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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hauslab; Hausner; Hausorden, montenegrinischer; Haußmann; Haut; Hautgifte

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Hauslab - Hautgifte.

gleichende Abwechselung zwischen Hauswirtschaft und Ackerwirtschaft, Widerstandsfähigkeit gegen schwere Krisen des Handels wegen großer Elastizität, Möglichkeit des Verdienstes sämtlicher Familienmitglieder, ohne daß das natürliche Maß der Kräfte überschritten zu werden braucht. In vielen Fällen bildet auch das Gefühl der Selbständigkeit und das Eigentumsgefühl einen Damm gegen die Bestrebungen der Sozialdemokratie und gegen die zu starke Zentralisation der Kapitalien, weil die H. einen breiten Mittelstand mit guten sozialen Kräften in sich schließt, der die Grenzen der Klassenordnungen verwischt. Trotzdem sind in den letzten Jahren viele Bezirke mit hausindustrieller Bevölkerung der sozialdemokratischen Agitation zum Opfer gefallen. Es hat dies seinen Grund einerseits in der allgemeinen Anreizung durch das parlamentarische Verfassungsleben und die dadurch bewirkte Unabhängigkeit der politischen Gesinnung sowie in der nur durch äußere Mittel erschwerten Aufreizung durch berufsmäßige Agitatoren, anderseits in der Unzulänglichkeit der wirtschaftlichen Grundlagen, dem Verschwinden patriarchaler Erwerbsformen überhaupt, dem lockern Verhältnis zwischen Hersteller und Vertreiber der Waren und in einem gewissen Pessimismus gegenüber dem siegreichen Fortschreiten des maschinellen Großbetriebs.

Da die hausindustrielle Betriebsform infolge der rasch aufeinander folgenden Einführung neuer, verbesserter Produktionsmethoden und der ungeahnt schnellen Überflügelung der volkswirtschaftlichen Organisationstechnik durch die moderne Maschinentechnik in mancher Hinsicht den allgemeinen Bedingungen der modernen Fabrikationsart nicht mehr entspricht, so ist ihre Existenz erschüttert und in vielen Zweigen der Bestand derselben sogar gänzlich in Frage gestellt. In größerm Maßstab ist die H. gegenwärtig nur noch vorhanden für einen Teil der Eisenindustrie, der Textilindustrie, Spielwarenindustrie, Samt- und Seidenindustrie, der Weißstickerei, Strohflechterei, Holzschnitzerei, Marmorschleiferei, Goldwarenindustrie, Glaswarenindustrie, Blumenindustrie etc. Im allgemeinen darf die Behauptung aufgestellt werden, daß, wo die Maschine billiger, besser und mehr produziert, die Handarbeit zu gunsten des zentralisierten Fabrikbetriebs aufhören muß. Nur auf kunstgewerblichem Gebiet und hinsichtlich der Erzeugung von Luxus- und Modeartikeln, die, für das individuelle Bedürfnis bestimmt, einem raschen Verbrauch unterliegen und eine individuelle Behandlung erfordern, wird sich die hausindustrielle Betriebsform auch für die Folge noch behaupten. Etwanige Reformen zu gunsten der H. müssen in dem Bewußtsein erfolgen, daß die H. nur eine historische Form der Produktion ist, welche ihre Zeit zum größten Teile erfüllt hat, indem sie den Übergang zum zentralisierten Fabrikbetrieb vorbereitete. Soweit sich solche Maßnahmen auf das Individium beziehen, ist es Pflicht der Gerechtigkeit, wie solche in der Bestimmung unsrer Staatsordnung liegt, den Übergang der brotlos gewordenen Heimarbeiter zu andern Erwerbsquellen nach Möglichkeit zu erleichtern.

Vgl. Schmoller, Geschichte des deutschen Kleingewerbes im 19. Jahrhundert (Halle 1870); »Schriften des Vereins für Sozialpolitik: Die deutsche H.«, Bd. 39 ff.; Daselbst: Stieda, Litteratur, heutige Zustande und Entstehung der deutschen H., Bd. 1; Ziegler, Die sozialpolitischen Aufgaben auf dem Gebiete der H. (Berl. 1890).

