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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Menschikow - Metallfärbungen
beim Gorilla eine entsprechend der Längsachse des Schienbeinkörpers gezogene Linie die obere Gelenkfläche dieses Knochens nicht mehr trifft, ist zu folgern, daß der M. von Spy mit eingeknickten Knien einherschritt, wobei der Gelenkteil des Schienbeines mit dem Schienbeinkörper einen nach hinten offenen stumpfen Winkel bildete. Die besagte Konformation des obern Schienbeingelenkes bedingte es auch mit Notwendigkeit, daß die Körperhaltung des Menschen jener Epoche auch beim Aufrechtstehen weniger aufrecht war Metallfärbung als diejenige des jetzt lebenden Menschen. Albrecht glaubt, daß das Auftreten gewisser chirurgischer Krankheiten beim Menschen auf den Übergang von dem Gang auf allen vieren in die aufrechte Stellung zurückzuführen ist. Durch die Verlegung des Schwerpunktes wurden Rückgratsverkrümmungen, Entzündungen der Wirbelkörper (bedingt oder begünstigt durch den auf ihnen lassenden Druck), Deformierungen des Kniegelenkes, Krampfadern, Erweiterungen der Venen des Samenstranges, Hämorrhoiden (Erweiterungen der Mastdarmvenen), Leisten- und Schenkelbrüche hervorgerufen oder doch wenigstens die Entstehung dieser Krankheitszustände begünstigt. Auch die Wanderungen der Nieren, Hoden und Eierstöcke beruhen darauf, daß diesen Organen mit der aufrechten Stellung ihrer Träger Gelegenheit gegeben wurde, sich vor der Wirbelsäule hinweg zu verschieben. Für die Zukunft ist nach Albrecht zu erwarten, daß auch die Nieren und Eierstöcke im Hodensack, bez. in den großen Schamlippen liegen werden.
Menschikow, 1) Alexander Danilowitsch, Fürst, russ. Feldmarschall. Ihm zu Ehren erhielt 1891 das 2. russische Rohowsche Dragonerregiment seinen Namen.
Merkes, Wilhelm, Stenograph, geb. 27. Mai 1860 zu Rheydt, studierte Philologie in Bonn und lebt jetzt als Privatdozent in Amsterdam. Im J. 1880 veröffentlichte er auf Grundlage verschiedener älterer Stenographiesysteme, besonders des Stolzeschen, ein eignes System, das besonders in Westfalen und den Rheinlanden einige Verbreitung gefunden hat. Ein »Merkesscher Stenographenbund« wirkt für das System; er zählt 35 Vereine mit 500 Mitgliedern und gibt das Fachblatt »Merkesia« (seit 1885) heraus. Von M.' «Anleitung« liegt die 3. Auflage (Leipz. 1889) vor. Vgl. E. Wild, Die Merkelsche Kurzschrift (Wülfrath 1890).
Merlet, Gustave, franz. Gelehrter und Schriftsteller, starb 17. Febr. 1891 in Paris.
Mermillod, Kaspar, Bischof von Lausanne, starb 23. Febr. 1892 in Rom.
Metallfärbungen sind in neuester Zeit mit der Entwickelung der Kunstgewerbe außerordentlich in Aufnahme gekommen und daher auch Gegenstand eingehender Prüfungen und Untersuchungen, z. B. in der deutschen physikalisch-technischen Reichsanstalt, geworden. Sie haben in erster Linie den Zweck, den Metallen durch mannigfaltige Farbentönungen ein reiches und abwechselndes, dem Schönheitssinn dienendes Ansehen zu geben; daneben aber bilden sie Schutzmittel gegen äußere Einwirkungen des atmosphärischen Sauerstoffes sowie einer Anzahl von Gasen, z.B. Schwefelwasserstoff, schweflige Säure u. dgl., welche als Fäulnis- resp. Verbrennungsprodukte der Luft stets mehr oder weniger beigemengt sind. Man kann M. am dreierlei Weise hervorbringen: durch Überziehen mit Deckfarben, durch Bedecken mit Metall und durch Oberflächenveränderung infolge voll Einwirkung chemischer Substanzen. Während die erste Methode die Färbung durch Auftragen von Farbstoffen mittels Bindemittel (Firnis, Lack etc.) rein mechanisch (mechanische Metallfärbung), die dritte Methode rein chemisch wirkt, erfolgt die Färbung nach der zweiten Methode teils mechanisch (Plattieren, Auflegen von Blattmetall etc.), teils chemisch durch Ansieden, Eintauchen, Einreiben oder Kontakt mit gewissen Metallverbindungen, so daß streng genommen eine mechanische und eine chemische Metallfärbung zu unterscheiden sind. Doch versteht man unter im engern Sinn immer nur die letztere, soweit es sich um eine Veränderung der Oberfläche mittels chemischer Einwirkungen handelt, weshalb hier ausschließlich nur diese zur Erörterung kommt.
