Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Safferling; Sagasta

808

Safferling - Sagasta.

einer selbstthätigen Hemmvorrichtung, um plötzliche Schwankungen des Saatkastens unmöglich zu machen. Es wird zu diesem Zweck ein Hindernis eingeschaltet, welches eine nur allmähliche Verschiebung des Saatkastens gestattet. Wüst in Halle verwendet als solches einen Kolben, welcher sich in einem Cylinder verschieben und hierbei eine Flüssigkeit verdrängen muß; Sack in Plagwitz benutzt ein hemmendes Windrad, welches der plötzlichen Bewegung des Saatkastens ein entsprechendes Hindernis entgegensetzt. In der Konstruktion von Dehne in Halberstadt verschieben sich bei Terrainänderungen (Steigungen oder Gefälle) nur die Aufnahmstrichter des Saatgutes im Saatkasten, während dieser letztere fest im Maschinengestell angebracht ist. Diese Einrichtungen sind wohl allesamt zweckmäßig und liefern unstreitig bessere Anbauergebnisse als die ältere Methode der Drillkonstruktion; sie haben jedoch den gemeinschaftlichen Nachteil, daß sie erst in Wirksamkeit treten, sobald das Terrain steigt oder fällt, wobei bereits die ungleichmäßige Aussaat eingetreten ist. Überdies erfüllen sie ihre Aufgabe nur bei Terrainänderungen in der Fahrrichtung, dagegen keineswegs, wenn die Maschine eine Lehne entlang fährt.

Die zweite Methode verwendet anstatt der Löffel oder Säeräder, den bei uns fast ausschließlich angewendeten Säeapparaten, solche, bei welchen die Gleichmäßigkeit der Aussaat unabhängig von der Lage des Saatkastens ist. Schon das alte Thorner Säerad, welches in den 50er Jahren von Rudolf u. Drewitz in Thorn eingeführt wurde, erfüllte diese Aufgabe, gestattete aber nicht die Aussaat von Rübenkernen, während auch Hafer mit demselben nur schlecht gesäet wurde. Dieses Säerad wurde von Siedersleben in Bernburg derartig verbessert, daß es derzeit alle Saatarten vollkommen gleichmäßig aussäet und zwar bei jeder Lage des Saatkastens. Dasselbe hat unter dem Namen Saxonia-Säerad umfassende Verwendung gefunden. Auch einzelne amerikanische Säeräder, welche durch die Weltausstellung in Philadelphia 1876 bei uns bekannt wurden, zeigen den erwähnten Übelstand der ungleichmäßigen Aussaat bei steigendem oder fallendem Terrain nicht, z. B. das Farmers Favorite-Säerad, welches von Zimmermann in Halle a. S. angewendet und in neuerer Zeit auch durch eine Ausrückevorrichtung sowie durch eine Einrichtung mit dem nämlichen Säerade verschiedene Saatarten aussäen zu können, geschickt verbessert wurde. Derartige Konstruktionen amerikanischen Ursprungs sind noch mehrfach bei uns eingeführt worden und zwar mit zweifellosem Erfolg; namentlich wird eine von der Aktiengesellschaft H. F. Eckert in Berlin angewendete Säeradkonstruktion des sogen. Nutenwalzendrills gerühmt.

Es sei hier noch erwähnt, daß man sich auch in neuester Zeit bemüht hat, die Regulierung der Saatmenge einer Säemaschine zu vereinfachen. Bemerkenswert sind in dieser Hinsicht die Bestrebungen von Schlick in Budapest und Kühne in Wieselburg in Ungarn. Beide wenden Säeräder an, welche, aus zwei Teilen bestehend, in der Achsenrichtung verschoben werden können. Das Ergebnis dieser Verschiebung ist eine Vergrößerung oder Verkleinerung der Zellenweite des Säerades, wodurch dasselbe für Saatarten sehr verschiedener Größe eingestellt werden kann, zu welchem Zweck bisher mehrere Gattungen von Säerädern oder Löffelscheiben verschiedener Größe erforderlich waren. Gleichzeitig kann aber auch durch diese Verschiebung eine Regulierung der Saatmenge erfolgen, wobei es freilich noch eine offene Frage ist, ob dies innerhalb der von der Praxis beanspruchten Grenzen der Fall ist. Die Verschiebung der Säeradzellen erfolgt gemeinschaftlich für sämtliche auf der Säewelle sitzende Räder durch eine zur Seite des Saatkastens angebrachte Schraubenstellung; die Handhabung ist demnach eine überaus einfache und bequemer als diejenige der bisherigen Wechselräder.

