Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kilikien; Kind; Kindermann; Kinglake; Kinsky; Kipling

477

Kilikien - Kipling.

in Norddeutschland liegt. Auf Grund eingehender botanischer, linguistischer und historischer Studien hat neuerdings Krause diese Frage zu einem gewissen Abschluß gebracht. Vorwiegend tritt die gegenwärtig in Irland, England, dem französischen Tiefland, Belgien, Holland und Dänemark nicht einheimische K. innerhalb Deutschlands längs einer im allgemeinen ostwestlichen Linie auf, welche die Stromgebiete der Weichsel, Netze, Warthe, Spree, Havel, Elbe, Aller und Weser verbindet; eine Einwanderung in dieser Richtung erscheint jedoch ausgeschlossen, da sie auch im Norden (Skandinavien, Schottland) und in höhern mittel- und südeuropäischen Gebirgen vorkommt; vielmehr scheint ihr Vorherrschen längs jener Linie nur durch die sandige Bodenbeschaffenheit der betreffenden Gebiete bedingt zu sein, welche dem Baume besonders zusagt. Nicht einheimisch ist sie in Rügen, wo sie nachweislich nur angepflanzt vorkommt; auch fehlt sie im NW. der Linie Lübeck-Geesthacht-Harburg-Bremen-Meppen; längs des Südrandes des nordwestdeutschen Tieflandes im W. der Elbe hat sie eine Südwestgrenze und tritt jenseit derselben nur in Gebirgsgegenden, z. B. in den Vogesen, dem Schwarzwald etc., auf; der Verlauf der Vegetationslinie in Sachsen und Schlesien bleibt zweifelhaft. Es ergibt sich weiter, daß sie im N. der Elbe nicht über die Linie Rostock-Schwaan-Güstrow-Wittenburg-Geesthacht hinausgeht und sich hier ziemlich genau an die Verbreitung der Kartäusernelke, dieser Charakterpflanze des märkischen und pommerschen Kieferngebiets, hält. In Holstein wurde sie urkundlich im J. 1580 durch den Grafen Heinrich von Ranzau eingeführt. In Nordwestdeutschland wuchsen an den Flußmündungen und deren Hinterland nach Plinius vorwiegend Eichen; auch die noch im Mittelalter reichlich bewaldete Lüneburger Heide, die Umgebungen von Braunschweig, Detmold u. a. besaßen nach urkundlichen Quellen nur Laubholz, dagegen ist die K. auf dem Oberharz für das Jahr 1496 als einheimisch nachweisbar. Von besonderer Bedeutung erscheint es ferner, daß die K. in Mooren von Nordwestdeutschland, Rügen, Schleswig-Holstein, Dänemark, England und Irland in subfossilem Zustand gefunden worden ist, und daß also die gegenwärtige Lücke ihres Verbreitungsgebiets während älterer postglazialer Perioden nicht bestanden hat. Gleichzeitig weist ihr gegenwärtigs ^[richtig: gegenwärtiges] Fehlen in den genannten Gebieten auf einen während der Postglazialzeit eingetretenen Wechsel des Klimas hin, der sich auch aus andern Erscheinungen als wahrscheinlich ergibt (s. Moorbildung). Vgl. Krause, Beitrag zur Kenntnis der K. in Norddeutschland (in Englers »Botanischen Jahrbüchern«, Bd. 11); Schwappach, Wachstum und Ertrag normaler Kiefernbestände in der Norddeutschen Tiefebene (Berl. 1889).

