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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Reliefpresse; Religionsgeschichte; Religionswissenschaft

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Reliefpresse - Religionswissenschaft.

hat längst gelehrt, daß zweckmäßige Veränderung des Aufenthalts, Verbringung an einen Ort, wo reichlicher Genuß freier Luft mit geregelter Pflege und passender Ernährung verbunden wird, ungleich schneller und sicherer zur Genesung führt als längerer Aufenthalt im Krankenhaus oder die Rückkehr in die meist mangelhaften oder gar schädlichen heimischen Verhältnisse, die vielfach die Entstehungsursache der Krankheit abgaben. Oberstes Erfordernis für die R. ist eine nach ärztlichen und hygienischen Gesichtspunkten genau geregelte Leitung, richtige Disziplin und strenge Hausordnung. Sehr gern unterstellt man die R. der Leitung eines Krankenpflegerordens, doch sollte die oberste Instanz immer ein Arzt sein; auf keinen Fall ist regelmäßige ärztliche Kontrolle zu entbehren. Selbstverständlich erfordern R. eine gesunde Lage, mindestens an der Peripherie der Städte, womöglich fern im Walde, auf einer Höhe oder am Meer. Bau und Einrichtung stellen sich viel billiger als bei Krankenhäusern (0,33-0,5 der für die letztern aufs Bett berechneten Summe). Es genügen ganz einfache Baulichkeiten mit geräumigen, luftigen Schlafsälen, ausreichenden Tageräumen und ausgedehnten offenen Hallen, Veranden, Wandelbahnen für den Aufenthalt bei ungünstigem Wetter. Man sollte viel lieber mehrere kleine Häuser bauen als ein großes; oft kann man ein vorhandenes Gebäude benutzen, und wenn ein landwirtschaftlicher Betrieb mit der Rekonvaleszentenanstalt verbunden oder derselben zu Grunde gelegt wird, dann gestaltet sich auch der Betrieb und die Unterhaltung billig, zumal die Übertragung leichter Arbeiten in Haus, Garten und Feld an manche Insassen der R. für diese sehr heilsam wirkt.

England (ohne Schottland und Irland) besitzt 180 R. mit Raum für 6500 Kranke und mit einem Jahreseinkommen von ca. 3 Mill. Mk.; London allein hat 41 R., jedes größere Krankenhaus besitzt eine oder mehrere derartige Anstalten außerhalb der Stadt. In Deutschland sind München, Frankfurt a. M., Elberfeld mit der Errichtung von Rekonvaleszentenhäusern vorangegangen; Berlin hat die auf zwei städtischen Rieselgütern vorhandenen Herrschaftshäuser benutzt und ausgezeichnete Erfolge erzielt. Bei der Gründung von Rekonvaleszentenhäusern wird häufig die Privatwohlthätigkeit die ersten Schritte thun müssen, aber schon die Gemeinden haben ein direkt finanzielles Interesse daran, weil sie für den Armen auch im Krankheitsfall aufzukommen haben, und der gesunde Arme billiger zu unterstützen ist als der kranke. Übrigens gibt die Gesetzgebung über Krankenkassen, Unfall- und Invaliditätsversicherung den Rekonvaleszentenhäusern eine ganz vorzügliche Grundlage. Es ist finanziell sehr wichtig, eine möglichst schnelle und vollständige Genesung herbeizuführen, und der Kranke braucht die Rekonvaleszentenpflege nicht als ein Almosen hinzunehmen, sondern kann sie als ein gesetzlich ihm zukommendes Recht fordern. R. haben aber auch für wohlhabendere Kreise großes Interesse, da namentlich in großen Städten die häuslichen Verhältnisse nur selten Gelegenheit bieten, die Genesung so zu beschleunigen und so gründlich zu gestalten, wie es in Rekonvaleszentenhäusern möglich ist. Zudem gestaltet sich manche Rekonvaleszenz schwierig und langwierig. Als eine Ergänzung der R. ist die offene Pflege der Genesenden zu betrachten: die Fortsetzung der ärztlichen Fürsorge nach der Entlassung aus dem Krankenhaus, Fernhaltung von aufs neue krank machenden Einflüssen, Beschaffung guter Nahrung, zweckmäßiger Kleidung, Lieferung von Arzneimitteln, medizinischen und chirurgischen Apparaten, moralische Unterweisung etc.

