Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Sansibar; Santner; Saprophyten; Saracco

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Sansibar - Saracco.

der Zentralzeichenschule des Baron Stieglitz; das von den Grafen Suzor gebaute Haus der Gegenseitigen Kreditbank, in seiner Einrichtung allen Anforderungen eines Bankinstituts mit großem Verkehr entsprechend. Die an der Stätte des Attentats auf Kaiser Alexander II. gebaute Sühnekirche ist bis zum zweiten Stockwerk vorgeschritten. Die großen Filteranlagen beim Wasserleitungsturm, die mit einem Kostenaufwand von 1½ Mill. Rub. errichtet wurden, sind seit dem Herbst 1889 in Thätigkeit und liefern täglich 12 Mill. Lit. filtrierten Newawassers. Ein Denkmal wurde 1889 dem Prinzen Peter von Oldenburg (gest. 1881) vor dem Marienhospital errichtet. Die elektrische Straßenbeleuchtung ist auf den beiden Hauptstraßen: dem Newskij-Prospekt und der Bolschaja Morskaja, sowie rings um das Winterpalais eingeführt.

Bei einem Flächeninhalt von 84,4 qkm hatte S. nach der Zählung vom 15. Dez. n. St. 1890: 1,036,324 Einw., davon 80,098 in den Vorstädten. 1888 zählte man 534,700 männliche und 443,609 weibliche Personen, darunter 190,963 Kinder unter 15 Jahren. Die Zahl der Eheschließungen betrug 6341 oder 7 pro Mille, der Geburten 1890: 29,203 oder 31,6 pro Mille, der Sterbefälle 23,774 oder 27,2 pro Mille. Für die Periode 1884-88 wurden 31,141 Eheschließungen (im Durchschnitt 6228), 139,064 Geburten (im Durchschnitt 27,813) und 128,544 Sterbefälle (im Durchschnitt 25,708) verzeichnet, so daß sich ein Geburtenüberschuß von 10,520 Seelen oder 2105 pro Jahr ergibt. Die Sterblichkeit ist besonders groß unter den Kindern unter 5 Jahren, unter denen sie 1888: 13,511 betrug, darunter 8694 im ersten Lebensjahr. Unter 28,341 Gebornen waren 27 Proz. außerehelich. Die Unfallstatistik ergab 8991 Fälle, darunter 304 Selbstmordversuche und 138 Selbstmordfälle, und 423 böswillige Verletzungen. Man zählte 9408 Häuser mit 108,492 bewohnten, 9382 unbewohnten Wohnungen und 4323 Lokalen in Wohnhäusern, in denen sich verschiedene Etablissements befanden. Durchschnittlich kommen 7,1 Personen auf eine Wohnung. Die Zahl der Fabriken betrug 479, verschiedener Werkstätten von Handwerkern 6442, verschiedener Handelslokale 10,542, der Bierbuden 990 und der Branntweinschenken 184, der Hotels 46 und der Restaurants 44. Die städtische Kommune unterhält 260 Volksschulen, in welchen über 13,000 Kinder fast unentgeltlichen Unterricht erhalten.

Im ausländischen Schiffsverkehr liefen im Hafen Petersburg-Kronstadt 1890: 1567 Schiffe mit 488,295 Lasten ein, davon 1432 mit Waren, von denen 396 die ganze Fracht in Kronstadt ließen, während die übrigen Schiffe durch den Seekanal nach S. gingen oder im Hafen des Seekanals ihre Waren löschten. Es gingen 1437 Schiffe mit 464,636 Lasten ab, darunter 1296 mit Waren, die ihrerseits 385 Schiffe in Kronstadt empfingen. Die Getreideausfuhr belief sich 1890 auf 5,035,510 Tschetwert, darunter hauptsächlich Hafer (2,685,781 Tschetwert). Ferner wurden 1½ Mill. Pud Flachs und Flachsheede ausgeführt, 519,119 Pud Mineralöle, gegen 1½ Mill. Pud Ölkuchen, 1,100,000 Dutzend Bretter, 2,834,537 Arschin Leinwand, 73,512 Pud Hanf und andre Rohstoffe und Fabrikate im Gesamtwert von 51 Mill. Rub. Die Haupteinfuhrartikel waren Steinkohlen mit 41 Mill. Pud und Heringe mit 500,000 Pud. Der Einfuhrwert belief sich insgesamt auf 70,2 Mill. Rub. Die Zufuhr von Getreide aus dem Innern betrug 1888: 775,428,000 Pud, wovon 570,317,000 Pud ins Ausland abgingen. Ferner wurden aus dem Innern eingeführt: 84,319,100 Pud Brennholz, 71,186,500 Pud Baumaterialien (Steine und Holz), 3,215,100 Pud Kerosin und Naphthaprodukte, 4,082,900 Pud Heu und Stroh, 1,669,197 Pud verschiedenen Fleisches, 231,215 Ochsen, 147,537 Kälber, 63,773 Hammel und Schweine. Der Gesamtkonsum an Fleisch und Wild belief sich auf gegen 6 Mill. Pud.

