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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kunstausstellungen - Kunstdenkmäler in Deutschland
350 Nummern) kamen, die die Münchener Künstler dem Prinz-Regenten Luitpold zu seinem 70. Geburtstage gespendet hatten. Immerhin machte sich der Einfluß der Berliner Ausstellung insofern fühlbar, als die fremden Nationen nicht so viel eingesendet hatten, daß sie wie 1890 auch durch die Masse und durch geschlossenes Auftreten in zusammenhängenden Räumen wirken konnten. Aus dein Einfluß der Berliner Ausstellung erklärt sich aber nicht der Nmstand, daß die Franzosen sich noch schwächer beteiligt hatten, als im I. 1890, obwohl ihnen die Gelegenheit zu einer Demonstration gegen Berlin geboten war. Diese Mängel und bücken hatte die Leitung der Ausstellung dadurch auszugleichen versucht, daß sie eine Art von Ehrensaal einrichtete, worin Werke der hervorragendsten Maler verschiedener Nationen (Menzel, Meissonier, Böcklin, Lenbach, F. A. Kaulbach, W. Leibl u. a.) vereinigt waren, ohne daß jedoch etwas Neues damit geboten wurde, und daß sie anderseits mehrere Sammelausstellungen veranstaltete, die Werke verstorbener und lebender Künstler in gröbern und kleinern Reihen, je nachdem ^ie verfügbar waren, vorführten. Bei der in der Münchener Äusstellungsleitung herrschenden Richtung ist es natürlich, daß dabei vorzugsweise alle diejenigen Künstler berücksichtigt wurden, die von der allgemeinen Heerstraße abweichen oder durch irgend eine Absonderlichkeit auffallen, mag ihr künstlerisches Verdienst auch noch so gering sein. Die Naturalisten und Realisten stehen in erster Reihe: der französische Impressionist E. Manet, sein Münchener Nachahmer W. Trübner, die holländischen Landschaftsmaler Mauve und Artz, der belgische Tiermaler I. H. L. de Haas, Josef Israels, John R. Reid, Hans Thoma, der Schotte John Lauery aus der Glasgower Schule und der in Florenz lebende Bildhauer Adolf Hildebrand, der sich in seinen Porträtbüsten wie in den freien Schöpfungen ftiner Phantasie immer enger an die herbe Strenge der florentinischen Plastik des 15. Jahrh, anschließt.
Von diesen Sammelausstellungen war die des Schotten Lavery dadurch besonders bemerkenswert, daß sie ein Beispiel für die Art enthielt, mit der diese Revolutionäre in der modernen Malerei sogen, offizielle Aufgaben zu lösen verstehen. Lavery war die Darstellung eines Empfanges der Königin von England in Glasgow übertragen worden, eine steife Zeremonie, eine Kour aller zum Empfang Geladener vor der auf einem Thronsessel sitzenden Herrscherin. Für solche Aufgaben erwies sich dienaturalistische Aialweise, die nur in unbestimmten Visionen, in farbigen Nebeln, in formlosen Massen schwelgt, als unzureichend, und Lavery hat sich deshalb begnügen müssen, ein ebenso langweiliges und geistlose's Zeremonienstück zu stände zu bringen wie seine Vorgänger aus der alten Schule, die der moderne Naturalismus, dessen Kraft und Berechtigung nur in der landschaftlichen Stimmungsmalerei wurzeln, überwunden zu haben glaubt. Einen durchausneuen Aufschluß über einen viel genannten, aber durch seine Werke wenig bekannt gewordenen Maler bot die Sammelausstellung der hinterlassenen Bilder und Skizzen von Hans von Marees (1837-87), einem Künstler von "großer Macht der Persönlichkeit und großem Wollen, aber von geringer schöpferischer Kraft. Aus Elberfeld gebürtig, hatte er seine ersten künstlerischen Studien in Berlin und München gemacht, sich von 1864 - 70 in Italien aufgehalten und war dann nach Berlin zurückgekehrt, wo er bis 1873 blieb. Darauf ging er wieder nach Italien, wo
er seinen Wohnsitz zumeist in Rom behielt und durch seine ernste Richtung entscheidenden Einfluß auf viele deutsche Künstler übte. Darin liegt seine Bedeutung, nicht in seinen Werken, die er nur selten bis zur letzten Vollendung geführt hat. In ihnen kommt keineswegs eine starke eigenartige Begabung zum Durchbruch. H. v. Marees ist in allen wesentlichen Elementen seiner Kunst Nachahmer, der zwischen Tizian, Giorgione, Palma, Signorelli und den Florentinern hin und her schwankt, ohne die! Herrschaft über die Fülle der fremden Eindrücke zu erringen und seine Individualität zur Geltung zu! bringen. Auch die technischen Mittel ^en^r Kunst^ beherrscht er nur in geringem Maße; seine Farbe ist! spröde und seine Zeichnung unbeholfen und inkorrekt.
