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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Miquel; Mirbach; Miribel; Mischhahn für Badeeinrichtungen; Mischmaschinen

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Miquel - Mischmaschinen.

wie dem vorüberfliegenden Vogel im Sonnenschein vollständig das Schauspiel eines farbenspielenden Tautropfens gewähren. Die Täuschung, welche schon bei unsrer gewöhnlichen Chrysomela fastuosa sehr verführerisch ist, noch mehr aber bei manchen tropischen Arten hervortritt, wird dadurch hervorgebracht, daß der stark, beinahe halbkugelig gewölbte Rücken mit Streifen spiegelnder Regenbogenfarben versehen ist, die bei jedem Platzwechsel des Beobachters einen andern Farbenstrahl in sein Auge senden. Da diese Tiere hauptsächlich im Morgentau oder nach Gewitterregen im Rasen oder auf niedern Kräutern und Gebüschen auftreten, so ist der Nutzen des Farbenspiels klar. Denn Vögel, die im Morgensonnenschein überall, wo sie hinschauen, im Laube farbenfunkelnde Dinge gewahren, die bei ihrer Annäherung erst die Farbe wechseln und sich dann in ein Tröpfchen gewöhnlichen Wassers verwandeln, werden sich bald abgewöhnen, nach diesen glitzernden Scheinwesen hinzufliegen oder gar sie anzupicken. Auch verschiedene Prachtkäfer (Buprestiden), Böcke, die Helopier unter den Dämmerungskäfern (Tenebrioniden), ja gewisse Goldfliegen und Goldwespen scheinen von ihrer Ähnlichkeit mit glitzernden Tautropfen Nutzen zu ziehen.

Auch das Farbenspiel zahlreicher Fische, namentlich aus der Abteilung der Lippfische, scheint ähnlichen Nutzen für dieselben zu bringen, denn diese in Regenbogenfarben prangenden Tiere werden dadurch den »verwaschenen Spektren« ähnlich, die bei tief stehender Sonne im bewegten Wasser spielen. Endlich dürfte auch die zarte irisierende Silberschicht, welche so viele Fische auf ihren Schuppen, namentlich nach der Bauchseite hin tragen, und die so glänzend ist, daß sie zur Herstellung künstlicher Perlen benutzt wird, die Nachahmung einer optischen Erscheinung ihren Ursprung verdanken, nämlich der »totalen Reflexion«, welche diejenigen aus der Wassertiefe emporgeworfenen Strahlen erleiden, welche unter einem sehr schrägen Winkel die Oberfläche treffen. Man kann den dadurch hervorgebrachten Silberglanz leicht sehen, wenn man schräg von unten gegen die Wasseroberfläche eines gefüllten Wasserglases blickt. Die darüber befindliche Luftschicht steht dann wie flüssiges Quecksilber aus, und von dieser silberglänzenden Fläche würden sich Fische, welche die Sehlinie schräg nach oben blickender Tiere kreuzen, grell abheben, wenn sie nicht an ihrer nach unten gewendeten Seite ein ähnlich glänzendes Silberkleid trügen. Hier ist offenbar der Grund zu suchen, weshalb die große Mehrzahl der Fischarten am Bauche silbern gefärbt ist, und bei den Plattfischen, zu denen die Schollen, Flundern und Seezungen gehören, ist die gesamte nach unten gekehrte Körperhälfte, die bekanntlich der rechten oder linken Seite (nicht dem Bauche) des Tieres entspricht, mit einem leicht irisierenden, schwachen Silberglanz versehen, der sich mitunter ganz schroff von der dunklern, dem Seegrund angepaßten Farbe der Oberseite abhebt.

