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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Photographie

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Photographie (Momentcameras, Detektivs)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Photogrammetrie'

Anmerkung: Fortsetzung von [Koppes Phototheodolit.]

etwas ausgedehntern, von Jordan ausgeführten Plane der Oase Dachel in der Libyschen Wüste die einzige in Deutschland veröffentlichte Probe des photogrammetrischen Verfahrens. Dagegen ist in Italien die photographische Terrainaufnahme oder Phototopographie, wie sie dort heißt, schon seit einem Jahrzehnt in Übung, und es sind schon große Strecken alpinen Gebietes photogrammetrisch aufgenommen und verarbeitet worden.

Photographie (Momentcameras, Detektivs, hierzu Tafel »Photographische Apparate«). Seitdem durch Entdeckung der hochempfindlichen photographischen Trockenplatten, welche jahrelang haltbar sind, die P. zum Gemeingut aller geworden ist, hat sich die Liebhaber-Lichtbildkunst in erstaunlicher Weise entwickelt. Jeder möchte gern ein Bild machen, am liebsten ein Momentbild. So sind denn Momentapparate ohne Zahl konstruiert worden, denen man gern möglichst unscheinbare Formen gibt. Diese »Geheimcameras« werden bereits von Polizisten und Reportern mit Erfolg verwertet und liefern allerdings untrügliche Beweise für Feststellung eines Thatbestandes (Prügelei, abgebranntes Haus u. dgl.) oder treue Bilder von Ereignissen, die gleich in Zinkhochdruck umgesetzt und in den Text von Zeitungen und Büchern abgedruckt werden können. Sie führen deshalb auch den Namen »Detektivcameras«. Als älteste Geheimcamera dürfte die Stirnsche gelten, erfunden von einem Deutschen, Stirn in New York; diese kann mit Schnur umgehängt und unter den Rock geknöpft werden (s. Taf., Fig. 1). Es ist eine runde Blechbüchse K, die sich aufklappen läßt, so daß man eine runde photographische Platte einlegen kann. Eine Feder auf der Rückseite drückt die Mitte der Platte gegen den sogen. Momentverschluß im Vorderteil. Derselbe kann wie eine Uhr mittels der Vorrichtung m aufgezogen werden. Diese steht mit einer durch eine Spiralfeder beweglichen, flachen runden Blechscheibe in Verbindung, welche das Objektiv o zudeckt. Die Blechscheibe enthält eine runde Öffnung; zieht man an der Schnur s, so wird der Mechanismus ausgelöst, d. h. die Blechscheibe dreht sich durch die Spiralfederkraft mit ihrer Öffnung an dem Objektiv o vorbei. In diesem Moment erfolgt die »Belichtung«. Um ein neues Bild zu erzielen, wird der Zeiger bei m um ein Sechstel weiter gedreht und dadurch ein frisches, unbelichtetes Stück der Platte vor das Objektiv o gebracht. Leider erlaubt das Instrument nur die Aufnahme von 6 Bildern von ca. 4 cm Durchmesser. Der übrige Teil der Platte bleibt unbenutzt. Da alle gleichmäßig entwickelt werden müssen, so kann man nicht jedes Bild, wie es eigentlich nötig ist, für sich behandeln. Stirn hat deshalb statt der runden Scheibe später vier einzelne kleine selbständige Platten eingeführt, die in einen Blechrahmen eingespannt werden.

