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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Koralleninseln

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Koralleninseln (Paläontologisches).

ebenso schnell in die Höhe, wie das Meer ansteigt, und nimmt gleichzeitig an horizontaler Ausdehnung zu. Dies geschieht dort am schnellsten und stärksten, wo das Meer am reichlichsten Nahrung zuführt, und deshalb wird der der Strömung zugekehrte Teil des Atolls nach außen fortwachsen, während dies bei dem gegenüberliegenden Teile gar nicht oder nur in geringem Maße der Fall sein wird.

Bei größern Atollen ist der Ringwall in der Regel durch Kanäle durchbrochen, welche in Tiefen herabreichen können, in denen riffbildende Korallen niemals gedeihen. Die heftigen Strömungen, welche bei Ebbe und Flut durch die Kanäle gehen, fegen alles Sediment aus denselben hinweg, halten sie offen, mögen sie auch wohl verbreitern und schließlich den ganzen Ringwall in einen Kreis isolierter Inseln auflösen. Jede einzelne Insel aber kann bei weiterer gleichsinniger Verschiebung der Strandlinie zu einem besondern Atoll werden, und so erklären sich die Ringe von Atollen wie der Mahlos-Mahdoo-Atoll, der Maledivenarchipel u. a.

In den tropischen Gebieten, wo eine positive Verschiebung der Strandlinien stattgefunden zu haben scheint, finden sich viele Wallriffe und Atolle, die aus größtenteils strukturlosen, mehr oder weniger in Dolomit umgewandeltem Korallenkalk bestehen. Die betreffenden Strandverschiebungen müssen als lokale, durch begrenzte Versenkungen herbeigeführte betrachtet werden. Der geologische Bau der Küsten, welche großen Riffgebieten zugekehrt sind, weist in der That auf Versenkungen, lokale Einstürze der Erdrinde hin. Diesen Senkungsfeldern entragen jetzt mächtige, steile, submarine Kalkgebirge, welche bis an die Meeresoberfläche heranreichen. Es sind Wallriffe und Atollgruppen, Denksteine versunkener Strandlinien und Berggruppen.

Die Paläontologie lehrt, daß auch in frühern Perioden der Erdgeschichte Korallen existiert haben, welche allem Anschein nach ein ähnliches Leben führten wie ihre Nachkommen. Es werden also wohl auch in frühern Zeiten Korallenriffe gebildet worden sein, und man darf annehmen, daß einige derselben infolge der Oscillationen des Meeresspiegels seither trocken gelegt worden seien. Man wird dann hohe und steile Felsen erblicken, welche sich von dem frühern Meeresgrunde erheben, kalkig und dolomitisch sind und keine Schichtung oder andre Struktur in ihrem Gefüge erkennen lassen. Temperaturschwankungen zerklüften dann das Gestein an der Oberfläche, gefrierendes Wasser sprengt größere Stücke los, der Regen bildet Rinnsale und Schluchten, Geröll häuft sich am Fuße der Berge an, und das ganze Riff wird schließlich in eine steile, mit zackigen Graten und Zinnen gekrönte Felsmasse verwandelt. In der That gibt es genug Berge dieser Art, welche, wie die rezenten Riffe, tells aus Kalk, teils aus Dolomit bestehen. Unbedeutende Riffreste finden sich bereits im Silur, sehr viel bedeutendere in der devonischen Formation, so im östlichen Teile der südlichen Kalkalpen, in der Eifel, in Westfalen, in Mähren, Belgien, im Harz u. a. O. In der Nähe von Bristol finden sich Riffe, welche dem Kohlenkalk angehören. Die mächtigste Entfaltung erlangten die Korallenriffe in Europa zur Triaszeit. Ein großer Teil der nördlichen und südlichen Kalkalpen besteht aus triassischen Korallenriffen. Auch zur Jurazeit wurden im Gebiet der Kalkalpen, z. B. im Salzkammergut, Riffe gebildet. Der Kreideformation gehören die Riffkorallen der Gosauschichten an, die allerdings keine rechten Risse bildeten. Endlich lieferte auch die Tertiärzeit Korallenriffe.