Hauslab, Franz, Ritter von, österreich. General, geb. 1. Febr. 1798, nahm als Fähnrich 1815 am Feldzug in Frankreich teil, wurde 1816 dem Generalquartiermeisterstab zugeteilt und wirkte als Lehrer der Topographie an der Ingenieurakademie, als Erzieher des Erzherzogs Albrecht und als Instruktor der nach Wien zu ihrer Ausbildung gesandten türkischen Offiziere. 1848 befehligte er als Generalmajor die Artillerie bei der Einnahme Wiens, war 1849 Feldartilleriedirektor in Ungarn, 1854-60 Generalgeniedirektor und 1860-65 Präsident des wissenschaftlichen Komitees im Kriegsministerium; 1859 war er als Feldmarschallleutnant Chef der Artillerie im italienischen Kriege und wurde auch 1866, obwohl schon 1865 als Feldzeugmeister in den Ruhestand getreten, wieder verwendet. Seit 1868 definitiv im Ruhestand, starb er 11. Febr. 1883 in Wien. Von seinen Beiträgen zur »Österreichischen militärischen Zeitschrift« erschienen mehrere in Sonderausgabe, wie »Über die Bodengestaltung in Mexiko«, »Über die charakteristischen Kennzeichen der geschichtlichen Entwickelungsabschnitte der Kriegertracht vom Beginn des 16. Jahrhunderts« (beide 1864).

Hausner, Otto, österreich. Abgeordneter, starb 26. Febr. 1890 in Lemberg.

Hausorden, montenegrinischer, gestiftet von Fürst Danilo I. in den 50er Jahren für Glieder fürstlicher Familien und höchste Würdenträger. Die Dekoration besteht aus einem an doppelköpfigem, gekröntem Adler hängenden, blau-weiß-rot emaillierten und golden besäumten Johanniterkreuz mit Kugelspitzen. Der Mittelschild zeigt auf rotem Grunde die Gottesmutter in Gold, umrahmt von blauem Ringe mit der Inschrift: »Danilo der Montenegriner«. Zwischen den Kreuzarmen und zwischen Kreuz und Adler befinden sich ausschreitende Löwen. Der Revers zeigt auf rotem Grunde die Namenschiffer »Δ. Ι.« und im blauen Ringe die Inschrift: »Für die Unabhängigkeit Montenegros«. Das Band ist rot, weiß und blau.

Haußmann, Georges Eugène, Baron, ehemaliger Präfekt von Paris, starb 12. Jan. 1891 in Paris; kurz vor seinem Tode waren seine »Memoiren« (4 Bde.) erschienen.

Haut, Perspiration, s. Innere Medizin.

Hautgifte, eine eigentümliche, den Rindengiften der Pflanzen vergleichbare Klasse von Giftstoffen, die von den Hautdrüsen verschiedener Tiere, namentlich nackthäutiger Amphibien, abgesondert werden und sie vor den Angriffen vieler Fleischfresser schützen. Es handelt sich hier namentlich um die im Volksmund seit langem bekannte, aber von den Naturforschern (Lenz, Giebel, Brehm, Leunis u. a.) immer wieder geleugnete Giftigkeit der Kröten, Salamander, Tritonen und verwandten Tiere, die durch neuere Untersuchungen zweifellos festgestellt wurde. Freilich nicht in dem Umfang, in welchem z. B. Plinius (XXIX, 23) den Salamander das gräßlichste aller Tiere nannte, weil er durch Baum- und Brunnenvergiftung ganze Völker morden könne, oder Boccacio erzählt, daß jemand, der sich mit einem Salbeiblatt, unter dem eine Kröte gesessen, die Zähne gerieben, sofort tot hingestürzt sei, aber immerhin so weit, daß die Pfeilgiftbereiter, die den Molchen, Salamandern und Kröten ihr Hautdrüsengift entlocken, völlig vor der Wissenschaft gerechtfertigt dastehen, sofern diese H. den Schlangengiften wenig an Gefährlichkeit nachgeben. Die Untersuchungen über die Giftigkeit des Salamanders gehen bis zum Ende des 17. Jahrh. zurück, doch fand Wurfbainius 1683, daß derselbe nicht giftig sei, was Maupertuis 1727 bestätigte. Dagegen zeigte Laurentius bereits 1783, daß das Sekret der Hautdrüsen kleine Tiere, in deren Mund