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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Alpenpflanzen

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Alpen - Alpenpflanzen

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Alpen'

die man am besten die Grenze zwischen West- und Ostalpen verlegt. Diese verläuft demnach als eine fast gerade Linie vom Bodensee durch das Rheinthal, über den Splügenpaß zum Comersee und über den Luganer See zum Lago Maggiore. Entsprechend dem scharfen Unterschied, der in physiognomischer und geologischer Hinsicht zwischen der kristallinischen Zentralzone und den diese auf beiden Seiten begleitenden Kalkgebirgen besteht, teilt man die Ostalpen in Gneisalpen und Nördliche und Südliche Kalkalpen. Die Grenze zwischen den einzelnen Zügen ist im N. viel einfacher und deutlicher als im S. Da die A. durch einen von S. nach N. gerichteten Druck in Falten gelegt sind, der Steilabfall der Gebirgsglieder also immer nach S. gerichtet ist, so kehren die Nördlichen Kalkalpen der Zentralzone ihren Steilrand zu, der vom Rhein bis Wiener-Neustadt sich ununterbrochen verfolgen läßt. Zwischen die Nördlichen Kalkalpen und die Gneiszone schiebt sich ein verschieden breiter Streifen paläozoischer Schiefergesteine, so daß also die nördliche Grenze der Gneisalpen nicht mit der südlichen Grenze der Nördlichen Kalkalpen zusammenfällt. Im S. fehlt eine entsprechende Zone von Schiefern; eine besondere Stellung nimmt hier das Becken von Klagenfurt ein. Für die Einteilung der Ostalpen läßt sich folgendes Schema aufstellen:

A. Gneisalpen.

1) Rätische Alpen. Nördlicher Zug: a) Oberhalbsteiner Alpen; b) Silvretta-Alpen.

Mittlerer Zug: a) Bernina-Alpen; b) Spöl-Alpen; c) Ötzthaler Alpen.

Südlicher Zug: a) Adamello-Alpen; b) Ortler Alpen; c) Pensergebirge

2) Die Tauern: a) Hohe Tauern; b) Niedere Tauern.

3) Norische Alpen: a) Gurkthaler Alpen; b) Lavanthaler Alpen; c) Bacher- und Posruckgebirge.

4) Cetische Alpen: a) Floning-Zug; b) Gleinalpen-Zug; c) Fischbacher Alpen; d) Grazer Bucht.

B. Schieferalpen.

1) Plessur-Alpen. 2) Salzburger Schieferalpen. 3) Eisenerzer Alpen.

C. Nördliche Kalkalpen.

l) Algäuer Alpen: a) Rätikon; b) Lechthaler Alpen; c) Bregenzer Wald.

2) Nordtiroler Kalkalpen. Hochgebirgszug: a) Wettersteingruppe; b) Karwendelgruppe; c) Brandenberger Gruppe; d) Kaisergebirge. - Voralpenzug: a) Vilser Gebirge; b)Ammergauer Alpen; c) Altbayrische Alpen.

3) Salzburger Kalkalpen. Hochgebirgszug: a) Waidringer Alpen; b) Berchtesgadener Alpen; e) Ausseer Alpen. Voralpenzug: a) Wolfganger Alpen; b) Grünauer Alpen; c) Oberösterreichischer Seehügel.

4) Österreich. Alpen. Hochalpenzug: a) Ennsthaler Alpen; b) Hochschwab-; c) Schneeberg-Gruppe; d) Lassing Alpen. Voralpenzug: a) Mollner Alpen; b) Höllensteiner Alpen; c) Thermen-Gruppe; d) Wiener Wald.

D. Südliche Kalkalpen.

1) Lombardische Alpen. a) Luganer Alpen; b) Vergamasker Alpen.

2) Etschbucht-Gebirge. a) Brescianer Alpen; b) Brenta-Gruppe; c) Monte Baldo; d) Sarca-Gruppe; e) Nonsberger Alpen; f) Vicentinische Alpen.

3) Südtirolisches Hochland. a) Cima d'Asta-Gruppe; b) Porphyrplateau von Bozen; c) Pfannhorn-Gruppe; d) Südtiroler Dolomite.

4) Venetianer Alpen. a) Belluneser Hochalpen; b) Becken von Belluno; c) Belluneser Hügel; d) Premaggiore-Gruppe; e) Sappada-Gruppe.

5) Karnische Alpen. a) Gailthaler Alpen; b)Karnische Hauptkette; c) Karawanken.