Reliefpresse, s. Holzverzierungen.

Religionsgeschichte, s. Religionswissenschaft.

Religionswissenschaft, vergleichende. Das Studium der nichtchristlichen Religionen, früher nur als ein Anhängsel der Theologie oder Philologie betrachtet und auf ein kritikloses Zusammentragen der Mythen alter und moderner Völker beschränkt, hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Der vergleichenden Sprachwissenschaft ist eine vergleichende R. an die Seite getreten, welche die Stammbäume der Religionen und der einzelnen Mythen festzustellen und durch vergleichende Heranziehung der religiösen Vorstellungen alter und unzivilisierter Völker den Ursprung der höhern Religionen zu erforschen bestrebt ist. Einen, reichen Zuwachs an Material für die Geschichte der orientalischen Religionen hat diese junge Wissenschaft durch die von Professor Max Müller in Oxford herausgegebenen »Sacred books of the East« (1879 ff., bis jetzt 33 Bde.) erhalten. Zuverlässige Übersetzungen aus dem Sanskrit, Prakrit, Pali, Arabischen, Zend, Pehlewi, Chinesischen von anerkannten Orientalisten enthaltend, bietet diese großartige Sammlung eine wertvolle und unentbehrliche Grundlage für alle Untersuchungen über die brahmanistische, buddhistische und Dschainareligion, den Islam, den Mazdaismus der Zoroastrier Persiens und die Hauptreligionen Chinas. Auch in der Herausgabe der Urtexte der heiligen Bücher des Orients sind bedeutende Fortschritte zu verzeichnen; so hat Geldner eine neue kritische Ausgabe des Zendavesta unternommen, zu der die indischen Parsenpriester ihre handschriftlichen Schätze beigesteuert haben; die Quellenschriften des Buddhismus werden unter der Redaktion von Rhys Davids in den Publikationen der Londoner Pali Text Society (seit 1882) in rascher Folge veröffentlicht; Max Müllers Ausgabe des Rigveda mit dem Sanskritkommentar des Sâyana erscheint bereits in zweiter Auflage; das neue Material an keilschriftlichen und Hieroglyphentexten schwillt immer mehr an. Nicht nur die großen Buchreligionen werden immer genauer bekannt, sondern auch über die oft sehr interessanten religiösen Vorstellungen der schriftlosen Völker fließen uns fortwährend neue Aufschlüsse zu in den zahlreichen Reisebeschreibungen, die besonders auf die Religionen des dunkeln Kontinents ein neues Licht werfen.

Überhaupt läßt sich die frühere Annahme von der Existenz völlig religionsloser Völker in keiner Weise mehr halten. Faßt man den Begriff der Religion allgemein als das Gefühl der Abhängigkeit von unbekannten Machten, so sind alle Berichte über das Fehlen der Religion bei gewissen Völkern als auf ungenauer Erkundigung oder Verwechselung beruhend zu bezeichnen. So sprach der Reisende Lichtenstein (1811) den Buschmännern jeden Glauben an ein höheres Wesen ab, während neuerdings Bleek, der hervorragende Kenner der südafrikanischen Sprachen, ganze Bände von Notizen über die höchst ausgebildete Mythologie und Religion dieses Volkes aus dem Munde einer Buschmannfamilie sammeln konnte. Fritsch fand bei den Betschuanen von Religion keine Spur; aber, setzt er bezeichnend hinzu, sie glauben an Kobolde und verehren die Geister der Verstorbenen. Den Mikronesiern wird der Glaube an Gott abgesprochen, aber zugleich ihr Ahnenkult hervorgehoben. Die vergleichende R. ist, dem Beispiel der vergleichenden Sprachwissenschaft folgend, zunächst von