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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ibach; Iddesleigh; Ihne; Immunität

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Ibach - Immunität.

und erweitern, was natürlich kein Simulant nachzumachen im stande sein würde.

Über das Nachwirken der Suggestion im wachen Zustand hat neuerdings Forel interessante Beobachtungen veröffentlicht. Er fand, daß ein erhaltener Befehl wie ein Trieb nachwirkt, der aber gegebenen Falls auch unterdrückt werden kann, wenn dem Betreffenden das Unpassende oder Unerlaubte des Befohlenen lebhaft gegenwärtig ist. Es ist daher nicht wahrscheinlich, daß die Befürchtung, man könne Personen auf diesem Wege zu Verbrechen anstiften, allzu begründet wäre, obwohl Liégeois in Nancy ein junges Mädchen veranlaßt haben will, einen ungeladenen Revolver nach dem Erwachen gegen die eigne Mutter abzufeuern, indem sie gedacht habe, die Waffe sei geladen. Außerdem würde ein solches Verfahren nichts weniger als ungefährlich für den Anstifter sein, da man bei einem derartigen, ganz unmotivierten Verbrechen nach dem wahren Urheber forschen und eine leise Erinnerung an den Urheber der verbrecherischen Idee erhalten bleiben würde. Die Frage, ob ein Angeklagter von jemand zu derartigen Experimenten benutzt worden sei, wird sich allerdings bei unmotivierten Verbrechen künftig häufiger in den Gerichtsverhandlungen einstellen.

Schließlich mag noch erwähnt werden, daß Brugsch die Praxis der Hypnotisierung nach einem Leidener Papyrus bei den alten Ägyptern entdeckt zu haben glaubt. Er zeigt, daß dort Kinder beim Scheine einer Lampe oder der aufgehenden Sonne durch künstliche Mittel in Schlaf versetzt worden sind, um prophetische Offenbarungen über Dinge, die den so eingeschläferten Kindern im Traume kamen, zu erhalten. Diese Praxis erinnert aber eher an das noch jetzt in Ägypten gebräuchliche Wasser- oder Kristallschauen, wobei man Kinder veranlaßt, in einer Flüssigkeit (jetzt gewöhnlich in einem Tropfen Tinte) die Zukunft zu schauen. Ein echtes Hypnotisieren fällt bei Kindern schwerer als bei Erwachsenen, und diese Praktiken gründen sich, wie es scheint, mehr auf die rege Phantasie und Fabuliersucht des kindlichen Alters. - Zur Litteratur: Preger, Der H., Vorlesungen (mit einer nachgelassenen Abhandlung von Braid aus dem Jahre 1845, Wien 1890).

I.

Ibach, Johannes Adolf, Pianofortefabrikant, geb. 20. Okt. 1766, gest. 14. Sept. 1848, begründete 1794 in Barmen eine Pianofortefabrik und Orgelbauanstalt, in welche 1834 und 1839 seine Söhne C. Rudolf (gest. 1862) und Richard als Teilhaber eintraten. Letzterer übernahm 1869 den Orgelbau für alleinige Rechnung, und Rudolf I., ein Sohn des erstern, führte die Pianofortefabrik weiter, die zu großem Ansehen gelangte und unter der Firma Rudolf Ibach Sohn gegenwärtig in drei Anstalten (in Barmen, Schwelm und Köln) blüht. Ein dritter Sohn des Begründers, Gustav I., begründete 1862 eine eigne Fabrik.

Iddesleigh, Sir Stafford Henry Northcote, Graf von, brit. Staatsmann. Vgl. A. Lang, Life, letters and diaries of Earl I. (Lond. 1890, 2 Bde.).

Ihne, Wilhelm, Geschichtschreiber, geb. 2. Febr. 1821 zu Fürth bei Nürnberg, studierte 1839-43 in Bonn Philologie und erwarb daselbst mit der Dissertation »Quaestiones Terentianae« die philosophische Doktorwürde, war 1843-47 Erzieher in England, 1847-49 Gymnasiallehrer in Elberfeld, 1849-63 Schuldirektor in Liverpool, lebte seitdem seinen gelehrten Studien in Heidelberg und ward 1873 Professor an der Universität daselbst. Er schrieb: »Forschungen auf dem Gebiet der römischen Verfassungsgeschichte« (Frankf. 1847; engl., Lond. 1853); »Römische Geschichte« (Leipz. 1868-90; engl., Lond. 1871 ff.), eine kritische, sehr eingehende Darstellung der Geschichte der römischen Republik in 8 Bänden, von denen Band 7 u. 8 die von A. W. Zumpt hinterlassene römische Geschichte von Cäsars Tod bis zur Alleinherrschaft des Augustus enthalten; ferner »Early Rome« (Lond. 1876). Durch einen entschiedenen Einspruch gegen den italienischen Charakter des Archäologischen Instituts in Rom (»Kölnische Zeitung«, 1. Jan. 1885) gab er den Anstoß zur Umgestaltung desselben.

Immunität. Wenn auch das Wesen der I. immer noch nicht völlig aufgeklärt ist, so hat doch die Lehre von derselben (vgl. Immunität, Bd. 17) neuerdings sehr bedeutsame Fortschritte zu verzeichnen. Indem einerseits die Unhaltbarkeit der Erschöpfungstheorie durch experimentelle Untersuchungen klar dargethan wurde, hat sich anderseits zunächst das Studium den andern Theorien wieder mehr zugewandt, und es ist Metschnikow geglückt, trotz der gewichtigsten Einwände und vieler gegenteiliger Beobachtungen andrer Forscher schließlich doch den Nachweis zu führen, daß, wenigstens unter Umständen, wirklich lebende Bakterien in die weißen Blutkörperchen immuner Tiere aufgenommen werden; zuerst glaubte er in einem besondern Färbeverfahren (mit Vesuvin) die lebenden von den toten Bakterien unterscheiden zu können. Als dieses Verfahren sich als nicht einwandfrei erwiesen hatte, ging er von der Überlegung aus, daß die Bacillen (in allen den fraglichen Versuchen handelte es sich um Milzbrandbacillen), wenn sie vor der Berührung mit den Freßzellen geschützt wären, leichter auskeimen und sich vermehren müßten. Um dies zu erweisen, wickelte er an Seidenfädchen angetrocknete Milzbrandsporen in Schilfrohrsäckchen und ähnliches Material, welches den Körpersäften, nicht aber den weißen Blutzellen den Durchtritt gestattete, ein, brachte diese Säckchen immunen Tieren unter die Haut und fand nun, daß die Sporen innerhalb der Säckchen zum Auskeimen gelangten, außerhalb dagegen nicht. Die Resultate, welche andre Forscher bei Nachprüfung dieser Versuche erhielten, waren teils widersprechend, teils nicht Unbedingt bestätigend. Schließlich gelang Metschnikow der Nachweis auf die Art, daß er Phagocyten haltendes Exsudat von der Impfstelle in Bouillon brachte, wodurch die Freßzellen getötet wurden, nicht aber die innerhalb derselben liegenden Bacillen, und diese konnte er nun unter dem Mikroskop unmittelbar auswachsen sehen. Er konnte darauf an eben diesen von den Zellen aufgenommenen (aber durch Abtötung der Freßzellen wieder befreiten) Bacillen sogar noch ihre Infektionstüchtigkeit durch Übertragung auf Tiere erweisen. So schön aber der Beweis geliefert war, daß wirklich lebende Bacillen von den Phagocyten aufgenommen werden, so konnte sich dennoch Metschnikows auf diese