Einen hervorragenden Platz nehmen hierbei die sogen. Anlauffarben ein, welche unter sehr verschiedenen Umständen und mit den mannigfaltigsten Wirkungen entstehen, aber ihren Höhepunkt in der antiken Patina erreichen, welche sich im Laufe der Zeit durch Einwirkung der Atmosphärilien auf Kupfer und Bronze bildet. Die gewöhnlichen Anlauffarben sind eine Folge der Oxydierung der Metalle und stehen in naher Beziehung zu den Newtonschen Farben, welche an einer Seifenblase, bei Ausbreitung stocke beruhen darauf, daß diesen Organen mit der eines Öltropfens auf Wasser, an alten Glasscheiben, namentlich aber zwischen aufeinander gelegten Spiegelglasplatten zum Vorschein kommen, wo die außerordentlich dünne Schicht die Farben veranlaßt, welche je nach der Dicke dieser Schicht verschieden sind. Bei den Metallen wird diese Schicht durch eine Oxydschicht ersetzt, welche eine gleichmäßige Farbe hervorruft, wenn sie überall gleich dick ist, und verschiedene Farben erzeugt, wenn sie verschiedene Dicken besitzt, wobei die Reihe der Farben bei den einzelnen Metallen nicht ganz gleich ist.
Zur Hervorbringung dieser Farben genügt ein Erwärmen der Metalle bis zu einer bestimmten Temperatur. Um die Bedingungen kennen zulernen, unter welchen bestimmte Farben mit Sicherheit zu erzeugen sind, wurde in der physikalisch-technischen Reichsanstalt eine Reihe von Versuchen durchgeführt, die den erwünschten Erfolg hatten. Vgl. Anlauffarben (Bd. 18). Die Färbungen fallen um so reiner und schärfer aus, je sorgfältiger die Metalloberflächen bearbeitet sind, indem die Farben um so stumpfer werden, je gröber das Korn der Oberfläche ist. Jedes Vorkommnis, welches den Zutritt der Luft hemmt oder verhindert, erzeugt Flecke; daher muß die Oberfläche vollkommen frei von Fett, ausgetrockneten Wassertropfen u. dgl. sein; Drähte zum Aufhängen der Gegenstände dürfen nicht an den zu färbenden Flächen anliegen, letztere selbst nicht mit den Fingern berührt werden. Vor dem Einhängen der Gegenstände ist das Luftbad so stark zu erwärmen, daß dieselben sich nicht beschlagen. Eine genaue Bestimmung der Temperaturen, die zur Erzeugung der gewünschten Farben führen, ist um so weniger möglich und von Bedeutung, als fast jedes Metallstück eine andre Erwärmung verlangt. Jedenfalls bedarf ein Arbeitsstück, das eine gleichmäßige Färbung bekommen soll, auch einer möglichst gleichmäßigen Erwärmung, woraus wiederum folgt, daß auch die Gestalt des Körpers nicht ohne Einfluß sein kann, indem sich dünnere Teile desselben leichter erwärmen als dickere. Die genannten und noch andre Beobachtungen reichen indessen aus, um für die Praxis die zum Gelingen der M. erforderlichen Arbeiten nach gewissen Regeln durchzuführen, welche, mit einiger Umsicht befolgt, stets sichere und gute Resultate ergeben.