winde umgelagert, oder auch bei Strandverschiebung von der Brandungswelle umgelagert und dann als mariner Laterit zu bezeichnen.

In der dritten Sitzung sprach Baron v. Reinach - Frankfurt über die Parallelisierung der Gesteine des südlichen Taunus mit denen der Ardennen und der Bretagne, Professor Jentzsch - Königsberg machte einige Mitteilungen über eigentümliche Erscheinungen in der Oberflächengestaltung Westpreußens, so über gewisse sich auf kleinern Gebieten wiederholende Analogien in der Richtung der Flußläufe, über eigenartige Erscheinungen an den Rändern des Weichselthals sowie über das eigentümlich gewundene Thal, welches von Leba über Lauenburg und Neustadt nach Rheda führt, mit seinen beiden Enden im Meeresniveau liegt und in der Mitte, auf der Wasserscheide zwischen Leba und Rheda, auf 50 m über dasselbe sich erhebt. Den letzten Vortrag hielt Pfaff - Erlangen über die Resultate der Ausgrabung einer von ihm aufgefundenen Höhle bei Forchheim. Dieselbe liegt 30 m über dem Flusse, ist 25 m lang, 6 m breit und 1,6 m hoch. Unter einer oberflächlichen Schicht von großen Blöcken folgte zunächst eine rotbraune thonige Schicht mit Asche, Scherben und andern Kunstprodukten. Mit zunehmender Tiefe zeigten die Scherben und Feuersteine Anzeichen von immer niedrigerer Kultur. Die weitere Nachgrabung in dem untern Lehme, der keine Kunstprodukte mehr enthielt, forderte ein Skelett zu Tage, welches einem siebenjährigen Kinde angehörte und, wie die Beigaben bewiesen, an Ort und Stelle bestattet war. Das außerordentlich mürbe Skelett weist auf einen ziemlich niedrigen Entwickelungszustand hin.

Gephyreen (Sternwürmer). Die Challenger-Expedition hat ergeben, daß viele Arten, die man bisher als Küstenformen betrachtet hat, in größern Tiefen vorkommen. Auch eine eigne Tiefseespezies der schon bekannten Gattung Phascolosoma wurde gefunden und zwar sowohl im Nördlich-Atlantischen als im Stillen Ozean. Eine eigentümliche Symbiose existiert zwischen dem sonderbaren, auch zu den Sternwürmern gerechneten Wurme Phoronis australis und einer Aktinie, einer Cerianthus-Art. Der Wurm baut nämlich seine Röhre in die Wand, mit welcher die Aktinie umgeben ist, und trägt zu ihrer Herstellung mit bei. Die Röhre besteht teils aus gelatinösen Fäden, welche von Phoronis stammen, teils aus sehr feinen Nesselfäden, welche von der Aktinie herrühren.

Gerard, Dorothea, engl. Schriftstellerin, geb. 9. Aug. 1855 zu Rochsoles in der schottischen Grafschaft Lanarkshire, brachte einen großen Teil ihrer Jugend im Ausland, hauptsächlich in Österreich, zu und ist seit 1887 mit dem österreichischen Major Julius Longard verheiratet, bewahrt aber als Schriftstellerin ihren Familiennamen. Sie trat zuerst als Mitarbeiterin an »Blackwood's Magazine« in Gemeinsamkeit mit einer Schwester auf, und ihre Erzählungen: »Reata« (1880), »Beggar my neighbour«, »The waters of Hercules« wurden mit Beifall aufgenommen. Allein schrieb sie die Novellen »Orthodox« (1888), »Lady Baby« und »Recha« (1890), von denen besonders die letztere günstige Beurteilung fand. Die erwähnte Schwester, E. Gerard, gab ihre Erzählungen unter dem Titel: »Bis« (1890) gesammelt heraus. Die neueste gemeinsame Arbeit der Schwestern ist der Roman »A sensitive plant« (1891, 3 Bde.).

