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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Tschernajew; Tschichatschew; Tschirch; Tuberkulīn; Tuberkulose

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Tschernajew - Tuberkulose.

zende Vertreter hat in neuester Zeit auch die tschechische Rechtsgelehrsamkeit. Der Akademiker Anton Randa hat einen europäischen Ruf, Hermenegild Jirecek hat über das altslawische Recht, Hofkaplan Laurin über das Kirchenrecht, Jaromir Celakovský über das altböhmische Städterecht, Professor Emil Ott über das in Böhmen geltende römische Recht, Pražák über das Verwaltungsrecht bedeutende Werke geschrieben. Andre juridische Schriftsteller von Verdienst sind Matthias Havelka, Stupecký, Skarda, Thomas Cerný, Mezník u. a. Parlamentarische Redner von Bedeutung sind vor allem Rieger; dann die beiden Grégr, Mattuš Herold, Braf u. a.; ein ausgezeichneter Redner vor Gericht ist Thomas Cerný. In der neuesten Zeit hat die Buchdruckerfirma Otto die Herausgabe eines großen Konversationslexikons unternommen, des zweiten, welches bis jetzt das tschechische Schrifttum besitzt.

Tschernajew, Michael Grigorjewitsch, russ. General, wurde zum Lohn für die Verdienste, welche er sich als einer der Führer des Panslawismus erworben hatte, im Mai 1890 wieder in die russische Armee eingereiht und unter Stellung à la suite des Generalstabes zum Mitglied des Kriegsrates ernannt.

Tschichatschew, Peter von, russ. Naturforscher und Reisender, starb 13. Okt. 1890 in Florenz.

Tschirch, Rudolf, Männergesangskomponist, geb. 17. April 1825 zu Lichtenau, wirkte als Chordirektor bei der Krollschen Oper in Berlin, war Gründer und Leiter des Märkischen Zentralsängerbundes sowie der »Deutschen Männergesangzeitung« und starb 17. Jan. 1872. T. komponierte Männerchöre (am beliebtesten: »Frühlingsglaube«) und Instrumentalstücke, von denen die »Hubertusjagd« alljährlich gelegentlich der Hubertusjagd bei Berlin in Gegenwart des königlichen Hofes zur Aufführung gelangt.

Tuberkulīn, s. Tuberkulose, S. 943.