Der Komfort (Fig. 2) ist im wesentlichen nur eine Modifikation des Stirn, so verschieden er auch erscheint. Es ist ein rechteckiger Kasten K, mit Objektiv o. Innerhalb des Kastens befindet sich ein sechseckiger Holzblock, der von außen gedreht werden kann. Die Platten stecken auf den Stirnflächen des Blockes. Man kann den Kasten auch horizontal oder vertikal auf einen Tisch stellen, dem aufzunehmenden Gegenstand gegenüber. Eine scharfe Einstellung ist bei diesen Apparaten nicht nötig, sie sind derart konstruiert, daß alle Gegenstände von ca. 2 m ab scharf werden, falls man bei der Aufnahme nicht wackelt. Ein Übelstand der Apparate ist, daß man bei der Aufnahme »drauf los« schießt, ohne ordentlich zielen zu können. Deshalb führte man Momentcameras oder ↔ Detektivs mit Sucher ein, d. h. eine kleine Camera, die an der Ecke der großen sitzt und ein Bildchen entwirft, welches eine Idee gibt, wie das große Bild, welches die Hauptcamera liefert, aussieht. Dieser Sucher (Fig. 3) besteht aus einem Kästchen mit einer Linse o, welche das Bild liefert. Dieses wird von dem Spiegel sp nach oben reflektiert, so daß es auf der Visierscheibe v deutlich sichtbar wird, wenn der Schutzdeckel D aufgeklappt ist. Man dreht dann den Momentkasten hin und her, bis man auf v das Bild genau so erblickt, wie man es haben will; dann drückt man den Momentverschluß ab. Die meisten der neuesten Momentapparate enthalten solche Sucher, manche auch zwei für vertikale und horizontale Stellung der Platte.

In kluger Weise ist der Sucher bei der Loman-Camera (Fig. 4) vermieden. Die Platte liegt hinter dem Spiegel sp (Fig. 3) und ist durch diesen völlig geschützt. Man sieht das durch das Objektiv o entworfene Bild und kontrolliert es hinter D (Fig. 4) in seiner ganzen Größe. Der Momentverschluß wird durch Ziehen an einer Schnur oder Druck auf einen Knopf von außen in Funktion gesetzt; er hebt zunächst den Spiegel sp (Fig. 3), so daß die Platte frei wird, gleich darauf tritt der eigentliche Verschluß (s. unten) in Thätigkeit. Die Platte befindet sich in einer besondern Kassette mit Schieber C.

Statt einer Platte bringt man mehrere in demselben Apparat unter, die hintereinander in besondern Blechkassetten liegen und nach der Belichtung durch Mechanismus von außen gewechselt werden können. So entstanden die Magazincameras, bei welchen man die Platten in einzelne flache Blechkasten steckt, die vorn offen sind (Fig. 5) und hintereinander gelegt werden; eine in der Figur nicht sichtbare Feder drückt das System nach vorn, d. h. nach dem Objektiv hin, so daß, wenn man die vorderste Kassette a wegnimmt, die übrigen Platten vorgedrückt werden. Das Wechseln nach der Belichtung, d. h. das Wegnehmen der vordersten Platte a, geschieht mit der Hand durch den Kautschuksack K. Dazu muß die erste Platte etwas hoch gehoben werden, damit man sie mit den Fingern fassen kann, um sie nach hinten zu setzen. Eine Menge solcher Hebevorrichtungen ist für diesen Zweck ersonnen worden uon Steinheil, Ladewig, Hesekiel etc.

Die Mitführung von Glasplatten machte aber diese Magazinapparate schwer und unbequem. Man fertigt daher Emulsionshäute, in welchen die lichtempfindliche Schicht statt auf Glas auf durchsichtiger, biegsamer Haut ruht, teils Kollodium (Balagny), teils gegerbte Gelatine (Perutz, München), teils Celluloid (Eastman Company, Amerika). Meist liefert man diese Haut in zugeschnittenen Blättern, die in besondern Wechselkassetten (s. unten) mitgenommen werden, oder man fertigt lange Rollen, die auf Holzcylindern RR (Fig. 6) auf- und abgewickelt werden können und über ein paar kleinere Spannrollen rr laufen. Hat man ein Bild aufgenommen, so dreht man (von außen) die eine Rolle um die Länge eines Bildes weiter. Die Haut steht, wenn sie über die Spannrolle geht, gerade im Brennpunkte des Objektivs der Camera. Die einfachste Vorrichtung der Art ist der sogen. Kodac der Eastman Company (Fig. 7). Denselben hat diese Gesellschaft später in größern Formaten geliefert, wodurch er allerdings viel auffälliger und gewöhnlichen photographischen Apparaten ähnlicher wird (Fig. 8). Zusammengeschlagen bildet der große Kodac für Bilder 13 x 18 cm einen einfachen Kasten, der an Riemen über die Schulter getragen wird. Aufgemacht

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 733.