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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hofmann; Hogendorp; Hohenfels; Hohenlohe-Schillingsfürst; Höhere Lehranstalten

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Hofmann - Höhere Lehranstalten.

ein. Daneben unterrichtete er in der höhern Mädchenschule seiner Gattin und seit 1839 in der Lehrerbildungsanstalt der Gesellschaft der Freunde des vaterländischen Schul- und Erziehungswesens. Seit 1848 beteiligte er sich eifrig am Vereinsleben der Hamburger und überhaupt der deutschen Lehrer und erwarb gleichzeitig als Leiter des »Hamburger Schulblattes« (1852-66) in der Lehrerwelt solches Ansehen, daß er in der allgemeinen deutschen Lehrerversammlung 21mal (von der dritten an) mit dem Vorsitz betraut ward. 1859 in die Hamburger Bürgerschaft und bald darauf auch von dieser zum Vorsitzer gewählt, hatte H. wesentlichen Anteil an der Reorganisation des hamburgischen Schulwesens durch das Gesetz von 1870 und trat als Schulrat für das Volksschulwesen in die neue Oberschulbehörde ein, aus der er 1881 wegen zunehmender Kränklichkeit schied. Er starb 28. Juni 1890 in Hamburg.

Hofmann, 4) August Wilhelm, Chemiker, veröffentlichte seine gesammelten Gedächtnisreden: »Zur Erinnerung an vorangegangene Freunde« (Berl. 1889, 3 Bde.).

Hofmann, Konrad, Sprachgelehrter und mittelalterlicher Litteraturforscher, geb. 14. Nov. 1819 im Kloster Banz in Oberfranken, erhielt seine Schulbildung in Bamberg, studierte seit 1837 in München und Erlangen zunächst Medizin, ging dann zur Philologie über und promovierte nach gründlichen Studien in Erlangen, Leipzig und Berlin 1848 in Leipzig mit einer Dissertation aus dem Altindischen. Die Studien auf dem Gebiete der Romanistik und Germanistik, auf dem er bald zu den führenden Geistern gehören sollte, vertiefte H. bei einem Aufenthalt in Paris 1850-51, wo er, an den Bibliotheken eifrig arbeitend, viele romanische Sprachdenkmäler abschrieb, um sie später sämtlich, teils in Einzelausgaben, teils in einer Chrestomathie herauszugeben. Nach München zurückgekehrt, betrieb er seine Studien an der von Schmeller musterhaft eingerichteten Handschriftenabteilung der königlichen Hof- und Staatsbibliothek, an der er selbst ein Jahr (1853/54) angestellt war, in inniger Verbindung von Germanistik und Romanistik. Diese Verbindung, durch welche die vielfältige Einwirkung der französischen Dichtung auf die deutsche Ritterpoesie klargelegt ward, trug wesentlich zur Erklärung und zum Verstehen manches deutschen Dichters bei. Außerdem wußte H. für seine Forschungen auch seine umfassenden Kenntnisse des Sanskrits und einer Anzahl andrer Sprachen, seine Kombinationsgabe auf textkritischem Gebiet und seine ungewöhnliche Kenntnis mittelalterlicher Realien in hohem Maße fruchtbar zu machen. Von Schmeller selbst zu dessen Nachfolger empfohlen, wurde H. 1853 zum außerordentlichen, 1856 zum ordentlichen Professor für altdeutsche Sprachen ernannt; 1869 erhielt er auch die Vertretung des Altromanischen. Nach neuen Studienreisen, die er auf Kosten des Königs Maximilian II. 1857, 1858 und 1859 nach Paris, London, Oxford, St. Gallen und Bern unternommen hatte, blieb er dauernd in München, wo er bis zu seinem 30. Sept. 1890 (während des Sommeraufenthalts in Waging bei Traunstein) erfolgten Tode eine sehr fruchtbare Lehrthätigkeit entwickelte. Seit 1853 gehörte H. der königlich bayrischen Akademie der Wissenschaften als Mitglied an, 1871 wurde er auch Mitglied der königlich dänischen Altertumsgesellschaft. Seine litterarische Thätigkeit war eine ausgebreitete; die Mehrzahl seiner Arbeiten ist in den Sitzungsberichten und Denkschriften der Münchener Akademie der Wissenschaften, in Pfeiffers »Germania« und Vollmöllers »Romanischen Forschungen« zerstreut. Diese kurzen Einzelschriften behandeln beinahe sämtliche wichtigern germanischen und romanischen Litteraturdenkmäler und enthalten eine Fülle von gelehrtem Wissen, kritischem Scharfsinn und fruchtbarer Kombination. An selbständigen Werken veröffentlichte er zuerst 1850 eine in Gemeinschaft mit Vollmar besorgte Ausgabe des »Hildebrandliedes«. Dieser folgten: »Amis et Amiles« und »Jourdain de Blaivies« (Erlang. 1852, 2. Aufl. 1882); »Primavera y Flor de Romances« (mit F. Wolf, Berl. (1856); »Karls d. Gr. Pilgerfahrt«, anglonormännisch, kymrisch und englisch (Münch. 1866); »Joufrois« (Halle 1880); »Lutwins Adam und Eva« (gemeinschaftlich mit Wilh. Meyer, Münch. 1881).

