Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Indikator

438

Immunität - Indikator.

Beobachtungen gestützte Theorie von der I. keine allgemeine Anerkennung verschaffen. Es wurde nämlich neuerdings von verschiedenen Forschern übereinstimmend die Beobachtung gemacht, daß das zellenfreie Blutwasser (Serum) bakterientötende Eigenschaften besitze. Darauf wurde eine neue Immunitätstheorie aufgebaut, indem man annahm, das normale Blut enthalte eine bakterienfeindliche Substanz in größerer oder geringerer Menge, bez. Giftigkeit, und von der qualitativen oder quantitativen Verschiedenheit dieser Substanz hänge die für die verschiedenen Menschen, bez. Menschenrassen und für die verschiedenen Tiergattungen verschiedene I. ab. Diese Theorie mußte die Phagocytenlehre Metschnikows mindestens als überflüssig erscheinen lassen, denn wenn beim immunen Tiere schon die Blutflüssigkeit die Bakterien abtötet, so bedarf es nicht noch des Kampfes der zelligen Elemente mit den Bakterien, um diese letztern der Vernichtung entgegenzuführen. Nun hätte man aber folgerichtig erwarten müssen, daß nur das Blutserum immuner Tiere diese Fähigkeit, pathogene Bakterien zu töten, besitze, nicht aber auch dasjenige der empfänglichen Tiergattungen. Dies ist aber nicht der Fall: auch das Serum der für Milzbrand empfänglichen Tiere vermag Milzbrandbacillen abzutöten, anderseits wurde diese Fähigkeit bei Blutserum milzbrandimmuner Katzen etc. vermißt. Bei Würdigung all dieser Versuche darf man nicht aus dem Auge verlieren, daß sie an aus der Ader gelassenem toten Blute angestellt sind. Eine befriedigende Erklärung für die I. kann also auch die Thatsache der bakterienvernichtenden Kraft des zellenfreien Blutserums nicht liefern.

Wie aber die praktischen Bestrebungen, zum Schutz, bez. zu Heilungszwecken künstliche I. zu erzeugen, in der Erreichung glänzender Erfolge der theoretischen Ergründung des Wesens der I. vorausgeeilt sind, so haben sie auch für die Theorie neue Gesichtspunkte eröffnet: die Beobachtungen, welche man bei der Herstellung und Anwendung der künstlich abgeschwächten Giftstoffe gemacht hat, haben die Wahrscheinlichkeit immer näher gerückt, daß die künstliche Immunisierung weniger durch die (abgeschwächten) Bakterien selbst, als vielmehr durch deren Stoffwechselprodukte, also durch chemische Gifte bedingt werde, daß also die Durchseuchung eines Individuums mit einer Infektionskrankheit im wesentlichen dadurch zur I. führen müsse, daß Stoffwechselprodukte von Bakterien im Körper zurückbleiben, welche nur sehr langsam aus dem Körper wieder verschwinden, und an deren Anwesenheit der Körper sich gewöhnt wie an andre chemische Gifte auch. Diese Stoffwechselprodukte machen es, wenn sie in gewisser Konzentration im Organismus vorhanden sind, neu eindringenden Bakterien derselben Art unmöglich, sich anzusiedeln, weil, wie auch im Reagenzglas zu beobachten ist, die Bakterien, nachdem sie eine gewisse Entwickelungsgrenze erreicht haben, durch ihre eignen Stoffwechselprodukte am Weiterwachsen gehindert werden. Dies ist nichts andres als die schon Band 17 erwähnte Retentionshypothese. Auf solchen Erwägungen fußend, hat man denn auch angefangen, zur Erzielung künstlicher I. statt der abgeschwächten Bakterienkulturen sterilisierte zu verwenden, also die I. lediglich durch die chemischen Produkte des Bakterienstoffwechsels herbeizuführen und, so jung diese Bestrebungen noch sind, mit dem glänzendsten Erfolg. Die Verwendung sterilisierter Kulturen zur Immunisierung hat neben der hohen theoretischen Bedeutung den gar nicht hoch genug anzuschlagenden praktischen Vorteil, daß damit der zur Immunisierung verwandte Stoff zu einem richtig abmeßbaren, dosierbaren, chemischen Körper wird, wogegen man bei Einverleibung wenn auch abgeschwächter, so doch vermehrungsfähiger, pathogener Mikroorganismen die Wirkung auf den Organismus nicht in allen Fällen mit der nötigen Sicherheit in der Hand hat. Schon in Band 17 wurde hervorgehoben, wie als letztes Endziel der Studien über I. die Heilung der Infektionskrankheiten angestrebt werde. Die Entdeckung Robert Kochs steht auf diesem Boden der künstlichen Immunisierung durch Stoffwechselprodukte der Tuberkelbacillen, welche durch Sterilisierung der Bacillenkulturen und Isolierung der chemischen Giftstoffe durch ein besonderes technisches Verfahren (Ausziehen mit 50proz. Glycerin) gewonnen werden. Koch äußerte sich über diesen Punkt in seinem Vortrag 2. Aug. 1890 beim achten Medizinischen Kongreß in Berlin wie folgt: ».... ich kann über dieselben (Versuche) daher nur so viel mitteilen, daß Meerschweinchen, welche bekanntlich für Tuberkulose außerordentlich empfänglich sind, wenn man sie der Wirkung einer solchen Substanz aussetzt, auf eine Impfung mit tuberkulösem Virus nicht mehr reagieren, und daß bei Meerschweinchen, welche schon in hohem Grade an allgemeiner Tuberkulose erkrankt sind, der Krankheitsprozeß vollkommen zum Stillstand gebracht werden kann.« Ferner gelang es Fränkel, vermittelst sterilisierter Kulturen von Diphtheriebacillen Meerschweinchen gegen Diphtherie immun zu machen, und Behring und Kitasato konnten sogar schon mit Diphtherie, bez. Wundstarrkrampf infizierte Tiere durch ähnliche Immunisierungsverfahren heilen.

