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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Bienenzucht - Bier
nenköpfen mittels Glycerin und Filtrieren gewonnen, Rohrzucker in Traubenzucker, Stärke in Zucker Zu verwandeln und sogar frisch dargestellten Blutfaserstoff zu Pepton zu verdauen.
Der Brutdeckel, mit welchem die Zelle der Larve geschlossen wird, wenn sich diese einspinnt, zeigt, unter dem Mikroskop gesehen, ein körniges Gefüge mit Wachs als Bindesubstanz und enthält ganze und geplatzte Pollenkörner von verschiedenen Pflanzen; eine chemische Analyse ergab auf 100 Gewichtsteile ^ lufttrockner Brutdeckel 57,«o Proz. Wachs, 40,2? Proz. in kochendem Äther unlösliche Teile und 2,i2 Proz.
Wasser. Das Schicksal der Vrutdeckel nach dem Ausschlüpfen der jungen B. ist noch nicht ganz sicher festgestellt; vielleicht werden sie wieder von den Arbeitern verwendet, die vom Wachs und den ganzen Pollen Gebrauch machen und die Pollenhüllen als Exkremente von sich geben. Der Vrutdeckel ist porös genug, um der für den Atmungsprozeß der Nymphe nötigen Luft den Durchtritt zu gestatten, während der über die Honigzellen gezogene sehr feine Wachsdeckel absolut hermetisch schließt. Das Wachs ist bei den Brutdeckeln und Honigzellendeckeln das gleiche.
Was die Entstehung des Wachses betrifft, so ist der tzauptfaktor bei Zubereitung der feinen Wachsblä'ttchen seitens der Arbeitsbienen der Honig; es findet sich jedoch das Wachs nicht fertig in demselben, sondern es entsteht durch Umjetzung des Zuckers; außer dem Honig kommt gleichzeitig zur Wabenbildung Pflanzenpollen in Form von Vienenbrot zur Verwendung, und den verschieden gefärbten Pollen der verschiedenen Pflanzen verdankt das Wachs seine verschiedene Färbung, während der Honig keine abscheidbaren Farbstoffe enthält. Je nach der Widerstandsfähigkeit des Pollenfarbstoffes den Einwirkungen der Atmosphäre und dem Licht gegenüber wird das Wachs an der Luft mehr oder weniger stark und rasch entfärbt. Die Abscheidung des Wachses, welches bekanntlich an den vier letzten Vauchringen hervortritt, erfolgt nach Untersuchungen von Carlet nicht durch die Kutikularschicht der Bauchringe, auch nicht, wie bisher angenommen, durch intraabdominale Drüsen, sondern durch Zellen einerepithelialen Membran, welche Carlet die Wa chshaut nennt. Diese Membran liegtzwischen zwei Blättchen, deren äußeres eine Kutikularschicht ist, während das innere die innere Bekleidung des vorderseitigen Teiles des Vauchringes darstellt. Die Wachssubstanz dringt, wie der Beobachter experimentell nachgewiesen hat, durch die Kutikularschicht, um sich an der äußern Seite dieser Schicht anzuhäufen, wo sie eine durch den vorhergehenden Bauchring bedeckte Lamelle bildet.
Bezüglich des Einsam melas der B. ist die Frage, ob jede B. beim Pollensammeln nur eine Blumenspezies besucht oder mehrere, durch mikroskopische Untersuchung der sogen. Höschen dahin gelöst worden, daß die Bienen jeweilen nur an einer Blumenspezies sammeln, indem sich die Höschen stets fast völlig aus Pollen einer und derselben Pflanze zusammengesetzt zeigen. Wahrscheinlich verfährt die B. ebenso bei der Sammlung des zur Honigbereitung dienenden Nektars, so daß man in der Praxis mit Recht nach den verschiedenen Pflanzen verschiedenen Honig unterscheidet, z. V. Esparsette-, Akazien-, Vuchweizenhonig u. a. Die geringe Menge von Ameisensäure, die sich im Honig der B. findet, wird von den Arbeitern jeder Zelle vor dem Deckeln derselben aus der Giftdrüse zugesetzt und oient als Antiseptikum, indem sie eine Gärung des Honigs verhindert. Im Gegensatze Zu den Höschen stellt sich das
ebenfalls aus Pollen bestehende Vienenbrot als gemischte Pollenmasse dar. Da die Bienenbrotzellen in der Weise durch die mit der Hausarbeit beschäftigten Bienen eingefüllt werden, daß sie das Material der mit Höschen beladenen Flugbienen von neuem mit Honig und Speichel befeuchten und mit dem Kopfe fest in die Zellen einstampfen, läßt sich der Polleninhalt oft schon schichtenweise an der wechselnden Farbe erkennen.
