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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Cambridge (Universität: Ursprung, Stellung zum Staat, Lehrkörper, Verwaltung etc.)
alten Colleges, welche, von Grün umgeben und in sich abgeschlossen liegend, ein höchst charakteristisches, mittelalterlich-idyllisches Bild gewähren, wie man es ähnlich nur noch in Orford sehen kann.
Die beiden großen modernen Frauencolleges liegen nicht in C. selbst, aber auch das entferntere (611^011 0o1i6^6) nur etwa eine halbe Stunde außerhalb der Stadt. Besonders anziehend sind die hinter den größten Colleges sich am Cam entlang erstreckenden sogen. Vaek8, prachtvolle Gartenanlagen mit herrlichen Bäumen, weit ausgedehnten Spielplätzen der Studenten und besondern, auf das sorgfältigste gepflegten Gärten der Fellows.
Der Ursprung der Universität ist (wie bei Oxford)m sagenhaftes Dunkel gehüllt. Oxford ist möglicherweise etwas älter. Beide wurden ursprünglich nach dem Muster von Paris organisiert, und vor dem Anfang des 13. Jahrh, waren beide bereits anerkannte Sitze gelehrter Bildung. In C. entwickelte sich unter dem Einfluß der nahen Diözese Ely die Universität aus dem Unterricht, welcher seit mindestens dem 12. Jahrh, von Geistlichen in C. erteilt zu sein scheint.
Am geistigen Leben der Nation hat C. von jeher den lebhaftesten Anteil gehabt, und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrh, hat es noch einen besonders mächtigen Aufschwung genommen. Die Beseitigung der alten, größtenteils zur Zeit Elisabeths festgesetzten und in zahlreichen Punkten vollständig veralteten Verfassung und die Reform der Universität im Geiste der Neuzeit wurde durch die Untersuchungen und Beschlüsse zweier königlicher Kommissionen und thätige Unterstützung durch die besten Elemente der Universität bewerkstelligt. Die erste Kommission wurde 1850 eingesetzt, und die unmittelbare Folge ihrer Berichte waren die Statuten von 1858. Da sich jedoch die hier beschlosseilen Reformen als noch nicht ausreichend erwiesen, wurde 1872 eine neue Kommission eingesetzt, aus deren eingehenden Untersuchungen und Beratungen die IIuiv6r8iti68 ot Oxloni 3.11a O^mdriä^e Xc-t (1877) hervorging, welche 1882 von der Königin offiziell bestätigt wurde. Durch diese neuen Verfügungen sind mit der alten Universitäts- und Collegeverfassung eine Anzahl der wichtigsten und heilsamsten Veränderungen vorgenommen worden; vor allen Dingen ist zu erwähnen die Abschaffung des Monopols der englischen Hochkirche (Ndoliticm of rkli Aious tksts. 1871) auf die Ämter und Einkünfte der Universität und der Colleges sowie zahlreicher, von beiden abhängiger Stiftungen, welche jetzt auch fast alle von Dissenters errungen werden können; die Umgestaltung des ganzen Fellowshipwesens in zeitgemäßer Weise u. a.
Die Universität ist völlig autonom, sie erhält keine Staatsunterstützung, steht unter keinem Unterrichtsminister (den es überhaupt in England nicht gibt), verwaltet ihr eignes Vermögen selbständig und hat eine Anzahl alter Privilegien der Stadt gegenüber bewahrt (z. B. die Aufrechterhaltung der Disziplin und Sittenpolizei durch Proctors', die Überwachung der Häuser, in denen Studenten wohnen dürfen; das Verbot, gewisse Geschäfte zu besuchen ^lisoomitinniu^, welche der Verschwendung der Studenten Vorschub leisten, 2c.). Sie entsendet zwei Vertreter ins Parlament; sie ernennt alle ihre Beamten, Lehrer wie Verwaltungsbeamte, nach eignem Ermessen und stellt Lehrpläne, Prüfungsordnungen 2c. völlig selbständig auf. In ihrer modernsten Form steht die Universität da als eine Korporation aus den Doetoi'8 und H1^8t6i'8 der i^culties ot n.rt.8, I^v, ^)!i^8ie, äivinit^, jit6i'Htul6, 8016U06
und mu8ie, welche größtenteils die Verwaltungsbehörde, früher ^aput, jetzt 86nat6 genannt, bilden.