Kilikien, die südöstlichste Landschaft Kleinasiens, ist im Frühling 1890 von dem Engländer Th. Bent und dessen Frau bereist worden, und zwar derjenige Teil des sogen. Rauhen K. (Cilicia Tracheia), welcher zwischen dem Mittelmeer und dem Taurusgebirge, dem Kalykadnosfluß (jetzt Gök-su) im W. und dem Lamosfluß (Lamas-su) im O. liegt. Diese heute von fast undurchdringlichem Gestrüpp, Wäldern und Felsen erfüllte und nur von nomadisierenden Jürüken bewohnte Gegend war im Altertum und herab bis in das 10. christliche Jahrhundert vielleicht eine der blühendsten auf der Erde, wie die zahllosen Ruinen von Städten und Dörfern beweisen, die sie von der Meeresküste an (Eläussa, Korykos, Korassos, Seleukia etc.) bis zu einer Höhe von 1800 m hinauf bedecken. Ehe das Rauhe K. im J. 64 v. Chr. römische Provinz wurde, hieß die Landschaft Olba und wurde von einer Dynastie priesterlicher Könige beherrscht, angeblich Nachkommen des Teukros, die sich auf ihren Münzen Priester des Zeus und Dynasten von Olba nannten. Deren Hauptstadt, gleichfalls Olba genannt, fand Bent in einer schwierig zu passierenden Wildnis unweit westlich des Lamosflusses, etwa 45 km nordwestlich von dessen Mündung. Die Ruinen bestehen aus zwei Teilen, Ura im S. und Uzendschaburdsch im N. Die erstern liegen auf einem fichtenbewachsenen Hügel im Thale Ura, der auf zwei Seiten von engen Schluchten voller Felsgräber und Skulpturen, auf der dritten von einer kleinen Bergebene begrenzt ist. Eine dieser Schluchten wird von dem Aquädukt, welcher der Stadt aus dem Lamos das Wasser zuführt, überspannt. Außerdem finden sich hier verschiedene polygonale Befestigungen, Tempelruinen, ein Theater, eine drei Becken speisende Quelle, zahlreiche Weinpressen und große Zisternen zur Aufbewahrung des Weines. Von dieser Stadthälfte im Thale führt eine antike, gepflasterte, mit Gräbern und Ruinen eingefaßte Straße zu einer zweiten größern Hälfte auf einem ca. 3 engl. Meilen nördlicher gelegenen, 1783 m hohen Berge, Dschebel Hissar oder Schloßberg genannt, welcher die unbedeutende moderne Ansiedelung Uzendschaburdsch (das lange Kastell) trägt. Derselbe scheint nie befestigt gewesen zu sein, da er rings von tiefen Schluchten umgeben ist; eine derselben im N. ist 3 engl. Meilen weit von Felsgräbern angefüllt. Quellen sind oben nicht vorhanden; die Aussicht auf das Gebirge und das Meer ist eine überraschend schöne, aber die Temperatur war noch Mitte April auffallend niedrig. Unter den Ruinen sind hervorzuheben eine große Burg, 15 m lang, 12 m breit, mit vier Stockwerken, jedes mit fünf Zimmern, einer Inschrift nach von einem jener priesterlichen Könige oder Tarkyarios (d. h. Teukride) erbaut; ferner ein ausgezeichnet erhaltener Tempel, wohl des Zeus, von welchem noch dreißig 12 m hohe korinthische Säulen aufrecht stehen, welcher seine gute Erhaltung seiner spätern Verwendung als christliche Kirche zu verdanken hat. Hier fand Bent eine Inschrift in einer bisher unbekannten und unentzifferten Schrift. Außerdem trägt der Berg zahlreiche Ruinen von öffentlichen Gebäuden, diejenigen eines zierlichen Tychetempels, zwei Theater etc. Die Ruinen sind im letzten Sommer auch von Ramsay und Hogarth genau untersucht worden.

Kind, Wachstum, s. Medizinischer Kongreß.

Kindermann, 2) August, Bühnensänger, starb 6. März 1891 in München.

Kinglake, Alexander William, engl. Politiker und Historiker, starb 2. Jan. 1891 in London.

Kinsky, Franz Joseph, Graf von. Vgl. Eymer, Graf Franz Jos. v. K. als Pädagog (Prag 1887).

Kipling, Rudyard, engl. Schriftsteller, geb. 30. Dez. 1865 zu Bombay als Sohn des Künstlers J. ^[John] Lockwood Kipling, der im indischen Staatsdienst eine angesehene Stellung zu Lahor im Pandschab einnimmt, wurde dort und in Allahabad erzogen und bildete sich auf größern Reisen, die er durch das Radschputenland nach Bengalen, Birma, China, Japan und Nordamerika unternahm. Seiner Erstlingsschrift: »Echoes« (Lahor 1884), folgten zunächst kurze Erzählungen, die ebenfalls in Indien erschienen und infolgedessen nur geringe Verbreitung fanden. Desto größer war ihr Erfolg, als sie (Anfang 1890) in England selbst bekannt wurden, wo K. bald der litterarische Tagesheld ward. Mit unbestreitbarer Begabung