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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Thurman

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Thür - Thurman.

nach zwei Bildungsgesetze. Entweder die Einfassung erhält, wie bei der Antike, das Gepräge eines in die Wand eingestellten und meist vor diese vortretenden, die Thüröffnung einfassenden Architekturgerüstes, oder die T. wird in mittelalterlicher Weise nur mehr als Einschnitt in die Wand aufgefaßt, und die Thüreinfassung besteht dann im wesentlichen in einer mehr oder weniger reich ausgebildeten Leibung. Bildet die steinerne Thüreinfassung einen wesentlichen Teil der Frontarchitektur eines Gebäudes, so fällt sie mehr unter den Begriff des »Portales« und wird dann wohl zu einem bedeutungsvollen Architekturstück von großem Reichtum entwickelt. Bei Holzkonstruktion werden Futter und Bekleidungen an verzimmerten Zargen (Blockzargen) oder einzelnen in die Mauer eingelassenen Dübeln und Überlagsbohlen befestigt. Die Futter sind glatt oder gestemmt und im letztern Falle ähnlich wie die Thürflügel ausgebildet. Die Bekleidungen erhalten die verschiedensten Formen, werden bei reicherer Ausbildung wohl auch mit Sopraporten und Verdachungen versehen. Der Thürbeschlag besteht aus der Bewegungs- und Verschlußvorrichtung. Zur erstern gehören vornehmlich die Thürbänder, deren einer Teil an der Wand oder Thüreinfassung, der andre am Flügel befestigt ist. Während sich das Band bei der Bretterthür von der einfachsten Nutzform, dem glatten langen Bande, bis zu der reichsten Kunstform, dem geschmiedeten Zierband des Mittelalters, entwickelt hat, zeigt die moderne T. zumeist das versteckt angeschlagene, kunstlose, aber praktische Fischband, daneben wohl auch das Scharnierband und das aufgesetzte, d. h. auf dem Thürflügel sichtbar befestigte, sogen. Schippband. Schwere Thüren läßt man mit Zapfen in Pfannen gehen, Schiebethüren laufen auf Rollen oder hängen besser in solchen. Thüren, die nicht in einen Falz schlagen, sondern sich nach zwei Seiten bewegen sollen, sogen. Pendelthüren, die man namentlich gern für Windfänge verwendet, erhalten für diesen Zweck besonders eingerichtete Bewegungsvorrichtungen, Scharnier- und Gabelbänder, Rollenpendel u. dgl. Um die Thüren selbstschließend zu machen, hat man die verschiedensten Thürzuwerfer erfunden. Sie werden durch Gewichte, Federkraft oder Luftdruck in Wirkung gesetzt. Auch dadurch, daß man die T., sei es durch besondere Vorrichtungen, sei es durch entsprechende Anordnung der Bänder, beim Öffnen zu einer Aufwärtsbewegung zwingt, bewirkt man ihr selbstthätiges Zufallen. Um das mit der Zuwerfvorkehrung verbundene geräuschvolle Zuschlagen der Thüren zu verhindern, hat man jene neuerdings mit sogen. Thürzuschlaghinderern verbunden. Die Zuschlagfeder ist dabei mit einer Hemmvorrichtung verbunden, welche den zusagenden Thürflügel bremst und verursacht, daß er langsam und ruhig ins Schloß fällt. Die Vorkehrung besteht darin, daß die kräftige, in ein trommelförmiges Gehäuse eingeschlossene und am Thürrahmen befestigte Zuschlagfeder a (s. Figur) durch einen Hebel b gelenkförmig mit der Kolbenstange eines mit Glycerin oder Luft gefüllten Cylinders c verbunden ist, welche die bremsende Wirkung ausübt. Der leicht regulierbare Apparat hat sich ungemein eingebürgert. Ein Übelstand, welcher anfangs darin bestand, daß die Vorkehrung ein gewaltsames Schließen der T. nicht vertrug, ist neuerdings durch eine Vervollkommnung gehoben, welche in der Einschaltung eines nachgiebigen Gliedes zwischen T. und Thürschließer besteht. Die hauptsächlichste Verschlußvorrichtung der T. ist das Schloß. Während es im Mittelalter, ähnlich wie die Bänder künstlerisch reich und trefflich behandelt, der T. als breites, allerdings oft schwerfälliges Kastenschloß aufgelegt war, zeigt es heute unter Zurückdrängung der Kunstform einen zu großer Vollkommenheit gebrachten Mechanismus. Die alten, sogen. deutschen Schnappschlösser sind fast ganz von den französischen Schließschlössern verdrängt. Kastenschlösser finden nur noch in einfachster Form und bei untergeordneten Thüren Anwendung, die Schlösser werden meist eingesteckt, d. h. in die Holzdicke des Thürrahmens eingeschoben. Unter den Sicherheits- oder Kombinationsschlössern aller erdenklichen Art der Neuzeit sind besonders die Chubschlösser verbreitet. Zur Vervollständigung der Verschlußvorrichtung treten bei Flügelthüren noch die Riegel, selten als gewöhnliche Schubriegel, meist als Kanten- oder Basculriegel konstruiert, hinzu. Allereinfachste Verschlußvorkehrungen, wie sie in der Regel nur für gewöhnliche Bretter- oder Lattenthüren Anwendung finden, sind Kettelhaken, Schubriegel, Vorhängeschloß mit Kramme und Überwurf u. dgl. m. Zuziehringe oder -Knöpfe, Zierknöpfe auf den Rahmenkreuzungen, Läutevorrichtungen beim Aufgehen der T., Thürklopfer und bei Glasthüren Schutzgitter aller Art vervollständigen oft den Beschlag oder die Ausrüstung der Thüren.

^[Abb.: Thürzuschlaghinderer.]

Thurman, Allen G., amerikan. Staatsmann, geb. 13. Nov. 1813 zu Chillicothe im Staate Ohio, studierte die Rechtswissenschaft, war Rechtsanwalt in seiner Vaterstadt, dann Privatsekretär des Gouverneurs Lucas von Ohio, wurde 1844 in das Repräsentantenhaus zu Washington gewählt, war von 1854 bis 1856 Hauptrichter des obersten Gerichtshofs seines Heimatstaates, ward 1867 als Gouverneurskandidat von der demokratischen Partei aufgestellt, welcher er von jeher angehört hatte, unterlag jedoch bei der Wahl seinem Gegner Hayes, dem spätern Präsidenten der Republik. 1869 trat er in den Bundessenat ein, in welchem er sich zum Führer der Minorität emporschwang und trotz heftigster Opposition ein Gesetz, das sogen. Thurman-Act, durchbrachte, kraft dessen die pacifischen Eisenbahnen gehindert wurden, die Regierung um mehr als 100 Mill. zu betrügen. 1881 ward er vom Präsidenten Garfield als Vertreter der Vereinigten Staaten zur internationalen Silberkonferenz nach Paris geschickt und erhielt 1888 von der demokratischen Nationalkonvention die Nomination zum Vizepräsidenten der Union, indessen errang die republikanische Partei den Sieg. T. zeichnet sich durch Thatkraft, Grundsatztreue und Rechtschaffenheit aus. Zu den vielen Ämtern und Ehrenstellen, die er in Ohio wie in Washington bekleidete, ist er stets ohne sein Zuthun gewählt worden.