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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Maurik; Maximilian; Maximowicz; Mazuranic; Medeba; Medizin; Medizinischer Kongreß, internationaler

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Maurik - Medizinischer Kongreß.

Maurik, Justus van, niederländ. Humorist und Lustspieldichter, geb. 16. Aug. 1847 zu Amsterdam, wo er als Fabrikbesitzer lebt. Zu seinen gelungensten Lustspielen gehören: »Een bittere Pil« (»Emanzipation«), »Janus Tulp« (»Reichgewordene Bürgersleute«), »S of Z« (»Judenhaß«), »Fijne Beschuiten« (»Heuchelei«), »Men zegt« (»Klatscherei«). Seine zahlreichen Novellensammlungen sind in vielen Auflagen, größtenteils auch illustriert erschienen; als Vorleser seiner Novellen erwarb er sich den Namen des »niederländischen Dickens«.

Maximilian, 1) M. I., deutscher Kaiser. Vgl. Ulmann, Kaiser Maximilians I. Absichten auf das Papsttum (Stuttg. 1888); Busson, Die Sage von Max auf der Martinswand und ihre Entstehung (Leipz. 1888).

7) M. II., König von Bayern. Der Briefwechsel des Königs mit dem Philosophen Schelling wurde von Trost und Leist herausgegeben (Stuttg. 1890).

Maximowicz, Karl Johann, russ. Botaniker, starb 16. Febr. 1891 in St. Petersburg.

Mazuranic, Ivan, kroat. Dichter und Staatsmann, starb 3. Aug. 1890 in Budapest.

Medeba (das heutige Mâdeba), alte Stadt der moabitischen Hochebene, schon im 4. Buche Mosis als Eroberung des Amoriterkönigs Sihon genannt und später im Besitz des Stammes Ruben. Im 5. nachchristlichen Jahrhundert war es Bischofsitz, was seine Ruinen bestätigen. Diese byzantinische Stadt, von welcher namentlich eine Kathedrale, ein großes Reservoir, ein Thor, eine Säulenstraße etc. sich teilweise erhalten haben, scheint aus dem Material einer älteren römischen gebaut zu sein. Seit 1881 haben sich dort Katholiken angesiedelt, welche die Ruinen zerstören und das Material verbauen.

Medizin, Kongreß für innere, s. Innere Medizin.

Medizinischer Kongreß, internationaler. Die zweite Pariser Weltausstellung von 1867 bot die Gelegenheit, daß eine größere Anzahl fremder Ärzte sich zusammenfand, die in einer Vereinigung, welche an die Stelle der regelmäßigen Jahresversammlungen der französischen Ärzte trat, unter dem Vorsitz von Bouillaud tagte. Ein italienischer Arzt, Pantaleoni, regte dabei den Gedanken an, dieser Vereinigung von Gelehrten aller Nationen einen periodischen Charakter zu geben, und man beschloß, die nächste Versammlung 1869 in Rom abzuhalten, ging aber, weil die vatikanische Regierung einen Kongreß von Ärzten nicht dulden wollte, nach Florenz. Hier wurden im Gegensatz zu Paris mit dem Kongreß allerlei Festlichkeiten verbunden, die dann vorbildlich für alle weitern derartigen Versammlungen geworden sind. 1871 fand kein Kongreß statt, 1873 tagte derselbe gelegentlich der Weltausstellung in Wien unter dem Vorsitz von Rokitansky und wurde grundlegend für gewisse hygienische Fragen, namentlich für Choleraprophylaxe und Impfzwang. Auf dem fünften Kongreß in Brüssel wurden Sektionen für die verschiedenen Zweige der Wissenschaft eingerichtet. 1877 tagte der Kongreß in Genf, 1879 in Amsterdam, wo Lister über sein Verfahren der antiseptischen Wundbehandlung sprach. Der glänzendste aller Kongresse war der zu London 1881. Während Florenz nur 377 Ärzte gesehen hatte, tagten hier weit über 3000 in 16 Sektionen. Virchow verteidigte die Vivisektion, und Pasteur sprach über Schutzimpfungen gegen Milzbrand. Der nächste Kongreß tagte 1884 in Kopenhagen. Ein Antrag Virchows, das nächste Mal nach Berlin zu gehen, wurde unter dem Einfluß der Franzosen abgelehnt, man folgte 1887 dem Rufe der amerikanischen Arzte nach Washington, wo aber Kompetenzstreitigkeiten der Amerikaner die Veranlassung gaben, daß viele der bekanntesten Gelehrten der Vereinigten Staaten dem Kongreß fern blieben.