Die großartigsten Korallenriffreste sind die triassischen Dolomitberge von Südtirol. Sie füllen eine Bucht aus, welche von S. her in die Zentralalpen hineinragt und von dem Bozener Porphyrplateau in eine östliche und eine westliche Hälfte zerlegt wird. Östlich von dem Plateau erlangen die triasischen Riffe ihre größte Mächtigkeit, und hier liegen auch die größten Gipfel der Dolomiten. Das ganze Gebirge besteht aus einzelnen Felsmassen, die steil abstürzen und schmal und klippig oder breiter und mit kleinen Plateaus gekrönt sind. Dieser stockförmige Bau des Gebirges zeigt deutlich, daß dasselbe nicht wie die Zentralalpen durch Faltung horizontal gelagerter Sedimentgesteine, sondern in andrer Weise entstanden sein muß. Der größte Teil des im Gebiet der Dolomiten zu Tage stehenden Gesteins ist triassischen Alters. Der Linie Idrosee-Meran entlang, welche einen Teil der Grenze des Gebirges bildet, verläuft ein großes Bruch. Der südöstlich von demselben gelegene Teil der Erdrinde ist längs des Bruches abgesunken. Der Bruchrand der nordwestlichen, stehengebliebenen Scholle bildete an dieser Stelle den Strand des triassischen Mittelmeers. Auch der Nordgrenze der Dolomiten entlang zieht ein großes Bruch mit stark abgesunkenem Südflügel. Dieses vom Villnäßthal nach O. verlaufende Bruch bildete ebenfalls einen Teil des triassischen Strandes. Ebenso ist das Drauthal, welches weiter östlich die Nordgrenze bildet, ein altes Bruch mit abgesunkener Südflanke; die Dolomiten sind im NW. und N. von Brüchern eingefaßt. Die triassischen Schichten sind im Gebiet der Dolomiten nur wenig gefaltet, und obwohl die Verwerfungen überall zu Aufkippungen der Schichten geführt haben, so sind doch die Abweichungen von der Horizontalen großenteils nur unbedeutend. Das ganze Gebiet ist eine hinabgesunkene, selbst zersprungene Erdscholle, deren südliche Teile tiefer hinabgesunken sind als die nördlichen. Der Charakter der untersten Stufe der alpinmediterranen Trias, der Werfener Schichten, zeigt, daß zu Beginn der Triaszeit das Wasser in der Bucht von Südtirol seicht war. Nach oben werden diese Schichten stellenweise kalkig und gehen in Bänke von gerichtetem Kalk mit Ammoniten über, so daß gegen Ende der Werfener Zeit die Meerestiefe zugenommen haben muß. Die obere Grenze der Werfener Schichten wird durch Rauchwacken und Gipslager markiert, und diese deuten darauf hin, daß damals die Bucht von Südtirol trocken gelegt worden war. Auf die Werfener Schichten folgt zunächst eine schmale Zone von Muschelkalk, welcher reich an Ammoniten und andern Versteinerungen ist. Er tritt in zwei Facies auf, als thoniger oder kalkiger Schiefer und als stockförmiger Kalk oder Dolomit. Die nächste Zone bilden die Buchensteiner Schichten, welche ebenfalls in zwei Facies, als geschichtete Knollenkalke und als sackförmige Kalk- oder Dolomitmasse, auftreten. Der Knollenkalk wurde in tieferm Wasser gebildet als das Sediment des Muschelkalks. Zu Ende der Buchensteiner Zeit fanden nahe dem Ostufer des als Vorgebirge in die Bucht von Südtirol hineinragenden Bozener Porphyrplateaus, welches lange vor der Triaszeit entstand, gewaltige submarine Vulkanausbrüche statt, welche auf weite Strecken hin die Tiefe des Meeres mit vulkanischen Tuffen bedeckten. Nur die stockförmigen Kalk- und Dolomitmassen der Buchensteiner Zone ragen aus der Tuffdecke hervor, was beweist, daß sie schon zur Zeit der Bildung der letztern in Gestalt von Stöcken bestanden haben. Über dem Tuff lagern die jüngern Schichten der alpin-^[folgende Seite]