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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kunstgewerbliche Ausstellungen des Jahres 1891
Daneben fehlten nicht die Teppiche aus Japan und ! China, aus Zentralasien, den Chanaten, den Bat- ^ kanländern, Indien und Marokko. Das Bemühen, hier die unterscheidenden Kennzeichen herauszufinden und zu fixieren, wurde wesentlich erleichtert durch ^ den ausgezeichneten illustrierten Katalog. Er bot ^ außer allgemeinen Einleitungen über die Geschichte, ! die alten Färbeverfahren, die Knüpftechnik noch für! jede Gruppe eine ausführliche Beschreibung des Um-! fanges der gegenwärtigen Industrie, der verschiedenen Dessins und'Knüpfarten und in vielen Fällen die in ! Stambul und Wien üblichen Preise für neue und! ältere Stücke, Zu diesen wertvollen Berichten waren ! namentlich die diplomatischen Beamten herangezogen ! worden, die Gelegenheit hatten, an Ort und Stelle ihre Studien zu machen. Es ergab sich, daß der in Europa bis vor wenigen Jahren am meisten verwendete persische Farahanteppich durch den fabrikmäßigen ^ Betrieb in Sultanabad sich sehr verschlechtert hat.! Dieselbe Erfahrung von dem ungünstigen Einfluß, ^ den die Rücksicht auf den Massenexport nach Europa und Amerika auf die orientalische Hausindustrie aus- ! übt, konnten die Teppiche von Kleinasien, die als Smyrnateppiche in den .vondel kommen, bestätigen.
Er äußert sich in Verschlechterung der Färbung und Technik und in einer Unsicherheit in der Dessinierung. Daß aber die alte sorgfältige Art der Handarbeit, die durch die größte Anzahl der Knüpfungen einen möglichst dichten und dauerhaften Flor zu erzielen strebt, noch nicht überall verloren ist, beweisen die in Persien höchstgeschätzten Teppiche von Senne und Gerus in Kurdistan, die bis zu 8000 Knüpfungen auf 10 ^Lm aufweisen. Durch dies dichte Gewebe geben sich die Kurdistaner Teppiche als die Nachkommen der altpersischen Luxusteppiche zu erkennen, deren Blütezeit in das 16. und 17. Jahrh, zu setzen ist.
Auch die blumenreichen Muster zeugen in ihren Grundmotiven für diese Abstammung. In Feinheit des Gewebes die ersten, werden die Kurdistaner Teppiche an Farbenschönheit und Glanz der Wolle von den Arbeiten der nomadisierenden Kaschkaistämme übertroffen. Bei den Nomaden hat sich, in Persien wie am Kaukasus, die alte Färbekunst unverfälscht erhalten. Die Nomaden vermeiden es auch, wie es in vielen Produktionsorten gebräuchlich ist, für Kette und Schußfäden Baumwolle oder Hanf zu nehmen, und sie erzielen dadurch auch für langhaarige Stücke ein weiches, schmiegsames Gewebe. Die Motive ihrer Musterung bilden, wie bei den von Nomadenfrauen gearbeiteten Teppichen überall im Orient, geometrische, d.h. geradlinige Figuren. Zum großen , Teil sind dies aber nur durch eine primitivere Kunst ! entstandene Stilisierungen der ursprünglich geschwllngenen vegetabilen Ornamente, welche die Grundlage der persischen Flachornamentik bilden. Neben diesen Arten findet sich in Persien nicht viel Erfreuliches mehr. Manche sonst gute Produkte werden durch verunglückte Einführung europäischer Ornamente entstellt, wie die Seidenteppiche von Kaschan und Sultanabad, auch die Wollteppiche von Kirman.
Andre leiden durch zu lockere Knüpfung und durch unechte, vergängliche Farben von schreiender Wirkung. Letztere Fehler sind bei den vorzeiten berühmten Arbeiten der Provinz Chorasan zu bemerken. Die Vorzüge der Nomadenteppiche: gute Farben und glänzendes Wollmaterial, teilen auch die im Handel als Bocharateppiche bekannten dunkelroten Teppiche der Tekke-Turkmenen in Russisch-Turkistan.
