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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Portugal

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Portugal (Handelsstatistik).

legt, so daß die Strahlen nunmehr auf die in der Rückwand fest aufgestellte lichtempfindliche Platte fallen und daselbst das Bild hervorrufen. Die Expositionszeit für jedes Anteilbild richtet sich nach der für die Gesamtaufnahme nötigen Expositionsdauer. Beträgt dieselbe z. B. 60 Sekunden, und es wären 6 Porträte zu vereinigen, so würden für jedes einzelne 10 Sekunden entfallen, bei 10 Porträten nur 6 Sekunden, und so wirkt ein Kopf oder Negativbild nach dem andern auf dieselbe Platte. Es ist selbstverständlich, daß auf dem so gewonnenen zusammen gesetzten Bilde nicht alle Teile zur vollständigen Deckung kommen können, Stirnen, Haarfrisur, Nasen und Bart sind von oft sehr verschiedener Gestalt, und die Ohren sitzen nicht in gleicher Höhe am Kopfe, aber abgesehen von einiger Unsicherheit in den Außenumrissen, von den durch die verschiedene Länge der Nase erzeugten großen Nasenlöchern, wird stets ein Porträt von überraschend festen, mittlern Formen erzielt, welches ein ganz verschiedenes Gepräge zeigt, wenn Personen verschiedener Gesellschaftsklassen, z. B. 10 Droschkenkutscher, 10 Künstler, 10 Ärzte oder Naturforscher, so verschmolzen werden. Man kann überzeugt sein, daß damit ein mittlerer Typus erhalten wird, der z. B. bei der Vereinigung von Porträten derselben Rasse und Nationalität, derselben Verbrecherklasse, derselben Geisteskrankheit oft überraschend deutlich die charakteristischen Züge wiedergibt und deshalb von wissenschaftlichem Werte ist.

Galton, der sich besonders viel mit Erblichkeitsfragen beschäftigt hat, suchte namentlich auch der Frage nach der gemischten Ähnlichkeit der Kinder mit ihren Eltern mittels solcher Mischporträte näher zu treten. Vereinigt man in einem Stereoskop die P. zweier junger Ehegatten, so kann man mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit erkennen, wie die aus dieser Ehe entsprossenen Kinder im gleichen Alter aussehen werden. Eine Vereinigung der P. sämtlicher Kinder würde dem Mischporträt der Eltern wahrscheinlich noch näher kommen. Jemand, der gleichartig aufgenommene Selbstporträte aus sehr verschiedenen Lebensaltern besitzt, kann daraus sein Aussehen in der dazwischenliegenden Zeit, aus der er vielleicht kein Porträt besitzt, konstruieren. Es würde sich daher für jemand, der sich für solche Studien interessiert, empfehlen, daß er von allen Familiengliedern Aufnahmen in gleicher Gesichtshaltung und Größe bewirken läßt und bei jeder Neuaufnahme ein Probebild mitnimmt, um wieder die gleiche Anordnung zu erlangen.

Dies führt auf die Frage nach der künstlerischen Bedeutung des Verfahrens. Es gibt Menschen, die behaupten, niemals auf einer Photographie getroffen zu sein, obwohl die Sonne, wie der Photograph achselzuckend erwidert, nicht lügt, weil sie jedesmal eine andre Miene aufsetzen, wie dies namentlich bei Kindern der Fall ist. In ihrem eignen, wie in dem Gedächtnis nahestehender Personen leben sie als Mischung dieses wechselvollen Mienenspiels, von dem vielleicht der reizendste und anmutendste Teil der Platte nicht zu gute kam, während ihn ein Künstler gewiß festgehalten hatte. Solchen Personen kann wahrscheinlich durch eine gesammelte Ausgabe ihrer wechselnden Stimmungen geholfen werden. Vielleicht liegt hier auch der beste Weg, das wahre Aussehen einiger historischer Personen, die auf jedem Ölgemälde, auf jedem Stiche anders aussehen, noch nachträglich festzustellen. Den ersten derartigen Versuch führte Galton mit sechs antiken Reliefbildern Alexanders d. Gr. aus, und in gleicher Weise wurde ein Durchschnittsbild von Shakespeare hergestellt, von welchem viele alte, aber unter sich sehr verschieden aussehende Bilder vorhanden sind, und dasselbe Verfahren ist von Bowditch auf die Porträte von Washington angewendet worden. Es war nicht zu verkennen, daß in den so gewonnenen Durchschnittsbildern der Gesichtsausdruck veredelter und vergeistigter, wahrscheinlich auch ähnlicher ausfiel als in den einzelnen von mäßigen Künstlern hergestellten Originalen.