Mitglieder des Senats gibt es augenblicklich (1891) 6774, welche natürlich nur zum allergeringsten Teil in C. wohnen, vondenen aber bei besonders wichtigen Anlässen viele behufs Abgabe ihrer Stimme nach C.kommen. Die Gesamtzahl der Angehörigen der Universität, die jedoch größtenteils keine Stimme im Senat haben, ist augenblicklich 13,044 (im I. 1840: 5696; 1850: 7047). 'Die meisten in C. ansässigen Mitglieder des Senats, meist Universitäts- und Privatlehrer, auch ^6i1mv5 der Colleges, bilden einen engern Aus: schuß und haben, wenn sie gewisse Bedingungen erfüllen, ausgedehntere Rechte, besonders Wahlrechte.
Solcher Senatsmitglieder ((^rtläuat^ 011 tde Ni6</> toilii I5o11) gibt es augenblicklich etwas über 500. Aus ihnen bildet die Universität wieder Ausschüsse für die verschiedenen Lehr- und Verwaltungszwecke.
Die Vertreter der Universität im großen und ganzen und nach außen sind die folgenden: Derlülian-0611m', der Hi^ii sw^varä, der Vice - (^ii Äneeiioi', der I)6pM)' llinli 8t6^g.rä, von welchen allen mir der Vicn - (^ikiic Olioi- in der Universität ansässig ist und die laufenden Geschäfte als Vorsitzender der verschiedensten 8^iiäioat68 2c. leitet. Er ist stets der ^1^8t6i- eines College und führt sein Amt meist zwei Jahre lang. Die andern drei Ämter werden hervorragenden 'Adligen übertragen, welche aber nur höchst selten wichtige Amtsgeschäfte vornehmen. Sonstige Universitätsbeamte sind: ein Oonillii88Hr^, ein Il6^'i8ti'g,i'^ (Archivar), der?nd1io Oiatar (welcher bei feierlichen Gelegenheiten in lateinischer Sprache im Namen der Universität redet), der I<idi Äiiau, der (^0uii86i (Rechtsbeistand), zwei den Vioe-l Hkiickiioi' stets begleitende graduierte N8<Mi'6 Veä6ii8, welche auch darauf zu achten haben, daß die Geschäfte der Universität äußerlich in richtiger Weise vorgenommen werden. Unabhängig von der Universität, aber höchst wichtig in ihr sind die Vorstehers der 17 Colleges (der alte Name ist noch Ü6ll<i8 oli II011868). Der Lehrkörper setzt sich zusammen ausl 41 I7iiiv6i8ity I'i0t'6880i'8 (die älteste Professur besteht seit 1502, die jüngste seit 1889; 21 davon stammen aus unserm Jahrhundert), 6 N63.d6r8 und 33 Hniv6!8it^I^6Lturei8. Die beiden letztern Ämter, welche sich nur hinsichtlich der Höhe des Gehaltes unterscheiden, aber beide etwa den deutschen außerordentlichen Professoren (nicht den Privatdozenten) entsprechen, bestehen erst seit allerneuester Zeit (1884 und später). Somit besitzt die Universität augenblicklich 80 offizielle Dozenten. Dazu kommen noch viele (an die 50) ^6aoli6r8, 8up6liiit6iiä6iit8, (Xii'Äwi'8, D6iii0H8ti Ät0i'8, und ferner treten in den Colleges eine große Anzahl von (^oiis FL I.6omi6i8
den Iiliiv6l8it^ ?1'ot688O1'8, I^6Hä6r8 undl^60tui'61'8
zur Seite. Die innere Verwaltung und Disziplin der Universität ist in folgender Weise ge-I regelt: Alle Vorlagen, welche vor den Senat ge^ bracht und von diesem durch ein sogen, (^r^ek angenommen werden sollen, müssen zunächst von einem höchsten Ausschuß, dem<^0Uiici1, gebilligt sein. Dieser Rat besteht aus 16 von Zeit zu Zeit regelmäßig wechselnden Mitgliedern und dem Vic6-01i3.iio6i1tti'! als Vorsitzenden. Was vom Rat vorgeschlagen undi vom Senat gebilligt ist, wird Universitätsgesetz undz als solches im offiziellen »Hiiiv6r8it^ Nepoi'tei'^ veröffentlicht. Die Disziplin in ihren verschiedenenl Zweigen liegt in den Händen verschiedener Abordnungen, der 8kx Viri (für (ri'Häulit68, 0. h. solche, welche einen »Grad« ^ä6g'i'66^ errungen haben; Stu-