Der zehnte Kongreß tagte vom 4. bis 8. Aug. 1890 in Berlin und wurde von Virchow eröffnet. Nach dem Bericht des Generalsekretärs und nach Begrüßungen seitens des deutschen Kaisers, der Reichsregierung, der preußischen Regierung und der Stadt Berlin sprach Lister - London über antiseptische Chirurgie. Er trat lebhaft für die Phagocytentheorie Metschnikows ein und suchte aus dieser die Thatsache zu erklären, daß seidene Fäden, die keinerlei antiseptische Behandlung erfahren haben, ohne Schaden in Wunden liegen bleiben können. Die Leukocyten dringen mit großer Schnelligkeit in die Zwischenräume aller Fremdkörper ein und zerstören die Mikroben, die sich dort eingenistet haben. Indes hält Lister es für weiser, die Seidenfäden vor dem Gebrauch zu sterilisieren. Er sprach dann über die der Sublimatlösung, welche er andern antiseptischen Mitteln vorzieht, zu gebende Konzentration und betonte, daß man bei empfindlichern Geweben, wie Synovialhäuten, verdünntere Lösungen anwenden müsse. Bekanntlich suchte Lister die in der Luft schwebenden Mikroben durch Zerstäuben einer antiseptischen Flüssigkeit über der Wunde unschädlich zu machen. Es stellte sich aber heraus, daß die Anwendung des Sprays auf falschen Voraussetzungen beruht, und seit 3 Jahren hat Lister dieselbe aufgegeben. Er ersetzte den Spray durch antiseptisches Waschen und Spülen und dadurch, daß er die Operationsstelle mit ausgebreiteten, in antiseptische Lösungen getauchten Handtüchern umgab, und er glaubt, daß es an der Zeit sei, zu versuchen, ob nicht das antiseptische Spülen der Wunde zu entbehren sei, unter der Voraussetzung natürlich, daß mit peinlichster Sorgfalt darauf geachtet wird, alle septischen Bestandteile aus andern Quellen als der Luft von der Wunde fern zu halten. Gelingt der Versuch, so würde ein alter Traum in Erfüllung gehen, den er einst geträumt. Ausgehend von der Analogie subkutaner Verletzungen, hatte er einst gehofft, daß die Wunde unter dem antiseptischen Verband sofort vollständig geschlossen werden konnte und die Wundränder sich ohne weiteres vereinigen würden.

Koch - Berlin sprach über bakteriologische Forschung. Es gilt als vollständig erwiesen, daß die Bakterien ebenso wie die höhern pflanzlichen Organismen feste, mitunter allerdings schwierig abzugrenzende Arten bilden. Die ältesten medizinischen Schriftsteller beschreiben Aussatz und Lungenschwindsucht in ihren unverkennbaren Eigenschaften, und man kann daher annehmen, daß die pathogenen Bakterien eher die Neigung haben, ihre Eigenschaften innerhalb langer Zeiträume festzuhalten, als sie, wie mit Rücksicht auf den wandelbaren Charakter mancher epidemischer Krankheiten meist angenommen wird, schnell zu ändern. Bei der Eigenart der Bakterien hat man aber zur Unterscheidung der Spezies möglichst viele Eigenschaften, auch wenn sie augenblicklich noch so unwesentlich erscheinen, und zwar morphologische wie biologische, sorgfältig zu sammeln und sich nicht auf ein einzelnes Kennzeichen zu verlassen, welches sich vielleicht als wandelbar erweist. Typhusbacillen in Mesenterialdrüsen, in Milz und Leber einer Typhusleiche lassen keine Zweifel aufkommen, sollen aber Bacillen im Boden, Wasser, Luftstaub mit Sicherheit als Typhusbacillen angesprochen werden, so vermag selbst der geübte Bakteriolog keine absolute Sicherheit