Bienenzucht. Bei der Schwär mbienenzucht handelt es sich vorzugsweise um Gewinnung von volkreichen Schwärmen. Als Anhaltspunkt zur Beurteilung des Volksreichtums dient dem praktischen Bienenzüchter das Gewicht der Schwärme, da 10,000 Bienen rund 1 k^ wiegen. Mittlere Vorschwärme wiegen durchschnittlich 2K«-, die stärksten dagegen 3,4, die schwächsten 1,? 1^-. Mittlere Nachschwärme haben ein Durchschnittsgewicht von 1,5 k^, die stärksten von 2,5, die schwächsten von 1 k^. Schwärme, die nicht mindestens 1 k^ haben, sind, besonders wenn sie spät im Sonnner erscheinen, nicht aufzustellen, sondern zweckmäßiger miteinander oder mit schwächern Völkern zu vereinigen. Vgl. v. Berlepsch, Bienenzucht (3. Aufl., bearbeitet von W.Vogel, Berl. 1891). Ein Beispiel des Nutzens rationeller B. ist Frankreich zu liefern im stände. Die Zahl der im I. 1890 in Frankreich vorhandenen Bienenkörbe wird auf etwa 165,000 angegeben, die etwas über 7 Mill. k^ Honig und 2 Mill. l^ Wachs lieferten im Gesamtwert von 14,5 Mill. Frank. Die größte Zahl von Bienenkörben entfällt auf die Departements Ille-et-Vilaine mit 80,000, Finistere mit 63,000, Eötes du Nord mit 75,000 und Eure mit 8000.
Bier. Über die Lebensdauer und die Todesursachen im Brauereigewerbe hat Sendtner eine Studie veröffentlicht, welche die Verhältnisse in München behandelt. Der jährliche Vieruerbrauch für den Kopf beträgt in Deutschland 86 Lit., in Bayern 285 L. und in München 565 L. (1889). Die im Viergewerbe Beschäftigten trinken in München weitaus am meisten, und ein an den Folgen der Trunksucht Ertränkter gab an, er habe täglich etwa 20 L. getrunken. Der Alkohol verschont in seiner verderblichen Wirkung fast kein Organ des Körpers, aber erst in neuester Zeit hat man dem Einfluß übermäßigen Viergenusses auf die Entstehung von Herzkrankheiten größere Beachtung geschenkt. Bollinger hat auch auf die auffallende Verbreitung der Herzkrankheiten in München hingewiesen und sie in unmittelbare Beziehung zu dem übermäßigen Biergenuß gebracht. Wie nun Sendtner nachweist, kommt diese gegenseitige Abhängigkeit beider Faktoren in den Sterblichkeitsverhältnissen derjenigen Gewerbe zum klarsten Ausdruck, welche dem übermäßigen Biergenuß huldigen. Aus den Sterberegistern der letzten 30 Jahre ergab sich, daß die Sterblichkeit der Münchener Gesamtbevölkerung ihr Maximum bei den Männern im Alter von 50-70 Jahren, bei den Frauen von 70-80 Jahren erreicht, dagegen bei den Vierwirten zwischen 40 und 50 Jahren, bei den Brauern zwischen 30 und 40 und bei den Kellnerinnen zwischen 20 und 30 Jahren. Unter den Todesursachen spielen in erster Neihe die Herzkrankheiten eine Rolle, Daneben aber fordern die akuten Infektionskrankheiten unter den gewohnheitsmäßigen Trinkern weit mehr Opfer als unter der übrigen Bevölkerung. Am bekanntesten ist der schlimme Ausgang der Lungenentzündung bei Säufern. Der unglückliche Ausgang der Infektionskrankheiten mit ihren schweren allgemeinen Krankheitserscheinungen, die der Ausdruck