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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hölderlin; Holl; Holland; Holleben; Hollmann

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Hölderlin - Hollmann.

schlüssen nicht geschafft ist. Immerhin aber hätte man dem Weitern unter der sachkundigen und besonnenen Leitung des Ministers v. Goßler vertrauensvoll entgegensehen können, wenn nicht gerade durch den ganzen Gang der Dinge dessen Stellung so erschüttert worden wäre, daß er trotz der wiederholten Anerkennung seiner Verdienste aus dem Munde des Kaisers Anfang März 1891 seine Entlassung nahm.

Durch den Vorgang Preußens ist auch in andern deutschen Staaten, zunächst besonders in Bayern und Württemberg, die Frage der Reform der höhern Schulen in den Vordergrund gerückt. In Bayern ist die Bewegung auf Grund der Beratung des obersten Schulrats durch Erlaß des Ministeriums für Kirchen- und Schulwesen vom 28. Jan. 1891 zum Abschluß gekommen. Der Hauptzweck der Änderungen ist offenbar derselbe wie in Preußen: Betonung der deutschen Sprache und deutschen Geschichte gegenüber seitheriger Bevorzugung des klassischen Altertums, der Lektüre gegenüber der Grammatik, der Arbeit in der Schule gegenüber den Hausaufgaben, der Bewegung im Freien und der körperlichen Übung gegenüber einseitiger Verstandesbildung, Beteiligung der Ärzte bei Regelung der Fürsorge für die Gesundheit der Schüler etc. Genaueres Eingehen auf diese Beschlüsse und Vorschriften empfiehlt sich bis dahin zu verschieben, wo auch die preußische Schulfrage zum wirklichen Abschluß gelangt sein wird.

Endlich sei noch erwähnt, daß während der Verhandlung der Schulkonferenz in Berlin ein Allgemeiner deutscher Gymnasialverein zusammengetreten ist, der schon in den Namen der Aufrufenden den Beweis liefert, daß nach wie vor die besten Männer der Wissenschaft und des öffentlichen Lebens in Deutschland an der Forderung eines verständig betriebenen und mit den Ansprüchen des patriotisch deutschen Geistes in Einklang gebrachten klassischen Jugendunterrichts für die bisherigen Kreise der akademischen Studien festhalten.

Vgl. »Verhandlungen über Fragen des höhern Unterrichts. Berlin, 4.-17. Dez. 1890« (amtlich, Berl. 1891); ferner Cauer, Staat und Erziehung; schulpolitische Bedenken (Kiel 1890); Alethagoras, Unser Gymnasialunterricht; Bekenntnisse (Braunschw. 1889); Conradt, Dilettantentum, Lehrerschaft und Verwaltung in unserm höhern Schulwesen (Wiesb. 1890); Eucken, Fragen der Schule, Fragen der Zeit; Friedrich August Wolf und die gegenwärtigen Probleme des höhern Unterrichts; Worüber sind wir bei der Schulreform einig? (Beilage 210, 230 u. 250 zur »Allgemeinen Zeitung«, Münch. 1890); Derselbe, Der Kampf um das Gymnasium (Stuttg. 1891); Geffcken, Paul Güßfeldt und die Schule der Zukunft (Hamb. 1890); Hartmann, Der deutsche Unterricht und die Schulreform (das. 1890); Hornemann, Einheitsschulbestrebungen in Italien, und Meyer, Die Reform der höhern Schulen (Heft 6 der Schriften des deutschen Einheitsschulvereins, Hannov. 1890); Lasson, Sint ut sunt, für das alte Gymnasium wider die Neuerer (Berl. 1890); Lattmann, Ausgleichende Lösung der Reformbewegungen des höhern Schulwesens (Götting. 1890); Ohlert, Die deutsche Schule (Hannov. 1891); Raydt, Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper; englische Schulbilder in deutschem Rahmen (das. 1889; dagegen: M. M., Englische Schulen als Muster? Beilage 246 zur »Allgemeinen Zeitung«, Münch. 1890); Paulsen, Das Realgymnasium und die humanistische Bildung (Berl. 1889); Schmeding, Die Bedenken des Ministers v. Goßler gegen die Aufhebung des Gymnasialmonopols (Braunschw. 1890); Thimm, Verhandlungen des Hauses der Abgeordneten und des Herrenhauses über Angelegenheiten des höhern Lehrerstandes (Tilsit 1890); Treitschke, Die Zukunft unsrer Gymnasien (Leipz. 1890); »Das humanistische Gymnasium, Mitteilungen und Erörterungen« (hrsg. von Uhlig, Heidelb., seit 1890); »Die Mitarbeit der Schule an den nationalen Aufgaben der Gegenwart« (anonym, Berl. 1890).

