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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Bergbahnen (Zahnradbahnen)

Zahnstrecken eingeführt, ebenso bei den Grubenbahnen von Wasseralfingen in Württemberg (1876) und Friedrichsegen bei Oberlahnstein (1880).

^[Abb.: Fig.4. Abts zweiteilige Zahnstange.]

a Ansicht mit Eingriff des Zahnrades. - b Querschnitt mit Befestigung auf eiserner Querschwelle.

Eine wesentliche Verbesserung erfuhr die Anordnung durch Roman Abts zwei- und dreiteilige Zahnstange. Dieselbe besteht aus zwei (Fig. 4a u. b) oder aus drei (Fig. 5a u. b) Flacheisen, welche mittels eiserner Stühle mitten zwischen den Schienen auf den eisernen Querschwellen befestigt sind, und deren jedes eine (durch Ausfräsen hergestellte) Zahnstange bildet. Die Zähne der einzelnen Flacheisen liegen jedoch nicht nebeneinander, sondern sind in der Längsrichtung um die Hälfte, bez. ein Drittel der Zahnteilung gegeneinander verschoben. Die einzelnen Flacheisen sind aus bestem Thomas-Flußeisen hergestellt und mit Zwischenräumen derart befestigt, daß sie leicht von Schnee und Schmutz zu säubern sind. Die Zahnräder der Lokomotive bestehen der Breite nach aus zwei, bez. drei nebeneinander gelegten Zahnscheiben, jede etwa doppelt so dick wie die entsprechenden Flacheisen, in welche sie eingreifen. Somit sind auch die Zähne der Räder um ebensoviel gegeneinander versetzt wie diejenigen der Zahnstange. Hierdurch ist erreicht, daß die einzelnen Zähne in ganz kurzen Zwischenräumen nacheinander eingreifen und daß stets mehrere Zähne gleichzeitig an der Druckübertragung teilnehmen, daß mithin die Bewegung eine ganz sanfte und stoßfreie wird, zumal da die einzelnen Zahnscheiben eines Triebrades eine ganz kleine federnde Bewegung gegeneinander gestatten, um etwaige Ungenauigkeiten der Zahnteilung auszugleichen. Zudem gibt Abt seinen Lokomotiven stets zwei (oder mehr) Zahntriebräder, deren Zahnstellung gegeneinander wiederum versetzt ist. Fig. 4 zeigt eine solche zweiteilige Zahnstange und zwar Fig. 4 a die Längenansicht mit Eingriff des Zahnrades, Fig. 4 b den Querschnitt der Zahnstange mit einer Befestigungsart, wie sie bei Seilbahnen (s. unten) vorkommt, um in der Mitte Platz für einen am Wagen befestigten, champignonförmigen Anker zu lassen, der mit seinem Kopfe unter die Zahnstange greift, um ein Abheben des Wagens sicher zu verhindern. Fig. 5 a, und b zeigt eine dreiteilige Zahnstange in Ansicht und Querschnitt, wie sie auf der Bahn Blankenburg-Tanne zur Verwendung gelangt ist. Hierbei beträgt die Zahnteilung 120 mm, es erfolgt also bei jedem Zahntriebrad nach je 40 mm, im ganzen bei zwei Triebrädern nach je 20 mm ein Eingriff. Diese Anordnung hat in den letzten Jahren ausgedehnte Anwendung innerhalb und außerhalb Europas gefunden, namentlich in Verbindung mit dem erwähnten, ebenfalls vorwiegend durch Abt ausgebildeten System gemischten Betriebes, so außer dem genannten Beispiel von Blankenburg-Tanne (s. oben) unter anderm: Lehesten-Örtelsbruch in Thüringen (1885); Visp-Zermatt in der Schweiz (1891; 35 km, davon 7,15 km in 6 Zahnstrecken, 125 pro Mille); Eisenerz-Vordernberg in Steiermark (1891); sodann mehrere Linien in Venezuela und die im Bau befindliche Überschienung des Uspallatapasses in den Anden zwischen Argentinien und Chile. Als Beispiele reiner Zahnradbahnen Abtschen Systems mögen genannt werden: Monte Generoso am Luganersee (1890) mit 1368 m Hebung und 220 pro Mille Steigung; Brienzer Rothorn (1892) mit 1682 m und 250 pro Mille, beide mit 80 cm Spurweite; Pike's Peak in Nordamerika (1890) mit 2316 m und 76-250 pro Mille, Gipfelpunkt 4328 m ü. M.

^[Abb.: Fig. 5. Abts dreiteilige Zahnstange.]

a Ansicht mit Befestigung auf eiserner Querschwelle. - d Querschnitt; desgl.

Eine andre Anordnung des Zahneingriffes, ebenfalls in senkrechter Richtung, also mit wagerechter Achse des Zahnrades, welche auch gegenüber derjenigen von Riggenbach ein stetiges und sanfteres Einfassen der Zähne anstrebte, ist von Wetli 1876 bei der Bahn von Wädenswyl nach Einsiedeln in der Schweiz zur Ausführung gebracht. Dabei waren die Zähne zu beiden Seiten der Mittellinie des Geleises in schräger Richtung (also nach der Mitte hin keilförmig zusammenlaufend) angebracht, und die Zahntrommel der Lokomotive enthielt die entsprechenden, spiralförmig erscheinenden Zahngänge. Infolge eines bei den Probefahrten eingetretenen schweren Unglücksfalles ist dieses System, vielleicht mit Unrecht, ganz aufgegeben worden, und die genannte Bahn wird nach entsprechendem Umbau seitdem, obwohl mit 50 pro Mille Steigung, als einfache Adhäsionsbahn mit gutem Erfolg betrieben.

^[Abb.: Fig. 6. Wagerechte Verzahnung.]

Eingriff mit wagerechter Verzahnung, also senkrechter Achse der Zahnräder, und zwar beiderseits der Zahnstange (Fig. 6), somit eine weitere Ausbildung der Fellschen Klemmräder (s. oben) durch Anwendung der Verzahnung statt der einfachen Reibung ist zuerst, soweit bekannt, bei einer von Agudio mit indirektem Seilbetrieb (s. unten) ausgestatteten, 2,3 km langen Versuchsstrecke bei Lang le Bourg am Mont