Sind auch zur Zeit die Erfolge mit dem Kochschen Heilmittel gegen Tuberkulose noch nicht richtig übersehbar, haben sich auch die Stimmen, welche demselben seine Bedeutung absprechen oder dasselbe für schädlich zu erklären geneigt sind, eher gemehrt als gemindert, so bleibt doch für diejenigen, welche den Gang der Immunisierungs-Untersuchungen verfolgen, kein Zweifel, daß hier die Therapie der Zukunft, und zwar der allernächsten, liegt, und daß die zur Zeit noch bestehenden Mißstände und Schwierigkeiten sich bald und sicher werden beseitigen lassen. Vgl. auch Medizinischer Kongreß. Litteratur: Ribbert, Der jetzige Standpunkt der Lehre von der I. (»Deutsche Medizinische Wochenschrift«, 1890, Nr. 31); Fränkel, Grundriß der Bakterienkunde (2. Aufl., Berl. 1890); Brieger und Fränkel, Untersuchungen über Bakteriengifte (»Berliner Klinische Wochenschrift«, 1890, Nr. 11 und 12); Koch, Über bakteriologische Forschung. Vortrag etc. (»Deutsche Medizinische Wochenschrift«, 1890); Behring und Kitasato, Über das Zustandekommen der Diphtherie-I. und der Tetanus-I. bei Tieren; Behring, Untersuchungen über das Zustandekommen der Diphtherie-I. bei Tieren (»Deutsche Medizinische Wochenschrift«, 1890, Nr. 49 u. 50).

Indikator. Von Landis ist ein Hubverminderer für Indikatoren angegeben, bei welchem zwischen dem Kreuzkopf der zu untersuchenden Maschine und dem I. eine Bogenhebelübersetzung eingeschaltet ist (Fig. 1-3). Am Kreuzkopf der Dampfmaschine ist ein Knopf D eingeschraubt, in dessen Einschnitt M sich die Schnur F so einlegt, daß der an ihrem einen Ende angebrachte Handgriff H sich an D stützt. Das andre Ende dieser Schnur ist an dem großen Bogenhebel B befestigt, welcher mit dem kleinen (C) auf derselben Welle sitzt. Die an C angebrachte Schnur E führt zum I. Sie ist mit ihrem Ende nicht an C direkt festge-^[folgende Seite]