6) Julische Alpen. a) Raibler Alpen; b) Steiner Alpen; c) Maggiore-Gruppe.

E. Becken von Klagenfurt.

Vgl. A. Böhm, Einteilung der Ostalpen (»Geographische Abhandlungen«, hrsg. von A. Penck, Bd. 1, Wien 1887).

Alpenpflanzen (hierzu Tafel »Alpenpflanzen« in Farbendruck), die oberhalb der Baumgrenze in dem zentraleuropäischen Hochgebirge verbreiteten Gewächse, deren Physiognomie wesentlich durch ihre Lebensbedingungen bestimmt wird. Ihre Vegetationszeit wird durch die lange Frostperiode auf 3-4 Monate beschränkt und beginnt in günstigen Lagen Ende Mai, in den ungünstigsten erst Ende Juli; die Entwickelung der Pflanzen schreitet sehr rasch vorwärts, da der Einfluß der Insolation sich im Hochgebirge viel stärker geltend macht als in der Ebene. Vor der Pflanzenwelt des hohen Nordens zeichnet sich die der Alpen durch reichlichere Entwickelung zusammenhängender und ausgedehnter Grasmatten, durch üppigern Reichtum bunter Blumenteppiche und durch größere Mannigfaltigkeit der floristischen Bestandteile aus. Der Gefahr des Erfrierens, der die A. auch im Sommer durch die nicht seltenen Nachtfröste und Schneefälle ausgesetzt sind, begegnen sie durch Verkürzung der Stengelglieder und durch polsterförmig gedrängten Wuchs, der sie zugleich gegen die Belastung mit Schnee schützt. Letzterer hält viele zartlaubige Gewächse vom Hochgebirge fern; nur einzelne steifblätterige Stauden, wie Eisenhut, Germer (Veratrum) und hochwüchsige Enziane (Gentiana lutea u. a.), wagen sich aus dem Bergwald auf die Alpentrift hinaus. Vor den Polargegenden hat der Boden des Hochgebirges Erwärmung bis zu größerer Tiefe voraus, und die unterirdischen Teile der A. können daher beträchtlichere Dimensionen annehmen. Die Mehrzahl der Hochgebirgspflanzen besteht aus perennierenden Gewächsen, nur etwa 4 Proz. sind einjährige Kräuter; dies ist auch insofern von Bedeutung, als bei der kurzen Vegetationszelt die Samenreife nicht immer erreicht wird. Allerdings beginnt das Aufblühen vieler A. sehr zeitig, indem sie ihre Blütentriebe, schon im Vorjahr anlegen und dieselben vor der Entwickelung neuer Laubblätter sofort nach dem Abschmelzen des Schnees emporschicken. Die Blüten pflegen auch dem Laien durch ihre unverhältnismäßige Größe aufzufallen und erreichen bisweilen (z. B. bei Gentiana acaulis. s. Tafel) eine Länge, die mehr als die Hälfte der Einzelpflanze beträgt; jedoch wird in andern Fällen jener Eindruck mehr durch die Verkürzung und Zwergbildung der Stengelteile als durch Vergrößerung der Blumenkronen hervorgerufen; auch hat eine ganze Reihe alpenbewohnender Pflanzen, wie Nigritella angustifolia (s. Tafel), Orchis ustulata, Chamaeorchis alpina, Oxytropis lapponica u. a., entschieden kleinere Blüten als ihre Verwandten in der Ebene. Die Farbe der Alpenblumen erscheint dunkler und intensiver als die der Flachlandgewächse; das Dunkelblau der Enziane (s. Tafel), die Purpurfarbe der Blütenteppiche von Saxifraga oppositifolia, (s. Tafel), die goldgelben Sterne von Draba aizoides, das tiefe Violett von Viola calcarata (s. Tafel) u. a. pflegen auf jeden Alpenbesucher den Eindruck unvergleichlicher Pracht zu machen, doch wird letzterer mehr durch dichten Wuchs der Blumen als durch ihre Buntfärbung bedingt. Am meisten übertreffen die A. die Gewächse des Tieflandes durch Geruch und Honigreichtum der Blumen, den beiden wichtigsten Mitteln zur Anlockung blumenbesuchender Insekten, unter denen die Schmetterlinge in der Hochalpenwelt zu ausfallender Geltung kommen. Als Charakterpflanzen der alpinen Strauchregion erscheinen zunächst die Legföhren oder Krummholzfichten (verschiedene Formen von Pinus montana), die mit ihren dicht dem Boden sich

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 18.