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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Markthallen

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Markthallen (Berlin, Wien).

In Berlin erwog man zuerst 1848 und 1862 die Errichtung städtischer M. In die Jahre 1867 und 1872 fallen die Anfänge privater Unternehmungen, die jedoch beide scheiterten. Erst 1881, nach Vollendung der Stadteisenbahn, nahm die Stadtgemeinde die Markthallenfrage ernstlich auf. Man hatte den Vorteil, sich die Vorzüge und Nachteile der Pariser und Londoner Verhältnisse zu nutze machen zu können. So hat man die allzu starke Zentralisation vermieden, sind die Bahnanschlüsse nicht versäumt, die Verwaltungseinrichtungen und die Verteilung von Groß- und Kleinmarkt den örtlichen Verhältnissen entsprechend, in einer Weise getroffen worden, die zwischen den Einrichtungen von London und Paris etwa die Mitte hält. Berlin bekommt zunächst 14 M. Vier davon, die Zentralhalle am Alexanderplatz und die M. II-IV in der Friedrich-, Zimmer- und Dorotheenstraße, sind 1883 begonnen, 1885 eröffnet worden. 1888 wurden dem Verkehr übergeben die M. V-VIII auf dem Magdeburger Platze, in der Invaliden-, Dresdener und Andreasstraße, und im Plane sind M. für die äußern Stadtteile Moabit, Wedding, Gesundbrunnen, Schönhäuser Vorstadt, äußere Luisenstadt und Tempelhofer Vorstadt. Großhandel hat zunächst nur die mit der Stadteisenbahn verbundene Zentralhalle; doch soll ein Teil desselben später auch auf die Hallen II (für Blumen), IV (für Früchte) und auf eine dritte, an der Spree zu errichtende Markthalle (für Fische) übergehen. Die Zentralmarkthalle, deren Aufbau und Durchschnitt beifolgende Tafel und Textfigur 3 zeigt, bedeckt, den Eisenbahnviadukt eingeschlossen, 11,600 qm Grundfläche; dazu kommen 4300 qm auf den Galerien. Sie enthält 762 untere, 385 obere Stände, reicht jedoch auch bereits für den Verkehr nicht mehr aus, so daß noch 108 Stände durch Zumietung benachbarter Stadtbahnviaduktfläche geschaffen und ein Erweiterungsbau in Aussicht genommen werden mußten. Auf der Eisenbahn werden im Durchschnitt mehr ein- als ausgeführt, d. h. es gelangen zur Verzehrung jährlich rund 1¾ Mill. Ztr., dazu treten mindestens 1½ Mill. Ztr. Fleisch, welche bis jetzt noch immer zu Wagen herangeschafft werden. Die Gesamtkosten der Zentralmarkthalle betragen 5,306,493 Mk., die Baukosten allein 2,742,493 Mk. Von den sieben in Berlin bisher vollendeten Kleinmarkthallen liegen 6, nur von zwei Seiten zugänglich, in Häuserviertel eingebaut; sie sind deshalb von 9 m breiten Durchfahrten durchschnitten, haben an beiden Straßen Vordergebäude, die zu verschiedenen Zwecken ausgenutzt sind, und zwischen diesen und der eigentlichen Halle in der Regel je einen Hofraum, welcher der Licht- und Luftzufuhr dient, und an den sich die Nebenräume für den Marktbetrieb zweckmäßig anschließen. Die Hallen selbst bestehen aus einem höhern, mit Satteldach und seitlichen Oberlichtfenstern versehenen Mittelteil über der Durchfahrt und breiten, niedrigern, mit Sheddächern überdeckten Flügeln. In runden Zahlen angegeben, schwankt die bebaute Grundfläche dieser Hallen zwischen 3000 und 9500 qm, die Zahl der Stände dem entsprechend zwischen 320 und 640 und die Bau- und Grunderwerbskosten zwischen 1,170,000 u. 2,670,000 Mk. Die einzige frei stehende Markthalle auf dem Magdeburger Platze hat bei 227 Ständen 342,000 Mk. (Grunderwerb war nicht erforderlich) gekostet.

Wie Paris einen Überfluß, so hat Wien einen Mangel an Zentralisation. Es wird dort die innere Stadt von den Vorstädten durch eine Verzehrungssteuerlinie getrennt, welche das Markthallenwesen nicht zu rechter Entwickelung hat kommen lassen.

^[Abb.: Fig. 3. Zentralmarkthalle in Berlin. Durchschnitt.]