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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Afrika

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Afrika (Kolonisierung; Forschungsreisen)

(sichtlich am Erröten, Anschwellen der Adern etc.), die niederschlagenden Affekte von den gegenteiligen organischen Äußerungen (matten Bewegungen, Erschlaffung der Muskeln, Erblassen) begleitet zu sein. Vgl. Domrich, Die psychischen Zustände (Jena 1849).

Afrika (hierzu Karte). Die Aufteilung des Erdteils unter die europäischen Mächte hat in den letzten Jahren rasche Fortschritte gemacht, wenngleich die Besitzergreifung großer Gebiete in den meisten Fällen nur auf dem Papier steht und allein darauf gerichtet ist, die betreffenden Ländereien den interessierten Staaten gegen Unternehmungen von andrer Seite zu sichern. Von diesem Gesichtspunkt sind die Abmachungen zwischen England und Frankreich zur Abgrenzung der beiderseitigen Interessensphären im S. bis zum Tsadsee hin, so die zwischen Deutschland und England hinsichtlich der Grenzen in den beiderseitigen Besitzungen am Golf von Guinea und in Ostafrika, so endlich die Abmachungen zwischen Portugal und England nach langen Streitigkeiten über den Besitz dieser beiden Staaten in Südafrika zu betrachten. Was Deutschland anlangt, so trat es an der Ostküste Afrikas das Witugebiet nebst der daran nördlich anstoßenden Küste bis zur Südgrenze des dem Sultan von Sansibar gehörigen Kismaju sowie einen großen Teil des von ihm in seine Interessensphäre einbezogenen südwestafrikanischen Gebiets an England ab, erweiterte dagegen durch Forschungsreisen und Anlage von Stationen sein Hinterland von Kamerun und dem Togogebiet. Das Areal dieser beiden Kolonien läßt sich wegen Unbestimmtheit der Nord- und Ostgrenze noch nicht genau bestimmen, Deutsch-Ostafrika wird auf 964,000 qkm, Deutsch-Südwestafrika auf 810,000 qkm berechnet. Während Deutschland seine Ansprüche zu gunsten Englands sehr bedeutend beschränkte, erweiterte letzteres seine Interessensphäre um nahezu das Vierfache. Die Ost- und Westgrenze der Goldküstenkolonie wurden tief ins Land hinein verlängert, das Nigergebiet weit den Strom hinauf und bis zum Westufer des Tsadsee hin erweitert, im S. auf Kosten Portugals ausgedehnte Besitzergreifungen vorgenommen, von der ostafrikanischen Küste aus das ganze weite Gebiet an der Nordgrenze Deutsch-Ostafrikas bis zum Dschubbfluß und nach W. zu über den Victoria Nyanza und den Albertsee hinaus bis zur Ostgrenze des Kongostaats als britische Interessensphäre erklärt und, um eine Verbindung dieses großen Gebiets mit dem von England festgehaltenen Ägypten in der Zukunft zu ermöglichen, die Ostgrenze der italienischen Interessensphäre in Ostafrika so vereinbart, daß die italienische Grenzlinie jetzt den größten Teil der Gallaländer sowie Abessinien umschließt. Aber noch gewaltiger als England hat Frankreich seinen afrikanischen Kolonialbesitz vergrößert. Nicht nur durch erfolgreiche militärische Unternehmungen, auch durch Aussendung mehrerer Forschungsexpeditionen und infolge dessen geschehene Protektoratsabschlüsse gewann es die gesamten Hinterländer Liberias sowie die der englischen und portugiesischen Besitzungen in Nordwestafrika; es verband auch seinen Besitz am Niger mit dem an der Elfenbeinküste, dort einen bislang herrenlosen Küstenstreifen für sich reklamierend, und erweiterte seine Interessensphäre ostwärts über den Niger bis zum Tsadsee, ja es machte sogar den allerdings mißlungenen Versuch, seine Ansprüche auf die Ufer dieses Sees durch eine dorthin vom Kongo gezogene Linie zu verbinden und so eine Ausdehnung unsers Kamerungebiets über den 15.° östl. L. v. Gr. zu verhindern. Auch wies es die Ansprüche, welche Spanien auf die Küste zwischen Corisco und Kap Campo erhob, zurück, wiewohl Deutschland gerade auf Geltendmachung solcher Ansprüche seitens Spaniens von der Besitzergreifung dieses Küstenstrichs Abstand genommen hatte. Wie außerordentlich der europäische Kolonialbesitz in A. seit der internationalen Konferenz in Brüssel 1876 durch ausgedehnte Besitzergreifungen sich erweitert hat, zeigt folgende Aufstellung. Es besaßen oder beanspruchten:

1876 1890

Frankreich 733479 5956914 QKilom.

Großbritannien 761381 4170474 "

Deutsches Reich – 2720000 "

König der Belgier – 2491000 "

Portugal 1799364 2264945 "

Türkei 1000000 1000000 "

Italien – 935000 "

Spanien 9480 519280 "

Zusammen: 4303704 20057613 QKilom.

Da nun die Größe Afrikas auf 29,826,922 qkm berechnet wird, so bleiben nur noch 9,769,309 qkm übrig, wovon der bei weitem größte Teil auf die über 6 Mill. qkm große Sahara entfällt. Weiteres s. in folgenden Artikeln: Deutsch-Ostafrika, Deutsch-Südwestafrika, Kolonien und Mission. Den gegenwärtigen Stand unsrer Kenntnis von A. veranschaulicht beifolgende Karte.

Forschungsreisen in Afrika.

Nordafrika.

Auf Grund seiner Januar bis März 1890 ausgeführten 2500 km umfassenden Reisen in der schwer zugänglichen Dünenregion El Erg oder Areg zwischen dem Wadi Mia im W. und dem Wadi Igharghar im O. bis zum Plateau von Tademait im S., welches von einer Höhe von fast 400 m schroff abfällt, hat Foureau eine Karte konstruiert, welche wegen der sorgfältigen Berücksichtigung der Terrainverhältnisse sowie der vorhandenen Brunnen und Wasseransammlungen von besonderm Wert für die Richtung der geplanten transsaharischen Eisenbahn ist. Der französische Archäolog Carton erforschte 1891 die alte Römerstraße von Karthago nach Theneste und fand bei Tibursuk sehr bedeutende Überreste von Tempeln, Theatern, Aquädukten, Skulpturen und zahlreichen Inschriften.

Westafrika.

Um die Grenze zwischen der englischen Kolonie Gambia und den französischen Besitzungen auf Grund des Übereinkommens vom 10. Aug. 1889 genau festzulegen, trat 27. Nov. 1890 eine franzosischenglische Kommission zusammen, welche 4. Juni 1891 ihre Arbeiten beendete, nachdem sie das ganze, bisher wenig bekannte Gebiet längs des Süd- wie auch des Nordufers aufnahm. Die auf dieser Aufnahme beruhende Abgrenzung der beiderseitigen Gebiete zerschneidet leider in willkürlichster Weise die einem Häuptling untergebenen Landschaften, in Zukunft vielleicht die Quelle mancher Konflikte. Wie am Gambia, so soll eine französisch-englische Kommission auch die Grenze zwischen der französischen Kolonie Rivières du Sud und der englischen Kolonie Sierra Leone bestimmen. Diese Kommission hat 15. Dez. 1891 ihre Arbeiten an der Mündung des Scarcies begonnen. Auch an der Goldküste soll die Grenzregelung stattfinden, wozu von französischer Seite Binger (s. d.) bestimmt ist. Die Arbeiten sollen in Rugua beginnen und dann zum Volta gehen. An die bereits im Jahressupplement 1890/91 (S. 334) genannten Expeditionen