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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Saturn; Saucken; Sauer; Sauerstoff

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Saturn - Sauerstoff.

Stadt er sich große Verdienste erwarb, Advokat und 1851 in das sardinische Parlament gewählt, wo er sich den Liberalen anschloß. 1862 war er Generalsekretär des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten unter Depretis, 1863 im Finanzministerium und wurde 1865 Mitglied des Senats, dessen Vizepräsident er später war. Im April 1887 übernahm er das Ministerium der öffentlichen Arbeiten, trat aber 1889 wieder zurück.

Saturn. Aus Beobachtungen des sechsten Mondes Titan in den Jahren 1885-87 hat A. Hall für die Masse des S. den Wert 1/3500,5 der Sonnenmasse abgeleitet, welcher sehr nahe mit Bessels Wert (s. Saturn, Bd. 14, S. 339) übereinstimmt, während andre Bestimmungen der neuern Zeit etwas größere Werte ergeben hatten. Die schon von ältern Beobachtern bemerkte Eigenschaft des innern dunkeln Ringes, des sogen. Kreppringes, das Licht teilweise, namentlich nach seinem innern Rande hin, durchgehen zu lassen, ist neuerdings (2. Nov. 1889) wieder sehr deutlich von Barnard auf der Lick-Sternwarte beobachtet worden. Als nämlich der achte Mond Japetus aus dem Schatten des S. trat, erschien er ebenso hell wie die beiden Monde Tethys und Enceladus (dritter und zweiter); mit dem Eintritt in den dunkeln Ring nahm aber die Helligkeit ab, anfangs langsam, dann aber immer rascher, je näher der Mond dem hellen Ringe kam. Schon 1851 hat O. v. Struve aus der Vergleichung älterer Messungen und Zeichnungen des Ringsystems des S. auf Veränderungen geschlossen, welche im Laufe der Zeit in diesem System vor sich gegangen sind, und spätere Beobachter haben dies bestätigt. Besonders deuten die Wahrnehmungen, welche Trouvelot bereits 1875 und wieder neuerdings (1886 u. 1887) in Meudon gemacht hat, darauf, daß die Ringe des S., weit entfernt stabil zu sein, wesentlich veränderlich und großem Wechsel unterworfen sind. Dies ist auch durchaus nicht befremdend, wenn die zuerst von Maxwell mit Rücksicht auf die Stabilität des Ringsystems ausgesprochene, später von Hirn tiefer begründete Vorstellung richtig ist, daß die Ringe aus einzelnen isolierten Massenteilchen bestehen, die gleich Meteorschwärmen um den S. kreisen. Wie neuerdings Seeliger dargethan hat, ist aber diese Vorstellung auch in vorzüglicher Übereinstimmung mit den optischen Erscheinungen, welche die Ringe darbieten. Aus den über 7 Jahre ausgedehnten Helligkeitsbestimmungen des Saturnsystems, welche Müller in Potsdam ausgeführt hat, ergibt sich nämlich, daß die Helligkeit am größten ist, wenn S. in Opposition, also in der Verlängerung der Linie Sonne-Erde steht, während sie 60 Tage vor oder nach der Opposition nur ungefähr 80 Proz. des Maximalwerts beträgt. Zur Erklärung erinnert Seeliger daran, daß die einzelnen Massenteilchen von der Sonne beleuchtet werden, daß also der von der Sonne abgewendete Teil eines jeden Teilchens im Schatten liegt, daß aber außerdem auch jedes Teilchen hinter sich einen Schlagschatten wirft, der in vielen Fällen wieder auf feste Teilchen fällt. Außerdem ist auch noch die Verdeckung beleuchteter Teilchen durch andre beleuchtete auf die Helligkeit von Einfluß. Im allgemeinen fallen nun die beschatteten Teilchen nicht zusammen mit den verdeckten; dies ist aber für die Erdbewohner der Fall zur Zeit der Opposition des S., wir nehmen dann keinen Schatten im Ringsystem wahr, dasselbe erreicht seine größte Helligkeit. Einige interessante Resultate bezüglich der Monde des S. (vgl. Planeten, Bd. 13, S. 106) hat Hermann Struve aus seinen am 30 zölligen Pulkowaer Refraktor ausgeführten Mikrometermessungen abgeleitet. Hiernach hat die Bahn des ersten (innersten) Mondes, Mimas, die Exzentrizität 0,016 und die Neigung von 1° 26' gegen die Äquatorebene des S. Die Knoten haben eine rückläufige Bewegung von ungefähr 1° täglich, während das Perisaturnium (der dem S. nächste Punkt der Bahn) in Richtung der Bewegung des Mondes jährlich um 371° fortrückt. Für die Massen der sechs innersten Monde gibt Struve folgende Werte:

^[Liste]

Mimas 1/11500000

Enceladus 1/2600000

Tethys 1/767000

Dione 1/528000

Rhea 1/30000

Titan 1/4700

der Masse des S. Da Struve aus Bewegungserscheinungen weit kleinere Massen für Mimas, Tethys und Dione gefunden hat, als sich aus photometrischen Vergleichen mit Titan ergeben, so nimmt entweder die Albedo der Monde mit der Annäherung an den S. zu, oder ihre Dichte nimmt ab.

Saucken, 2) Konstanz von S.-Julienfelde, Politiker, starb 15. April 1891 in Julienfelde.

Sauer, Karl Theodor von, Militär, geb. 20. Dez. 1834 zu Innsbruck, trat 1844 in das bayrische Kadettenkorps in München und 1852 in das 1. Artillerieregiment. 1859 wurde er zum Lehrer für Waffenlehre an der Kriegsschule in München, 1863 zum Ordonnanzoffizier des Königs Max II. und 1864 zum Flügeladjutanten des Königs Ludwig II. ernannt. In dieser Stellung nahm er am Kriege 1870/71 nur als Kurier des Königs teil. 1873 wurde er als Oberstleutnant nach Landau, 1876 als Regimentskommandeur nach Germersheim versetzt, wo er 1882 als Generalmajor zum Kommandanten der Festung ernannt wurde. 1887 ging S. als Gouverneur nach Ingolstadt, 1888 wurde er in dieser Stellung zum Generalleutnant befördert. Seit 1882 trat er mit Anschauungen über den Festungskrieg hervor, welche großes Aufsehen nicht nur in Deutschland erregt haben. Namentlich befürwortete er auch die Verwendung der Geschützpanzer außerhalb der Forts in selbständigen Gruppen. Er schrieb: »Grundriß der Waffenlehre« (2. Aufl., Münch. 1876, nebst Supplement: »Neue Kriegswaffen«, 1878); »Über die Manöverschule der Feldbatterie« (das. 1875); »Beiträge zur Taktik des Festungskriegs« (Berl. 1882); »Über Angriff und Verteidigung fester Plätze« (das. 1885); »Taktische Untersuchungen über neue Formen der Befestigungskunst« (das. 1885, auch französisch); »Über den abgekürzten Angriff gegen feste Plätze und seine Abwehr«, Vorträge (das. 1889); »Gefechtslehre und Wurffeuer« (Beiheft zum »Militärwochenblatt«, 1890).

Sauerstoff. Versetzt man eine Lösung von rotem Blutlaugensalz (Ferricyankalium) mit Kalilauge und dann mit Wasserstoffsuperoxyd, so tritt ohne weiteres lebhafte Entwickelung von S. ein, der auf diese Weise sehr leicht und rein dargestellt werden kann. Das bei dem Prozeß als Nebenprodukt gebildete gelbe Blutlaugensalz (Ferrocyankalium) kann leicht durch Eindampfen der ausgenutzten Lösungen gewonnen werden. Dies von Kaßner angegebene Verfahren gestaltet sich noch einfacher, wenn man ein pulverförmiges Gemisch von Ferricyankalium und Baryumsuperoxyd (welches in verschlossenen Gefäßen unbegrenzte Zeit aufbewahrt werden kann) mit kaltem Wasser übergießt. Wird der Rückstand verarbeitet, dann berechnet sich das Liter S. zu 2-3 Pf.

Zur Gewinnung von reinem S. aus atmosphärischer Luft wird von der Londoner Brins Oxygen Company poröses, durch Glühen von Ba-^[folgende Seite]