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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Blütenbestäubung (neue blütenbiologische Forschungen)
Mechanismus von 8a1via u. a., sich mit anatomischen und physiologischen Thatsachen in Zusammenhang bringen und durch dieselben näher erläutern lassen Allerdings wurden derartige Fragen auch schon früher, z. V. von Delpino, Hildebrand u. a., gestreift, jedoch hielt sich die Mehrzahl der Beobachter ausschließlich an die rein biologische Untersuchung, welche nur den gröbern, mit der Art der Bestäubung in Zusammenhang stehenden Aufbau einer Blüte, abgesehen von den histologischen und physikalischen Eigenschaften ihrer Gewebe, ins Auge faßt. Correus niachte dagegen die Mechanik der bei den Bestäubungseinrichtungen in Funktion tretenden Zellen zur Hauptaufgabe seiner Studien. An ^.listolocliig. ^leinktitis und andern Arten dieser Gattung untersuchte er besondn^dtn Bau der schon von Hildebrand kurz beschriebenen Neusenhaare näher, deren Aufgabe darin besteht, den die Blume besuchenden Insekten zwar den Eintritt in dieselbe zu gewähren, darauf ihnen aber den Austritt zeitweilig bis nach erfolgter Belegung der Narbe mit Blutenstaub unmöglich zu machen. Es ließ sich in der That eine sehr sinnreiche, die Sperrung der Blütenröhre sichernde Arretiervorrichtung und ein hoher, nur während der Zeit des ersten Blütenstadiums andauernder Grad von Zellturgor an den Reusenhaaren nachweisen; letztere Eigenschaft ist notwendig, wenn im zweiten Blütenstadium ein Verschrumpfen der Haare eintreten und damit den gefangenen Insekten der Austritt ermöglicht werden soll. Eine etwaige Versteifung der Zellwände durch Verdickungen wäre in diesem Fall ganz ungeeignet, da sie in der zweiten Periode nicht wieder rückgängig zu machen wäre; dagegen ist der hohe Zellturgor, der innerhalb der Gelenkzellen der Haare etwa 20 Atmosphären (nach plasmolytischer Methode bestimmt), in den Gliederzellen 12-15 Atmosphären beträgt, mehr als ausreichend, um die Haare für die Sperrung der Blütenröhre genügend fest zu machen und ein Einknicken ihrer Wand auf der Druckseite zu verhindern.
Im spätern Vlütenstadium verlieren die Haarzellen allmählich ihren Turgor, indem sie vom Blüteneingang nach innen zu absterben, wobei der Eintritt der Bestäubung ganz ohne Einfluß ist. Die Einwürfe Burcks, der in der Blüte von ^listoloclii^ nicht eine Einrichtung der Fremdbestäubung, sondern der Auto gamle (Selbstbestäubung) verwirklicht glaubt, wurde von Correus aus triftigen Gründen widerlegt. Noch bedeutsamer erscheint die Arbeit des letztern über den Hebelmechanismus an den Staubgefäßen der 8Hivik-Arten, da dieser vielfach beschriebene Apparat noch niemals vom mechanisch-physiologischen Standpunkte aus untersucht worden ist. Das bei einer Reihe von Arten, z. B. 8. pi-Nwii Zil, zwischen Staubfaden und Mittelhand (Konnektiv) vorhandene, die Bewegung vermittelnde Gelenk ist als Torsionsgelenk zu bezeichnen, dessen anatomischer Bau in überraschender Weise mit seiner Funktion übereinstimmt, indem die mechanisch wirksamen Kollenchymclemente des Organs an dessen Peripherie sich zusammendrängen. Bei einigen Arten von (^Iceolai'ili (wie 0. pinit Nik und 0. sc^dio ZÄelolia), die ebenfalls eine Art von beweglichen Hebelmechanismen für den Zweck der Pollenausstreuung besitzen, sind letztere dagegen einfache Scharniergelenke ohne mechanische
Zellen.
