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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Öhlschläger; Ohm; Ohrenpflege

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Öhlschläger - Ohrenpflege.

betrug 1888: 162 Mill. und 1889 trotz der schlechten Ernte 159½ Mill. Rubel. An Getreide wurde 1889 ausgeführt: 12,5 Mill. hl Weizen, 3,6 Mill. hl Roggen, 2,9 Mill. hl Gerste, 2,6 Mill. hl Mais; an Zucker 45,800 Doppelzentner im Wert von 11½ Mill. Rub. Die Ausfuhr von Nahrungsmitteln wertete überhaupt 127 Mill. Rub. An Wolle wurden 67,000 Doppelzentner im Wert von 7⅕ Mill. Rub. ausgeführt. Der Wert der Einfuhr betrug 1889: 31 Mill. Rub. Es liefen in ausländischer Schiffahrt 1257 Schiffe (darunter 1162 Dampfer) von 1,401,065 Ton. ein, 1287 Schiffe (darunter 1204 Dampfer) von 1,458,005 T. aus.

Öhlschläger, Otto von, Präsident des deutschen Reichsgerichts, geb. 16. Mai 1831 als Sohn eines Rittergutsbesitzers in Ostpreußen, studierte von 1850 ab in Königsberg die Rechtswissenschaft, wurde 1858 Gerichtsassessor, verwaltete dann Richterstellen in Schwetz und Löbau, ging aber darauf zur Staatsanwaltschaft über, ward 1874 vortragender Rat im Justizministerium, 1879 Generalauditeur, 1885 Präsident des Kammergerichts in Berlin, 1889 Staatssekretär des Reichsjustizamts und 1891 nach dem Rücktritt Simsons Präsident des Reichsgerichts in Leipzig. Seit 1884 Mitglied des preußischen Herrenhauses, 1885 des Staatsrats, wurde er 1888 in den Adelstand erhoben.

Ohm, Georg Simon, Physiker. Vgl. Mann, Georg Simon O., Beiträge zum Charakterbild des großen Physikers (Leipz. 1890).

