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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kanina - Karejew.

lich zweckmäßige Wasserverschlüsse, insbesondere bei den Anschlüssen der Hausleitungen, anzubringen, und der Betrieb der K. hat durch ausreichende Spülungen der Ablagerung fäulnisfähiger Massen vorzubeugen.

Kanina, Bergfestung im Sandschak Berat des türk. Wilajets Janina (Albanien), südlich von Avlona, im 10. Jahrh. erbaut, mit ca. 5000 Einw.

Kantengeschiebe, s. Löß.

Kantharidīn (Kantharidenkampfer) C10H12O4 ^[C_{10}H_{12}O_{4}], der wirksame Bestandteil der Spanischen Fliege, findet sich auch in einigen andern Käfern bis zu 0,49 Proz. und wird aus Spanischen Fliegen erhalten, indem man diese mit gebrannter Magnesia verreibt, trocknet, die Masse mit verdünnter Schwefelsäure übersättigt und mit Äther ausschüttelt. Der Äther hinterläßt beim Verdunsten unreines K., welches leicht zu reinigen ist. Es bildet farb- und geruchlose Tafeln, löst sich in kochendem Alkohol und in fetten Ölen, kaum in Wasser und gibt beim Kochen mit Alkalien Kantharidinsäure C10H14O5 ^[C_{10}H_{14}O_{5}], die aus ihren Salzen durch Schwefelsäure gefällt wird und beim Erhitzen ihrer Lösung in K. und Wasser zerfällt. K. zieht auf der Haut Blasen, innerlich bewirkt es Magenentzündung und starke Reizung des Harn- und Geschlechtssystems. Kantharidinsaures Kali hat Liebreich 1891 in den Arzneischatz eingeführt. Er spritzt eine Lösung desselben unter die Haut und erreicht dadurch ohne üble Nebenwirkungen die Bildung von serösem Exsudat besonders an kranken Stellen des Körpers. Das Exsudat fördert aber die Ernährung der Zellen, hebt deren Widerstandsfähigkeit gegen schädliche Einflüsse und wirkt auf Bakterien abschwächend oder tödlich. Die Exsudatbildung hat auch zur Folge, daß ein mit dem kantharidinsauren Kali gleichzeitig appliziertes Arzneimittel in größerer Menge dem kranken Gewebe zugeführt wird, also hier seine Wirkung konzentriert. Die bis jetzt ausgeführten Versuche mit kantharidinsaurem Kali bei tuberkulösen Kehlkopfkrankheiten haben günstige Resultate ergeben. Die Kanthariden sind in neuester Zeit fast nur äußerlich in Blasenpflaster und Reizsalbe angewandt worden. Früher, und zwar schon zu Zeiten des Hippokrates, wurden sie auch innerlich benutzt. Hierbei scheint häufig Unheil angerichtet worden zu sein, denn in Frankreich wie in England wurden Verbote gegen die innerliche Anwendung der Kanthariden erlassen. Anderseits wird in der Litteratur wiederholt von Heilerfolgen berichtet, und Hufeland hat Kanthariden bei Lungenschwindsucht angewandt. Auch bei Lupus hat man gelegentlich Besserung durch Auflegen von Kantharidenpflaster beobachtet.