Zu den lehrreichsten Fällen der M. im engern Sinne, in denen ein Tier, welches stark verfolgt wird, ein andres, welches irgend einer Eigenschaft wegen nicht gefressen wird, in Gestalt und Färbung genau nachahmt, gehört das Beispiel von Papilio Merope, eines über weite Gebiete Afrikas verbreiteten Schmetterlings, welchen Trimen schon früher beschrieben, aber in seinem kürzlich vollendeten Werke über afrikanische Schmetterlinge neu untersucht hat. Bei diesem großen Schmetterling sieht das Weibchen dem Männchen meistens gar nicht ähnlich, und Trimen war im stande, zu zeigen, daß es an verschiedenen Orten der Kapkolonie und der angrenzenden Länder verschiedene Danaiden nachahmt, z. B. bei Knysna Amauris Echeria, in Natal Amauris niavius, bei Kapstadt Danais Chrysippus etc. Während die Männchen trotz der weiten Ausdehnung des von dieser Art bewohnten Gebiets kaum merklich ihr Aussehen verändern, wechseln die Weibchen mit den daselbst vorkommenden Danaiden in jedem Bezirk ihr Aussehen, mit Ausnahme von Madagaskar und Abessynien, wo sie den Männchen gleich gefärbt erscheinen. Es ist dies ein besonders deutlicher Beweis der Thatsache, daß überall die Weibchen mehr als die Männchen gezwungen sind, unter fremden Masken die Art zu erhalten, und diese Masken annehmen, wie und wo sie sie finden. Die Nachahmung verschiedener Masken durch ein und dasselbe Weibchen ist gewissermaßen der umgekehrte Fall von dem nicht weniger auffälligen, wenn zwei verschiedene Schmetterlinge einen dritten geschützten nachahmen und dadurch untereinander gleich werden. So ahmen Papilio Ridleyanus und Pseudacraea Boisduvalii am Congo beide die gemiedene Acraea Egina nach und sind sich daher, obwohl unter sich und mit dem Vorbild zu ganz verschiedenen Familien gehörig, sehr ähnlich geworden. Über einen besondern Fall, in welchem ein Schlauch mit den Keimen von Eingeweidewürmern einer bunten Insektenlarve gleicht, s. Würmer.

Miquel, Johannes, deutscher Staatsmann, seit 1879 Oberbürgermeister von Frankfurt a. M., wurde im Juni 1890 zum preußischen Finanzminister ernannt; sein Reichstagsmandat für Kaiserslautern legte er nieder.

Mirbach, Julius, Graf von, deutscher Politiker, geb. 27. Juni 1839, studierte 1858-62 in Bonn und Berlin die Rechte, ward darauf Auskultator, trat aber 1862 in das Gardedragonerregiment ein, dem er bis 1865 als Leutnant angehörte, und widmete sich sodann der Bewirtschaftung seiner Herrschaft Sorquitten bei Sensburg in Ostpreußen, wo er Amtsvorsteher und Kreisdeputierter ist. Seit 1874 lebenslängliches Mitglied des Herrenhauses, wurde er 1878 und wieder 1886 in den Reichstag gewählt, in welchem er sich der deutschkonservativen Partei anschloß und die Interessen der Landwirtschaft mit Beredsamkeit und Energie vertrat. 1888 wurde er in den Grafenstand erhoben.

Miribel, Marie François Joseph de, franz. General (Bd. 17), wurde im Mai 1890 zum Generalstabschef ernannt, dessen Befugnisse so erweitert wurden, daß er dem Kriegsminister ebenbürtig zur Seite stand.

Mischhahn für Badeeinrichtungen, s. Hahn.

Mischmaschinen, mechanische Vorrichtungen zum Mischen von Körpern, beruhen entweder auf dem Prinzip des Durcheinanderschüttens (Schleudern, Schütteln) oder des Durcheinanderrührens und Knetens. Die Schleuder- oder Schüttwerke finden eigentlich nur in den Brauereien und Brennereien zum Malzwenden und in den Mahlmühlen zum Mehlmischen Verwendung und bestehen entweder aus drehenden Rechen oder Schaufeln, welche sich über das Malz hinwegbewegen, dasselbe aufnehmen und wieder hinschütten, oder aus drehenden Trommeln, die inwendig mit radial gestellten Brettern versehen sind, welche als Schaufeln zur Wirkung kommen, wenn die verschiedenen Mehlsorten durch einen Seitentrichter in die Trommel gelangt sind, oder aus horizontalen Schleuderscheiben, welche mit radialen, schwach aufwärts gekrümmten, mit Drahtgewebe überspannten