Tuberkulose. Mit der Entdeckung des Tuberkelbacillus durch Koch 1882 wurde erst der Begriff der T. ein einheitlicher. Bis dahin standen sich zwei Anschauungen schroff gegenüber: nach der einen hielt man schon damals, wie wir es heute thun, die T. für eine ansteckende Krankheit (Vorkämpfer dieser Anschauung waren Klenke, Villemin, Klebs, Cohnheim), nach der andern aber war die Tuberkelbildung, das »Tuberkulisieren«, durch eine besondere Disposition bedingt, und konnte beim disponierten Individuum jeder Reiz zur Tuberkelbildung führen (Virchow). Diese Disposition sollte in einer besonders großen Empfindlichkeit und Verwundbarkeit der Schleimhäute bestehen; dieselben sollten leicht zu Entzündungen geneigt sein, welche ihrerseits schwer ausheilen sollten. Als Symptom dieser Disposition galt die Neigung zu Drüsenvereiterungen und Verkäsungen, die Skrofulose. Zahlreiche Versuche, die infektiöse Natur der T. durch Tierexperimente zu beweisen, gelangen zwar, wurden aber von den Gegnern nicht anerkannt, da es angeblich gelungen sein sollte, auch durch Verimpfung nicht tuberkulöser Substanzen T. zu erzielen, und Cohnheim selbst, der eifrigste Verfechter der Lehre von der infektiösen Natur der T. mußte es erleben, daß ihm seine mit nicht infektiösen Gegenständen (Papier- und Baumwollbäuschchen etc.) unter die Haut geimpften Meerschweinchen tuberkulös wurden. (Jetzt, seit man die Art der Ansteckungserreger kennt, ist dies nicht mehr zu verwundern, in den Ställen, in welche die frisch verwundeten Tiere gesetzt wurden, waren zuvor schon wiederholt tuberkulöse Tiere gehalten worden, die neuen Versuchstiere hatten sich also hier ihre frischen Wunden infiziert.) Es gelang aber Cohnheim doch, in Vereinigung mit Salomonsen, durch Impfung in die vordere Augenkammer von Kaninchen zu beweisen, daß den tuberkulösen Geweben ein Gift innewohnen müsse, welches wiederum T. erzeugen könne, aber, wie die Gegner sagten, nur bei disponierten, skrofulösen Tieren. Und Cohnheim selbst schließt in seiner 1877 erschienenen allgemeinen Pathologie die betreffenden Erörterungen mit den Worten: »So sind wir denn nach wie vor darauf angewiesen, uns aus der Geschichte der menschlichen T. selbst die Entscheidung darüber abzuleiten, ob sie eine reguläre Infektionskrankheit oder das Produkt einer Konstitutionsanomalie des Individuums ist. Gern aber gestehe ich zu, daß ein sicherer Beweis weder für das eine noch für das andre bis jetzt beigebracht ist. Kennten wir nur die Natur, sozusagen die Gattung des etwanigen tuberkulösen Giftes, so würden wir sichere Anhaltspunkte für die Entscheidung haben.« So stand die Tuberkulosefrage, als R. Koch 1882 seine ersten Mitteilungen über die Ursache der T. machte. Zuerst gelang es Koch, vermittelst einer sehr komplizierten Färbemethode in den Organen künstlich durch Impfung tuberkulös gemachter Tiere eigentümliche Bacillen nachzuweisen. Als er diese Bacillen in sogen. Gewebsausstrichen und -Schnitten gefunden hatte, ging er an den Nachweis derselben in den verschiedenartigsten, tuberkulös erkrankten Organen sowie im Lungenauswurf der Schwindsüchtigen. Überall, in den phthisischen Lungen, in skrofulösen Drüsen, in den chronischen Knochen- und Gelenkentzündungen, bei der sogen. akuten Miliartuberkulose und beim Lupus (s. d., Bd. 10), fanden sich dieselben Stäbchen. Damit war aber noch nicht ausgesprochen, daß diese Stäbchen die Erreger der Krankheit sein müßten. Dieser Beweis wurde geliefert durch die Reinzüchtung der Stäbchen und die künstliche Erzeugung der T. mittels dieser Reinkulturen, d. h. mittels der von allen Bestandteilen des erkrankten Organs, von dem sie stammten, befreiten Bakterien. Nach manchem vergeblichen Versuch fand Koch die diesen Bakterien zusagenden Lebensbedingungen: auf im Brutschrank bei Körpertemperatur gehaltenem erstarrten Blutserum wurden nach 14tägiger Wachstumsdauer die gesuchten Reinkulturen erhalten, und mittels dieser konnte Koch, einerlei, ob sie aus einer schwindsüchtigen Lunge oder einer skrofulösen Drüse, aus einem kranken Organ eines perlsüchtigen Rindes oder aus dem Hautlupus eines Menschen stammten, stets mit derselben unfehlbaren Sicherheit bei Versuchstieren T. erzeugen; damit war die Kette der Beweisführung, daß diese Bacillen die Ursache jeglicher Art von T. bilden, geschlossen. Bezüglich des Nähern über die Tuberkelbacillen vgl. den Art. Bakterien, Bd. 2, sowie die zugehörige Tafel, Fig. 4. Das neu Gefundene für die Behandlung der T. verwertbar zu machen, war schon von seiner Entdeckung ab Kochs Bestreben gewesen, aber alle diesbezüglichen Versuche schlugen fehl. Man glaubte damals noch, man könne gegen pathogene Bakterien im Körper unmittelbar, gleichsam desinfizierend vorgehen, doch bestätigten sich diese Hoffnungen nicht, schon aus dem einen Grunde, weil die Tuberkelbacillen sich in hohem Maße widerstandsfähig gegen desinfizierende Substanzen erwiesen. So legte denn Koch, stets aufs Praktische losgehend, schon in seiner Mitteilung 1882 den Hauptwert auf die hygienisch-vorbeugende Bedeutung seiner Entdeckung und wies schon damals nachdrücklich auf die Gefahren hin, welche die nachlässige und unreinliche Behandlung des Lungenauswurfs von seiten