Kapillārelektromēter, Apparat zur Messung von elektrischen Potenzialdifferenzen oder elektromotorischen Kräften, welcher auf der Thatsache beruht, daß an der Berührungsfläche zwischen Quecksilber und verdünnter Schwefelsäure die kapillare Oberflächenspannung der Quecksilberkuppe beim Durchgang eines elektrischen Stromes durch die elektromotorische Kraft der galvanischen Polarisation vergrößert wird. Das K. von Lippmann besteht aus einem 1 m hohen, 7 mm weiten, vertikalen Glasrohr, welches unten in ein 10 mm langes, nach oben umgebogenes Kapillarrohr ausgezogen ist; letzteres taucht in ein oben offenes Glasgefäß, welches verdünnte Schwefelsäure und darunter Quecksilber enthält. Jenes Glasrohr, welches ebenfalls mit Quecksilber gefüllt ist, kommuniziert durch einen Kautschukschlauch mit einem offenen Quecksilbermanometer. Das Quecksilber im Rohre und das im untern Teile des Gefäßes stehen durch eingeschmolzene Drähte je mit einer Klemmschraube in Verbindung. Vor jedem Versuch verbindet man diese Klemmschrauben leitend miteinander, um die Potenzialdifferenz auf Null zu bringen, treibt durch Druck mittels einer Schraube, die auf eine Erweiterung des Kautschukschlauchs wirkt, etwas Quecksilber aus der Kapillare und richtet, nachdem der Atmosphärendruck wiederhergestellt ist, ein horizontales Mikroskop auf die Quecksilberkuppe am Ende der Kapillare. Verbindet man nun die Klemmen mit den beiden Leitern, deren Potenzialunterschied gemessen werden soll, z. B. mit den Polen eines Daniell-Elements, und zwar das Quecksilber in dem Rohre mit dem Leiter niedrigern Potenzials (mit dem negativen Pole des Daniell-Elements), so wächst die Oberflächenspannung der Quecksilberkuppe, das Quecksilber geht deshalb in das Rohr zurück, und es muß der Druck erhöht werden, um die ursprüngliche Lage der Quecksilberkuppe wiederherzustellen. Da die elektromotorische Kraft eines Daniell-Elements eine am Manometer abzulesende Drucksteigerung bis zu 260 mm Quecksilber hervorbringen kann, so können sehr kleine Potenzialunterschiede noch mit Genauigkeit gemessen werden. Bis etwa 0,8 Daniell ist die zur Kompensation notwendige Drucksteigerung der zu messenden Potenzialdifferenz nahezu proportional.

Kapiolani-Orden, königl. hawaiischer Orden, gestiftet vom König Kalakaua 1874 zu Ehren meiner Gemahlin Kapiolani als Verdienstorden in sieben Klassen: Großkreuze, Großoffiziere erster und zweiter Klasse, Kommandeure, Offiziere, Ritter und Damen des Ordens. Die Dekoration ist ein vierarmiges, achtspitziges, rot emailliertes Goldkreuz, das zwischen den Armen goldene Königskronen zeigt. Auf dem roten Mittelschild befindet sich der Buchstabe »K« in Gold, umschlossen von einem weiß emaillierten Ringe mit den Worten: »Kulia i Kanuo«. Auf dem obern Arme des Kreuzes ist ein kleines Medaillon mit dem Bilde der Königin. Im Revers steht auf dem Ringe »Kulia«. Der achtstrahlige Silberstern trägt das beschriebene Kreuz. Das gelbe Band hat drei schmale rote Streifen und roten Rand.

Karageorgiewitsch, Fürst Peter, veruneinigte sich 1890, nachdem seine Gemahlin, die Fürstin Zorta, 1890 gestorben war, mit seinem Schwiegervater, dem Fürsten Nikolaus von Montenegro, weil dieser die russische Mitgift seiner Tochter (1 Mill. Rubel) seinem verschwenderischen Schwiegersohn nicht ausliefern wollte. Auch der Zar entzog K. seine Gunst und unterstützte seine serbische Thronkandidatur nicht mehr.

Karasi, Sandschak in der asiat. Türkei mit der Hauptstadt Balikesri, bildete von 1884 bis etwa 1887 mit dem Sandschak Bigha (s. d.) zusammen das Wilajet Karasi, gehört aber seitdem zum Wilajet Chodawendikjâr.

Karejew, Nikolaus, russ. Historiker, geb. 1850 in Moskau, studierte daselbst 1869-73, ward dann Gymnasiallehrer in Moskau, arbeitete auf Kosten der Regierung 1877-78 auf der Bibliothek und in den Archiven zu Paris, wurde 1879 Professor der Geschichte in Warschau und 1884 in Petersburg. E. schrieb: »Die Bauern und die Bauernfrage in Frankreich im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts« (Mosk. 1879); »Die Hauptfragen der Philosophie der Geschichte« (2. Aufl. 1887, 2 Bde.); »Geschichte der Reformation und der Gegenreformation in Polen« (1885); »Der Fall Polens in der geschichtlichen Litteratur« (Petersb. 1888); »Die polnischen Reformen des 18. Jahrhunderts« (das. 1889); »Die geschichtliche Methode und das Individuum in der Geschichte« (das. 1890) u. a.