Hogendorp, 1) Dirk, Graf van, holl. General. Seine Biographie schrieb Sillem (Amsterd. 1890).

Hohenfels, Stella, Schauspielerin, geb. 16. April 1857 zu Florenz, widmete sich, ohne eine dramatische Ausbildung genossen zu haben, der Bühne, trat 7. Jan. 1873 zum erstenmal als Luise in »Kabale und Liebe« auf dem Nationaltheater zu Berlin auf und gab dann Gastrollen in Straßburg i. E. und in der Schweiz. Darauf debütierte sie 30. Mai 1873 als Desdemona auf dem Hofburgtheater zu Wien, für das sie nach kurzer Thätigkeit engagiert wurde und dem sie noch gegenwärtig als Vertreterin des Faches der naiven und muntern Liebhaberinnen angehört. Seit 1889 ist sie mit dem frühern artistischen Sekretär des Burgtheaters, dem Schriftsteller Alfred v. Berger, vermählt.

Hohenlohe-Schillingsfürst, Konstantin Viktor, Prinz zu, Sohn des Fürsten Franz Joseph H., geb. 8. Sept. 1828 zu Rotenburg (Regierungsbezirk Kassel), trat 1848 als Kadett in die österreichische Armee, machte den Feldzug 1849 in Italien mit, ward 1859 Major und Flügeladjutant des Kaisers, 1861 Oberstleutnant, 1864 Oberst, 1865 Hofmarschall, 1866 Generalmajor und interimistischer, 1867 Wirklicher erster Obersthofmeister des Kaisers und Ritter des Goldenen Vlieses, 1875 Feldmarschallleutnant, 1884 General der Kavallerie. H. ist Oberst sämtlicher kaiserlicher und königlicher Leibgarden, lebenslängliches Mitglied des Herrenhauses und seit 1883 Inhaber des 87. Infanterieregiments.

Höhere Lehranstalten. Die Zahl der höhern Lehranstalten in Deutschland hat, wie der Vergleich nachstehender Übersicht (S. 421) mit der entsprechenden vom Jahre 1886 in Band 8 dieses Werkes beweist, sich abermals vermehrt. Die Gesamtvermehrung im Deutschen Reiche von 946 zu 983 beträgt 3,9 Proz. Die Latein und Griechisch treibenden Anstalten haben sich von 446 (399 Gymnasien, 47 Progymnasien) auf 480 (423 Gymnasien, 57 Progymnasien) vermehrt oder um 7,6 Proz. Die Latein treibenden Realanstalten sind von 243 (136 Realgymnasien, 107 Realprogymnasien) auf 238 (132 Realgymnasien, 106 Realprogymnasien) gesunken, d. h. um 2,5 Proz. Die lateinlosen Realanstalten sind von 170 (16 Oberrealschulen, 67 Realschulen, 87 höhere Bürgerschulen) auf 177 (15 Oberrealschulen, 61 Realschulen, 101 höhere Bürgerschulen) gestiegen oder um 4,1 Proz. Die Vermehrung in Preußen allein von 549 auf 570 h. L. kommt der Gesamtvermehrung mit 3,8 Proz. fast gleich. Sie verteilt sich aber auf die drei Gruppen ganz anders, die eigentlichen Gymnasialanstalten (Latein und Griechisch) erhoben sich von 292 (258 Gymnasien, 34 Progymnasien) auf 312 (268 Gymnasien und 44 Progymnasien) oder um 6,9 Proz.; die Latein treibenden Realanstalten stiegen von 173 (90