Die Vereinigung von S. mit Düngerstreuapparaten, welche in England vielfach üblich ist, fand bisher bei uns nur beschränkte Verwendung, wobei wohl auch der Umstand maßgebend war, daß die ältern Düngerstreumaschinen ihre Aufgabe nur recht unvollkommen erfüllten. Erst in neuester Zeit ist es gelungen, die letztern derartig anzuordnen, daß sie wenigstens unter einigermaßen günstigen Umständen normal arbeiten. Namentlich wird dies den Maschinen von Schlöer mit Streuwalze und den sogen. Schlitzmaschinen von Hampel, Schmidt u. Spiegel u. a. nachgerühmt. Diese neuern Düngerstreumaschinen sind sämtlich für breitwürfiges Ausstreuen eingerichtet und eignen sich demnach nicht zur Kombination mit der Reihensäemaschine. Für diese ist man immer noch auf die ältern Düngerstreuapparate angewiesen, welche sich häufig verstopfen und namentlich bei feuchtem und klebrigem Dünger ganz unbefriedigende Arbeit liefern. Trotzdem findet gerade in neuester Zeit die Vereinigung der Reihensäe- und Dungstreuapparate vermehrte Anwendung; namentlich in Böhmen beschäftigen sich manche Erfinder, welche die Erfordernisse der Praxis sehr gut kennen, mit dem genannten Problem, und einige haben bereits recht bemerkenswerte Erfolge erzielt.

Safferling, Benignus, Ritter von, bayr. General und Kriegsminister, geb. 30. Nov. 1824, begleitete achtjährig seinen Vater, welcher zu den von König Ludwig I. dem zum König der Hellenen erwählten Prinzen Otto von Bayern mitgegebenen Truppen gehörte, nach Griechenland. Dort starb der Vater 1835 zu Argos als Kommandant eines Lanciersregiments. Der junge S. kam nun in eine auf der Insel Ägina errichtete Kadettenschule und aus dieser 1841 in das 2. griechische Infanterieregiment. Als 1843 die Bayern Griechenland verlassen mußten, kehrte er in die Heimat zurück, ward im 2. Infanterieregiment angestellt und 31. Okt. 1845 zum Unterleutnant befördert. 1849 wurde er Oberleutnant, 1859 Hauptmann, machte als Generalstabsoffizier der 1. Infanteriedivision unter Generalleutnant v. Stephan den Krieg von 1870/71 gegen Frankreich mit, blieb nach Friedensschluß zunächst als Bevollmächtigter Bayerns beim Oberkommando der Okkupationsarmee und kehrte 1872 nach Bayern zurück, um das Kommando der zuerst beim 1., dann beim 2. Armeekorps errichteten Lehrtruppe zu übernehmen, welche bestimmt war, das preußische Exerzierreglement bei der bayrischen Infanterie einzuführen. 1874 wurde er Oberstleutnant und Kommandeur des 1. Infanterieregiments König, 1876 Oberst, 1880 Generalmajor und Kommandeur der bayrischen Besatzungsbrigade in Metz, 1886 Präsident des Generalauditoriats und Generalleutnant, 1887 Kommandeur der 2. Division und Generaladjutant, 6. Mai 1890 an Heinleths Stelle Kriegsminister und 20. Sept. d. J. General der Infanterie.

Sagasta, Don Práxedes Mateo, span. Staatsmann, trat Anfang Juli 1890 von dem Posten eines Ministerpräsidenten zurück, nachdem er dies Amt seit dem Tode des Königs Alfons XII., im November 1885, bekleidet und wichtige Reformen, wie Geschwornengerichte, Zivilehe, ein neues Heergesetz und das all-^[folgende Seite]