Gerbsäuren. Im Interesse einer bessern Erkenntnis der Rolle, welche die G. in der Pflanze spielen (vgl. G., Bd. 17), macht Reinitzer darauf aufmerksam, daß die Substanzen, welche man als G. zusammenzufassen pflegt, von sehr verschiedener Beschaffenheit sind. Ursprünglich ist man bei der Aufstellung der Gruppe von rein praktischen Rücksichten ausgegangen, dann wurde die Reaktion auf Leim und Eisensalze als charakteristisch angesehen, allein viele Körper dieser Gruppe fällen Leim nicht, und bei weitem nicht alle bilden Leder. Etwa die Hälfte der G. gibt bei Behandlung mit verdünnter Schwefelsäure Zucker, ist glykosidisch, die andre Hälfte nicht, tiefer greifende gemeinsame Merkmale sind nicht vorhanden, und somit dürfte die Pflanzenphysiologie bessere Resultate erzielen, wenn sie den Begriff G. ganz fallen ließe. Der Name Gerbstoff sollte nur für jene Körper angewendet werden, welche in der Lohgerberei Verwendung finden.

Germann, Wilhelm, luther. Theolog und Missionsschriftsteller, geb. 3. April 1840 zu Gardelegen, Schüler des Stralsunder Gymnasiums, studierte in Erlangen, wirkte 1865-67 als Missionar unter den Tamulen in Ostindien, erhielt darauf eine Anstellung als Pfarrer in Spechtsbrunn (Sachsen-Meiningen) und lebt seit 1886 als Kirchenrat und Superintendent in Wasungen. Er schrieb die Lebensbilder einiger Missionare: »J. Ph. ^[Johann Philipp] Fabricius« (Erlang. 1865), »Ziegenbalg und Plütschau, die Gründungsjahre der Trankebar-Mission« (das. 1868), »Christ. Friedr. Schwartz« (das. 1870); »Die Kirche der Thomaschristen« (Gütersloh 1877); »Heinr. Melch. Mühlenberg, Patriarch der lutherischen Kirche Nordamerikas« (Allentown 1881); »Altenstein, Fichte und die Universität Erlangen« (Erlang. 1889) u. a. Auch gab er O. Grauls »Kural of Tiruvalluver« (Leipz. 1865), Barth. Ziegenbalgs »Genealogie der Malabarischen Götter« (Madras 1867), in tamulischer Sprache die »Evangelienpostille« von Fabricius und die alttestamentlichen »Apokryphen«, ferner gemeinsam mit Professor Wann und Schmucker die neue erweiterte Ausgabe der »Nachrichten von den vereinigten deutschen evangelisch-lutherischen Gemeinen ^[richtig: Gemeinden] in Nordamerika« (Allentown 1886) heraus.

Gerok, Karl, Kanzelredner und Dichter. Seine Biographie schrieb H. Mosapp (Stuttg. 1890).

Geruch (in psychologischer Hinsicht) hat sich mutmaßlich aus dem Tastsinn entwickelt und ist nahe mit dem Geschmack (s. d.) verwandt. Die Qualitäten dieses Sinnes sind durch die Selbstbeobachtung nicht deutlich zu unterscheiden und auf bestimmte Grundqualitäten zu reduzieren; die Bezeichnungen der verschiedenen Geruchsempfindungen werden entweder von Substanzen (veilchenartig, moschusartig etc.) oder von Prozessen (faulig, rauchig etc.) hergenommen. Auffallend ist die enge Beziehung des Geruchs zur Selbsterhaltung, die sich in den sehr starken Lust- und Unlustgefühlen äußert, von denen Geruchsempfindungen begleitet sein können; bemerkenswert endlich ist die Verwandtschaft mit dem Tastsinn (stechender G., Reflex des Niesens) und dem Geschmackssinn (süßlich-fauliger G. des Schwefelwasserstoffs).