Sansibar. Sultan Seyid Khalifa, der wegen seiner schwankenden Haltung nur ein geringes Ansehen bei seinen arabischen Unterthanen genoß, starb schon 13. Febr. 1890 eines plötzlichen Todes. Ihm folgte sein Bruder Seyid Ali Bin Said, der wegen seines schroffen Auftretens auf der Insel wenig beliebt ist und ganz unter dem Einfluß der Engländer steht. Durch das 1. Juli 1890 erfolgte Abkommen zwischen dem Deutschen Reiche und Großbritannien hat er seine Souveränität eingebüßt und ist für die ihm nach Abtretung des gegenüberliegenden Küstenstreifens an Deutschland (s. Deutsch-Ostafrika) verbleibenden Besitzungen, also die Inseln S. und Pemba, ferner die Inseln Lamu, Manda und Patta und die Küstenplätze an der Somalküste unter britischen Schutz getreten. Zu diesem Abkommen gab auch Frankreich, welches 1862 die Souveränität des Sultans anerkannt hatte, im Vertrag vom 5. Aug. 1890 mit England seine Zustimmung. Für die Abtretung des Küstenstreifens an der Suaheliküste erhielt der Sultan von der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft eine Entschädigung von 4 Mill. Mk., die 27. Dez. 1890 bezahlt wurde. Am 7. Nov. war das britische Protektorat in S. verkündet worden. Durch den neuen Vertrag ist zwar die Macht des Sultans sehr eingeschränkt worden, sein jährliches Einkommen hat sich aber auf 5-6 Mill. Mk. gesteigert, wobei noch die ihm früher obliegenden Ausgaben für die Verwaltung den Engländern zur Last fallen, Erwähnung verdienen noch die Maßregeln des Sultans gegen den Sklavenhandel. Am 1. Aug. 1890 erließ er eine Proklamation, durch welche fortan jeder Tausch, Kauf und Verkauf von Sklaven verboten war. Beim Tode ihrer Herren sollten Sklaven nur auf die legitimen Deszendenten vererbbar sein, und falls diese fehlten, die Freiheit erhalten. Überhaupt sollten sie sich zu einem angemessenen Preise loskaufen dürfen. Auf die Mißhandlung von Sklaven seitens ihrer Herren waren hohe Strafen gesetzt. Da diese Verordnung in die wirtschaftlichen Verhältnisse der Araber eingriff, entstand unter diesen lebhafte Erbitterung, und um den drohenden Unruhen vorzubeugen, milderte der Sultan die erlassene Verordnung dadurch, daß er 9. Aug. verfügte, der Loskauf der Sklaven solle nicht ohne Zustimmung ihrer Eigentümer erfolgen dürfen und diesen bei leichtern Vergehen die Strafgewalt gelassen werden. Dem Namen nach besteht das Verbot des Sklavenhandels weiter, soll aber nicht streng beobachtet werden.

Santner, Karl, Männergesangskomponist, geb. 26. Jan. 1819 zu Salzburg, empfing seine musikalische Ausbildung daselbst im Mozarteum, wirkte später, nachdem er eine Zeitlang die Stelle eines Gefängnisdirektors in Garsten und Suben bekleidet hatte, als Chordirektor im Stift St. Peter und als Sekretär des Mozarteums in Salzburg und starb 19. April 1885. S. schrieb viele Lieder für eine und mehrere Stimmen, namentlich Männerchöre, Kirchengesänge und einige Lehrbücher über Musik.

Saprophyten, s. Humuspflanzen.

Saracco, Giuseppe, ital. Politiker, geb. 9. Okt. 1821 zu Bistagno bei Acqui, studierte in Asti und Turin die Rechte, ward dann in Acqui, um welche