Portugal. Der äußere Handel Portugals hat im J. 1889 in der Einfuhr einen Wert von 220½ Mill. Mk., in der Ausfuhr einen solchen von 137 Mill. Mk. ergeben. Während die Einfuhr gegen 1888 um 22¼ Mill. Mk. gestiegen ist, betrug die Zunahme der Ausfuhr nicht ganz 6 Mill. Mk. Es ergibt sich hiernach ein bedeutendes, im Jahre 1889 weiter gesteigertes Mißverhältnis zwischen Ein- und Ausfuhr. Eine Zunahme zeigen in der Einfuhr Seiden-, Schafwoll-, Baumwoll- und Leinenwaren; ferner in erheblichem Maße Rindvieh, wovon fast 50,000 Stück gegen 35,000 im Vorjahr eingeführt wurden, Bauholz (7,6 gegen 5 Mill. Mk.), was auf die starke Bauthätigkeit in Lissabon zurückzuführen ist, Steinkohle (559,000 gegen 482,000 Ton.), Metalle und Metallwaren, Maschinen und Instrumente (13,8 gegen 11,4 Mill. Mk., welcher Zuwachs auf Rechnung industrieller Maschinen kommt). Zurückgegangen ist dagegen namentlich die Einfuhr von Weizen (von 2,050,000 auf 1,540,000 metr. Ztr.), für welche Erscheinung der Grund im folgenden liegt: Um die Interessen der Landwirtschaft und des Handels in Einklang zu bringen, war durch das Gesetz vom 15. Juli 1889 verfügt worden, daß der Importeur ausländischen Weizens (meist der Müller selbst) eine bestimmte Quantität davon erst dann aus dem Zollhaus gegen Entrichtung des Eingangszolls beziehen darf, wenn er mittels Certifikats nachweist, daß er bereits zweimal soviel portugiesischen Weizen gekauft habe, während die Einfuhr von Mehl (ausgenommen für Staatsbedarf) gänzlich verboten wurde. Infolge geringer Vorräte an einheimischem Weizen hat die obige Vorschrift bald den Bezug fremden Weizens unmöglich gemacht, die Mühlenindustrie zum Stillstand gebracht und die Gefahr einer Brotkrisis herbeigeführt, während reichliche Mengen fremden Weizens in den Zollämtern lagen, ohne bezogen werden zu dürfen, da die Bedingungen des obigen Gesetzes nicht erfüllt werden konnten. Um dieser Notlage abzuhelfen, wurde mit dem Gesetz vom 27. Febr. 1890 der Einfuhrzoll auf fremden Weizen auf jene Ziffer herabgesetzt, welche die Müller für annehmbar erklärten, um dem Gesetz vom 15. Juli 1889 entsprechen zu können, nämlich von 20 auf 16 Reis das Kilogramm. Auch wurde die Vorschrift der Beibringung des erwähnten Nachweises für die Zeit bis zum 31. Aug. 1890 suspendiert. Es herrscht sonach in der Agrarpolitik Portugals ein Hin- und Herschwanken zwischen Einfuhrverboten und Einfuhrbewilligungen, welches dem Verkehr nur schaden, dem Lande aber keinen Nutzen bringen kann. Der Handel des Mutterlandes mit den Kolonien hat von 1887 auf 1889 eine ansehnliche Steigerung (von 25,6 auf 31,5 Mill. Mk.) erfahren, welche fast ganz auf den Verkehr mit der Provinz Angola kommt. In der Ausfuhr haben zugenommen: Kork und Korkwaren (14 gegen 12 Mill. Mk.), dann Erze (6 gegen 5 Mill. Mk.). Abgenommen hat dagegen die Ausfuhr von Viel) (4 gegen 5 Mill. Mk.) und ganz besonders die von Wein, welche von 1,730,800 hl im Werte von 58½ Mill. Mk. auf 1,475,800 hl im Werte von 56 Mill. Mk. gesunken ist.