Eine zweite Richtung der Blütenbiologie, nämlich die vergleichende, welche nicht bei der Blüteneinrichtung der einzelnen Pflanzenart stehen bleibt, sondern jene an einer möglichst großen Zahl verwandter Arten und Gattungen verfolgt, wie dies vsr allem
durch Darwin, Delpino, Hildebrand und H. Müller in ausgedehnter Weise geschehen ist, wird durch die Arbeiten von Correus weiter ausgebaut. Die Gattung ^ristolooliia,, von welcher er siebell Arten untersuchte, zerfällt nach ihm in zwei biologische Gruppen, je nachdem in den Blüten Reusenhaare auftreten oder nicht; innerhalb der Gattung salvia. (von der elf Arten untersucht wurden) stehen sich zwei Reihen gegenüber, von denen die eine den Hebelapparat in der Reduktion, die andre ihn auf der Höhe der Entwickelung aufweist; die letztere Reihe besteht aus zwei Untergruppen, je nach der Funktion der verbreiterten Konnektivplatten, die als Drehungsmechanismen und außerdem als Saftdecken wirken können. Innerhalb der Gattung ^aloeolaiill, endlich tritt bezüglich des Bewegungsapparats eine in bestimmter Richtung fortentwickelte, blütenbiologische Vervollkommnungsreihe auf, die zur Vergleichung mit den systematischen Verwandtschaftsbeziehungen der Arten förmlich auffordert.
Mehrere Arbeiten von Loew über den Blütenbau einiger Schmetterlingsblumen, wie Ox M'opis und ^1)ic»8, sowie über die Bestäubungseinrichtung von lin MtieilZ Koz'iki suchen ebenfalls einen Zusammenhang zwischen der biologischen Funktion bestimmter Vlürenteile und ihrem anatomischen Bau nachzuweisen. An der Blüte von Ox M-opis sind die am meisten bei Auslösung des Bewegungsapparats in Anspruch genommenen Stellen auch diejenigen, welche am reichlichsten mit eigenartig gebauten, mechanisch wirksamen Oberhautzellen ausgestattet sind. Dagegen fehlen bei ^ios, an deren Blüten der gewöhnliche Bewegungsmechanismus der Schmetterlingsblüten in Wegfall gekommen ist, derartige mechanische Zellelemente ganz und werden durch andre, dem Honigschutz dienende Bildungen ersetzt. Bei Iiupi NikiiL kc»Mi finden sich an der Bauchseite der verwachsenden Staubgefäße eigentümliche Hautfortsätze, welche, ähnlich wie sonst die Narben, als Pollenfänger fungieren und dazu dienen, den von den Bestäubern herbeigeführten Blütenstaub über den eigentlichen, hier aber verwachsenen Narben festzuhalten. Auch wurde an derselben Pflanze eine ausschließlich autogame, offene Zwergblüte aufgefunden, die einen deutlichen libergang zu kleistogamer, d. h. die Befruchtung in geschlossener Blüte vollziehender, Form darbot. Zur Kenntnis der bereits von Errera behandelten biologischen und systematischen Beziehungen der durch ihre Bestäubungseinrichtungen besonders merkwürdigen Gattungen (Melone und ?6U8l6moii hat Loew ebenfalls einige Beiträge veröffentlicht und gleichzeitig eine Reihe weiterer Blumeneinrichtungen aus verschiedenen systematischen Gruppen beschrieben.
Eine durch Beobachtungen auf Java gestützte Kritik an dem Knight-Darwinschen Gesetz der »vermiedenen Selbstbefruchtung« hat Burch versucht. Bei der Ameisen beherbergenden N^rni Ocoäia, tulierosg.
(s. Ameisenpflanzen) fand er nämlich die kleinen, porzellanweißen, innen stark honighaltigen Blumen stets vollkommen geschlossen und trotzdem sehr fruchtbar, das erstbekannte Beispiel einer sich durch zahlreiche Generationen hindurch selbstbefruchtenden Pflanze mit geschlossenen und doch nicht im gewöhnlichen Sinn kleistogamen Blüten. Von letztern unterscheidet sich die Nvi'iueeoäi^-Blüte durch normale, nur an der Spitze verwachsene Blumenblätter sowie reichliche Honigabsonderung und ausgesprochene Proterogynie.Dieseraußeroroentlichinteressants Fall
kann, sofern er nicht bloß an kultivierten Wanzen