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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Spies; Sprengen

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Spies - Sprengen.

Engelsköpfchen scheinen dann hoch in den Wolken zu schweben.

Durch unbelegte, durchsichtige und gewöhnlich umgekehrt gegen die Zuschauer geneigte Spiegelplatten, die den Mittelraum der Bühne einnehmen, können diese Illusionen sehr vermannigfacht werden, indem man durch abwechselnde Beleuchtung bald nur den schwach beleuchteten Hintergrund der Bühne durch den Spiegel hindurch, oder mit demselben zugleich die auf demselben gespiegelten, stark beleuchteten Figuren u. Schauspieler in einer Versenkung erblickt, die bei Entziehung ihres Lichtes in Luft zerfließen. Hierauf beruhen die Geistererscheinungen, deren ätherischer Leib von dem Degen der hinter dem Spiegel auftretenden Schauspieler nach allen Richtungen durchschnitten zu werden scheint. Einer ganz ähnlichen Veranstaltung verdankt die vielbewunderte Magneta, eine in ganzer Gestalt in einer Nordlichtlandschaft schwebende, sich langsam und graziös in der Luft überschlagende und endlich kopfüber in die Flut stürzende Künstlerin die Möglichkeit, sich wie eine im Wasser schwimmende oder durch magnetische Kräfte in der Luft gehaltene Person zu benehmen. In Wirklichkeit vollführt die in schimmernde Trikots gekleidete Darstellerin ihre Bewegungen auf einer mit schwarzem Tuch beschlagenen, horizontalen Drehscheibe in liegender Stellung und wird erst durch eine unter 45° darüber geneigte, spiegelnde Glasplatte wie die Bilder eines Guckkastens in die scheinbar senkrechte, schwebende Stellung versetzt. Da die Vorführung mit Musikbegleitung erfolgt, hört man die leise Drehung der Scheibe nicht, und die Täuschung, daß Magneta am Schlusse kopfüber in die (auf die Hinterwand gemalte) Flut stürzt, wird durch ein Zurückziehen der Drehscheibe unter dem Spiegelglas hindurch bewirkt.

Wenn die Beleuchtung der hinter und vor dem Bühnenspiegel befindlichen und scheinbar (bei den Geistererscheinungen) auf demselben Raume, ja auf derselben Stelle agierenden Personen plötzlich gewechselt wird, so kann damit die plötzliche Verwandlung einer Person in eine andre, oder eines Menschen in ein Tier, eines Skeletts in einen lebenden Menschen etc. bewirkt werden. Noch überraschender ist die Täuschung, wenn die Verwandlung nach Art der Nebelbilder langsam geschieht, z. B. durch langsame Dämpfung des Beleuchtungsapparats für die hinter dem Spiegelglas befindlichen, und Erhellung der vor denselben gestellten und nur im Spiegelbild sichtbaren Person. Dann bekleidet sich das auf eine schwarze Trikotbekleidung gemalte Skelett langsam mit Fleisch, oder eine Marmorgestalt, die schöne Galathea, gewinnt allmählich die Farben des Lebens, beginnt zu sprechen und sich zu bewegen. Für diese Verwandlungsszenen wendet man statt des großen, gegen die Versenkung geneigten Bühnenspiegels gewöhnlich eine senkrecht stehende, gegen eine versteckte Seitenloge geneigte Spiegelglasplatte an, so daß die schöne Galathea mit Pygmalion und seinem Marmorwerk auf derselben Horizontalebene agieren kann. Die Hauptbedingung für das Gelingen aller dieser Illusionen besteht darin, daß man von dem Vorhandensein der spiegelnden Platte, mag sie nun belegt oder völlig durchsichtig sein, durch das Auge keine sichere Kunde haben darf. Die Ränder derselben müssen daher sorgfältig durch die Dekorationen, Tischfüße, den Teppich, die Soffiten etc. verkleidet sein, so daß man nicht erkennen kann, wo das Spiegelbild aufhört und die Wirklichkeit anfängt.

Eine sehr wirksame, auf andern Prinzipien, nämlich denen des Winkelspiegels und der wiederholten Reflexion beruhende Täuschung ist gegenwärtig in mehreren großstädtischen Kuriositätenkabinetten (den sogen. Panoptiken) ausgestellt, der Vervielfältigungsspiegel. Es ist eigentlich ein Kaleidoskop (s. d., Bd. 9) in großem Maßstabe, d. h. ein prismatischer, von drei unter gleichem Winkel (von 60°) gegeneinander geneigten, senkrechten Spiegelwänden eingeschlossener Raum, in den man von unten durch eine Treppe wie auf einen Aussichtsturm hinaufsteigt. Oben auf der scheinbaren Plattform angekommen, sieht man seine Gestalt in einem weiten Raume unendlich vervielfältigt, und wenn mehrere Personen zugleich hinaufsteigen und ihr Dasein durch Hüteschwenken und andre lebhafte Bewegungen bethätigen, so erhält man das Schauspiel einer auf weitem Platze verteilten erregten Menge, namentlich wenn sich Damen u. Herren gleichzeitig dort einfinden und spiegeln.

^[Abb.: Fig. 3. Die schwebenden Cherubsköpfe.]

Spies, Hermine, Konzertsängerin (Alt), geb. 25. Febr. 1861 zu Löhnbergerhütte bei Weilburg a. d. Lahn, wo ihr Vater Hüttendirektor war, erhielt ihre musikalische Ausbildung zu Wiesbaden als Schülerin des Bernhardschen Instituts und des Freudenbergschen Konservatoriums, sodann in Berlin zwei Jahre durch Professor Sieber und zuletzt in Frankfurt a. M. durch J. ^[Julius] Stockhausen. 1882 debütierte sie als fertige Konzertsängerin, und 1883 stellte sie sich durch Konzertleistungen in Leipzig und Berlin in die vorderste Reihe der Altistinnen. Ganz besonders zeichnet sich Hermine S. in der Wiedergabe Brahmsscher Lieder aus, für deren tiefen Ernst sie den rechten Ton zu treffen weiß. Sie lebt zu Wiesbaden.

Sprengen. Die Sprengtechnik hat sich erst in in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts, als die Nitroglycerinsprengstoffe erschienen, zu einer Wissenschaft entwickelt. Denn solange nur das Schießpulver als Sprengmittel zur Verfügung stand, war das S. eine handwerksmäßig betriebene Operation. Seitdem sind die ausgedehntesten wissenschaftlichen Versuche mit den neuen Explosivstoffen angestellt und die Resultate in der Sprengtechnik verwertet worden. Die wichtigsten Aufgaben der Sprengtechnik sind: Eisenbahnen, Straßen- und Strombauten in der kürzesten Zeit auszuführen, dem Verkehr neue und sichere Wege zu eröffnen, Hemmnisse und Gefahren zu beseitigen, Kohlen- und Erzlager zu erschließen und abzubauen; Metallmassen, deren Volumen und Gewicht sie der Verarbeitung entzieht, wieder der Verwendung zugängig zu machen; Rodungsarbeiten und Tiefbodenkultur von Ackerland auszuführen auf Tiefen, in die kein Ackergerät dringt, oder an Stellen, wo solches nutzlos wird. Im Kriege macht sie es sich zur Aufgabe, Angriff und Verteidigung nachhaltiger zu führen, feindliche oder dem Feinde nützliche Objekte zu zerstören. Die Hilfsmittel der Sprengtechnik sind: 1) Die Maschinen und Werkzeuge zur Herstellung der Räume für die Aufnahme der Ladungen; 2) die Zündmittel; 3) die Explosivstoffe.