Durch ihre dichte Knüpfung gehören sie zu den dauerhaftesten Arten, die noch gearbeitet werden. Ähn liche, aber minderwertige Waren liefern Chiwa und Afghanistan. Eine Neuheit in Europa waren die düster gefärbten, langhaarigen Nomadenteppiche aus Aelutschistan. Das chinesische Turkistan hatte Seidenteppiche gesendet, das Beste, was heute noch in diesem Material hergestellt wird. Die eigentlich chinesischen und japanischen Teppiche aber, vielfach mit Baumwollflor, sind neben den mohammedanischen.
Arbeiten unerfreulich. In Indien werden altpersische Muster mit gutem Erfolg nachgemacht. Nächst Persien ist zweifellos das jetzt russische Kaukasusgebiet das bedeutendste Teppichland. Seine Produkte sind im allgemeinen zu den Nomadenteppichen, zu rechnen. Charakteristisch ist das buntfarbige Aussehen bei guten und harmonisch zusammengestellten Farben. Die Motive der Ornamentation sind ungemein zahlreich; doch überwiegen geometrische oder geometrisch stilisierte vegetabile Elemente. Der Haupthandelsname ist für die meisten Arten Daghestan. Diese am Kaspischen Meer gelegene Provinz lann aber nur für die ciskaukasischen Teppiche als Hauptgebiet angesehen werden; ihre häufigsten Erzeugnisse sind die in Derbent und Küre glatt gewebten, gobelinähnlichen Sumakh. In Transkaukasien sind die Hauptorte Schirwan und Karabagh. Ihre Arbeiten ähneln oft sehr den persischen Kaschkaiteppichen. Vollständig war auch die antike Abteilung insofern, als fast jede bekannte Art altasiatische'r Teppiche in einein oder mehreren Exemplaren erster Qualität vertreten war. So die persischen Kunst' teppiche des 16. Jahrh, in Wolle, in Seide mit Gold und Silber, die türkischen Arbeiten derselben Zeit in gleichem Material, die alten Kaukasusteppiche, die westsarazenischen Teppiche aus Marokko, die Vorfahren der heutigen Smyrnawaren aus Kleinasien und viele andre. Unter den Ausstellern, zu welchen die Mehrzahl der österreichischen und deutschen Kunst gewerbemuseen gehörte, stand mit der Anzahl und der Qualität der eingesendeten Stücke der Kaiser von Österreich weit voran. Eine Auswahl der besten hier vereinigten Teppiche wird in einer großen Publikation vom k. k. Handelsmuseum veröffentlicht werden. Vgl. auch den Art. Teppiche (orientalische).
Gleichzeitig hatte die Gesellschaft der Kunstfreunde in Trieft eine Kunstgewerbeausstellung veranstaltet. Man konnte sie eine internationale nennen, da aus Deutschland, Italien, England und dem Orient Beiträge eingelaufen waren. In der That lag aber der Schwerpunkt in der die Arbeiten von 60 Wiener Firmen umfassenden Ausstellung des Wiener Kunstgewerbevereins. Man hatte ihr die vornehm ausgestatteten Räume des Museo Revoltella eingeräumt. Angeschlossen war die vom k. k. österreichischen Museum eingesendete Sammlung moderner Wiener Arbeiten, die unter der Leitung des Museums entstanden sind. Dasselbe Gebäude enthielt ferner die kunstgewerblichen Erzeugnisse Bos niens, die Porzellane von Dresden, der Royal Worcester Works, die Spitzen von Burano, deutsche Silberwaren und orientalische Sachen aus dem k. k.
Handelsmuseum. Gegen diese Abteilung, die fast nur seit Jahren auf dem Weltmarkt als mustergültig anerkannte und berühmte Industrien aufzuweisen hatte, fiel die zweite Abteilung in der alten Börse beträchtlich ab. Hier waren, nicht ohne etwas politische Absicht, die italienischen und Triester Waren vereinigt.
Die Auswahl war weniger sorgfältig und trotz der Menge des Materials nicht so getroffen, daß man von der industriellen Leistungsfähigkeit Triests ein vollständiges Bild hätte gewinnen können.