Ohrenpflege, die Hintanhaltung krankheiterregender Schädlichkeiten, durch welche die Funktion des Gehörorgans beeinträchtigt werden kann. Die O. hat schon an den ersten Lebenstagen des Säuglings zu beginnen, wo die Wände des schlitzförmig verengerten Gehörorgans von einer dicken Epidermislage bedeckt sind, welche in der ersten Lebenswoche allmählich abgestoßen wird. Eindringendes Badewasser kann diese Epidermislage macerieren und eine Entzündung hervorrufen, die nach Durchbohrung des Trommelfells auf das Mittelohr sich fortpflanzt. Auch durch die Nase eingeschlürftes Badewasser kann, durch die Ohrtrompete eindringend, eine Mittelohrentzündung bedingen. Der Kopf des Säuglings ist also beim Baden in erhöhter Lage zu halten. Noch häufiger entsteht bei Säuglingen eiterige Entzündung des Mittelohrs mit Durchbohrung des Trommelfells infolge von Schnupfen oder Gaumenkatarrh. Jede Erkältung ist mithin sorgsam zu vermeiden und bei eingetretenem Ohrenfluß sofort ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Zur Erkennung angeborner oder bald nach der Geburt erworbener Schwerhörigkeit oder Taubheit sollte man schon in den ersten Lebensmonaten hinter dem Rücken des Kindes singen, pfeifen etc. und beobachten, ob das Kind den Kopf nach der Stelle, wo die Versuchsperson sich befindet, zu wenden strebt. Tritt keine Reaktion ein, so ist ärztliche Behandlung geboten, um einen unmerklich entstandenen Mittelohrkatarrh zu beseitigen, bevor bleibende Veränderungen in der Trommelhöhle sich entwickeln können, welche später eine Heilung der Schwerhörigkeit ausschließen. Bei Kindern können Mittelohrkatarrhe ohne subjektive Symptome schleichend verlaufen; sie entstehen meist durch Nasenrachenkatarrhe, Tonsillarhypertrophie und adenoide Vegetationen und sind durch von Zeit zu Zeit wiederholte Untersuchungen des Gehörorgans zu ermitteln. Verdächtig ist namentlich das anhaltende Atmen durch den geöffneten Mund, bei welchem ärztliche Untersuchung des Nasenrachenraums und der Ohrtrompete erforderlich ist, um so mehr, als mit Nasenrachen- und Ohrenkatarrhen behaftete Kinder denkfaul sind und große Unlust zum Lernen an den Tag legen. Diese Symptome schwinden nach Heilung der Katarrhe. Die im Gefolge von Scharlachfieber mit Diphtheritis sich entwickelnden Nasenrachenaffektionen greifen oft auf das Mittelohr über und veranlassen tiefgreifende Zerstörungen. Zur Verhütung dieses Übergreifens, welches zu hochgradiger Schwerhörigkeit und Taubheit führt, ist der Nasenrachenraum während der Erkrankung zwei- bis dreimal täglich durch Eingießen oder Einatmen zerstäubter, wässeriger, 1-2proz. Lösungen von Borsäure oder Resorcin in die Nasenhöhle oder durch Einblasen von Borsaure- oder Jodolpulver durch die Nasenöffnung aseptisch zu machen. Auch ist das Trommelfell bei den Infektionskrankheiten öfter zu untersuchen. Die Reinigung des Ohres wird häufig in sehr unrationeller Weise betrieben. Das Ohrenschmalz wird unter normalen Verhältnissen durch die Kieferbewegungen, welche sich auf den knorpeligen Gehörgang übertragen, gegen die äußere Ohröffnung hingeschoben und fällt meist in halbgetrocknetem Zustand aus dem Ohr heraus. Bei den üblichen Reinigungsverfahren durch Einschütten von Wasser ins Ohr, Bohren mit dem Handtuch, mit Ohrlöffeln, Schwämmchen etc. wird das Ohrenschmalz meist nur in die tiefern Teile des Ohrkanals geschafft, wo es sich zusammenballt und schließlich den Ohrkanal verstopft. Solche Ohrenschmalzpfropfen kommen ungleich häufiger bei Personen vor, die auf Reinigung ihrer Gehörgänge besondere Sorgfalt verwenden, als bei solchen, welche dies nicht thun. Nur, wo bei besonderer Beschaffenheit des Gehörganges oder des Ohrenschmalzes die natürliche Beseitigung des letztern nicht ausreicht, muß dasselbe von Zeit zu Zeit, mindestens halbjährlich, durch Einträufeln von verdünntem Glycerin erweicht und durch kräftiges Ausspritzen entfernt werden. Die Entfernung von Ohrenschmalzpfropfen mit Pinzette oder Ohrlöffeln ist gefährlich und zu unterlassen. Jucken des äußern Gehörganges veranlaßt Kratzen, welches zu übler Angewohnheit werden kann und nicht selten Aufschürfungen der Haut und sehr schmerzhafte, mit Eiterung verbundene Gehörgangsentzündungen herbeiführt. Viele Menschen sind gegen das Eindringen von kaltem Wasser in den Gehörgang sehr empfindlich, in unmittelbarer Folge dieses Eindringens von Wasser beim Baden, Schwimmen oder nach Kopfdouchen entstehen heftige Entzündungen des Trommelfells und der Mittelohrauskleidung, welche ohne Verletzung des Trommelfells heilen oder zu eiteriger Mittelohrentzündung mit Durchbohrung des Trommelfells führen. Am häufigsten geschieht dies bei Personen mit gerade gestreckten, weiten Gehörgängen, wo die kalte Flüssigkeit leicht mit einem Stoße gegen das Trommelfell vordringt. Es ist deshalb empfehlenswert, beim Gebrauch kalter Fluß- oder Seebäder die Gehörgänge mit durchfetteter Baumwolle so zu verschließen, daß die Pfropfen beim Untertauchen nicht herausgespült werden können. Auch bis zum Trommelfell eindringende kalte Luftströme können, namentlich wieder bei Personen mit gerade gestreckten, weiten Gehörgängen, Entzündungen des Trommelfells und des Mittelohrs herbeiführen. Solche Personen, deren Gehörorgan gegen Wind, Kälte, Feuchtigkeit empfindlich ist, sollten bei stürmischem, feuchtem Wetter die äußere Ohröffnung im Freien leicht mit Baumwolle verstopfen. Dies empfiehlt sich auch für alle Individuen, bei denen früher ein Ohrenleiden bestand, während bei ruhigem Wetter, in geschlossenen Räumen und bei Per-^[folgende Seite]