Die schottischen Naturalisten haben, wie voraus! zusehen war, unter den jüngern Münchener Malern Nachahmer genug gefunden; dagegen hatte sich der Naturalismus nach französischem Muster etwas gemäßigt. Man beginnt wieder etwas mehr auf den Inhalt zu sehen, und man versucht auch, aus Hell- und Freilichtmalerei ein wenig Poesie herauszuschlagen. Zu wirklich hervorragenden Schöpfungen,^ denen man eine Wirkung auf Jahrzehnte hinaus prophezeien könnte, hat es die moderne Richtung trotz ihrer himmelstürmenden Absichten immer noch nicht gebracht. Bei dem extremsten Vertreter dieser Richtung, bei Fritz v.Uhde, ist sogar schon seit Jahren ein Stillstand zu beobachten, für den auch seine Flucht nach Ägypten ein bezeichnendes Beispiel bot.
Er bewegt sich immer in demselben Kreise, und es sind ihm auch schon mehrere Nachahmer erwachsen, die in seinem Stile malen und nach und nach alle christlichen Legenden in das moderne Leben übersetzen, ohne den Grundzug der Evangelien, das versöhnende Element der christlichen Liebe und der Glaubenskraft, mit hinüberzunehmen. Eine Ausnahme bildete Ludwig Herterich (s. d.), den man freilich nicht zu den Naturalisten oder grundsätzlichen Freilichtmalern rechnen darf, mit der überlebensgroßen Gestalt eines heil. Georg zu Pferde, der, mit beiden Händen die Lanze auf der Schulter haltend, nach errungenem Siege über den Drachen mit demutsvoll geneigtem Haupte vorwärts blickt.
In der plastischen Abteilung hatte sich der Naturalismus und in seinem Gefolge das Überwiegen des Malerischen bemerkbarer gemacht, als es in Berlin der Fall gewesen. Am weitesten waren darin der Belgier Guillaume Charlier, dessen Hafenaus^ fahrt aus einer Gruppe von Matrosen gebildet war,! die ein Boot ziehen, und der Däne Georg Jensen^ gegangen, der einen Schnitter mit gewaltiger Sense! bei der Arbeit dargestellt hatte, ganz wie eine Figur aus einem Bilde von Bastien-LepageoderL'Hermitte.
In gleicher Richtung bewegen sich der in Paris gebildete Norweger Stephan Sinding, (s. d.) und die> Mailänder Achilles Alberti (der Träge) und Ernesto! Vazzaro (die Mutterlose). In dem Münchener Her! mann Mayer hat F. v. Nhde auch einen Nachahmer! in der Plastik gefunden, dessen Gruppe eines Christus mit einem kleinen Mädchen dem Nhdeschen Christus, der die Kindlein zu sich kommen läßt, nachgebildet ist. Der Erlös aus dem Verkauf von Kunstwerken betrug in München 600,000 Mk.
Kunftdentmäler in Deutschland. Unter den gemeinnützigen Unternehmungen, zu denen die Erstarkung des deutschen Nationalbewußtseins und die gemeinsame Kulturarbeit aller deutschen Stämme nach den politischen Ereignissen von 1870 und 1871 den Antrieb gegeben haben, ist die Inventarisation