Hölderlin, Friedrich, Dichter. Vgl. Litzmann, F. Hölderlins Leben. In Briefen von und an H. (Berl. 1890).

Holl, Elias, Architekt, geb. 28. Febr. 1573 zu Augsburg als Sohn des Maurermeisters Hans H., dessen Handwerk er erlernte, wurde 1596 Meister und machte im Winter von 1600 auf 1601 eine Reise nach Venedig, wo die Bauwerke der italienischen Spätrenaissance, insbesondere Palladios, so mächtig auf ihn einwirkten, daß seine künstlerische Thätigkeit nach seiner Rückkehr in die Vaterstadt davon völlig beeinflußt wurde. Nachdem er 1602 seine Fähigkeit an dem Zunfthaus der Bäcker bewährt, wurde er in demselben Jahre als Werkmeister in den Dienst der Stadt genommen, in deren Auftrag er unter anderm das Zeughaus, den Wertachbrücken-Thorturm und das Siegelhaus (1605), den Klinkerthorturm (1608), den Fischerthorturm und das Metzgerhaus (1609), das Rathaus, sein Hauptwerk (1615-20), den roten Thorturm und das Heilige Geist-Spital erbaute. Weil er nach der religiösen Umwälzung in Augsburg als Protestant an seinem Bekenntnis festhielt, wurde er 1631 aus dem städtischen Dienste entlassen und starb 6. Jan. 1646. H. ist einer der hervorragendsten Vertreter der italienischen Richtung in der deutschen Renaissancearchitektur. Er hat eine Selbstbiographie hinterlassen, die Rechenschaft über seine umfangreiche Thätigkeit ablegt. Vgl. Leybold und Buff, Das Rathaus der Stadt Augsburg (Berl. 1889).

Holland, Jan, Pseudonym, s. Vitringa.

Holleben, Albert von, preuß. General, wurde im November 1890 zum Kommandeur der 1. Gardeinfanteriedivision ernannt.

Hollmann, Friedrich, deutscher Vizeadmiral, geboren in Berlin, trat 1857 in die preußische Marine und ward 1868 Kapitänleutnant. 1872 befand er sich an Bord der Vineta, welche unter dem Kapitän Batsch entsendet war, um von der Regierung der Republik Haïti Ersatz für den einem deutschen Kaufmann zugefügten Schaden zu erzwingen, und zeichnete sich bei dieser Gelegenheit durch geschickte Überrumpelung des haïtischen Admiralschiffs Union aus. An Bord der Vineta nahm er an den Kundgebungen teil, welche ein deutsches Geschwader unter dem Kapitän zur See Werner während der aufständischen Bewegung in Spanien 1873 und 1874 im Mittelländischen Meere ausführte. 1874 ward er zum Korvettenkapitän befördert und war als solcher mehrere Jahrelang Vorstand der Zentralabteilung der kaiserlichen Admiralität. 1877/78 befehligte er das Schiffsjungenschulschiff Medusa, ward 1881 als Kapitän zur See, dann des Kadettenschulschiffs, auf der ostasiatischen Station, als Kommandeur einer Matrosendivision und als Chef des Stabes der Admiralität verwendet. 1888 erfolgte seine Beförderung zum Konteradmiral. Im nämlichen Jahre befehligte er das aus Kreuzerfregatten bestehende Schulgeschwader und 1889 das Schulgeschwader im Mittelländischen Meere; 1890 übernahm er als Staatssekretär des Marineamtes die Leitung der Verwaltungsangelegenheiten der deutschen Kriegsflotte und wurde im November d. J. zum Vizeadmiral ernannt.