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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Plankton (Expedition des Dampfers National 1889)
ungenannter privater Seite waren 1000Mk. zur Verfügung gestellt worden znr Mitnahme eines Marinemalers, dem die Expedition eine Reihe trefflicher mariner Etndien verdankt.
Die Verteilung des Planktons im Meere ist Gegenstand lebhafter wissenschaftlicher Kontroverse sieworden, nachdem die Planktonexpedition es sich zur ! speziellen Aufgabe gemacht hatte, hierüber genaue Untersuchungen anzustellen. Durch den Verlauf der Expedition, deren Resultate zum Teil noch in Bearbeitung sind, hält V. , venten die Richtigkeit seiner Ansicht für bewiesen, daß die Verteilung des Planktons im Ozean aufweise Strecken hin eine ungemein gleichmäßige sei. Die während der Planktonexpedition mit dem Planktonnetz gemachteil Fänge sind einstweilen genau ihrem Volumen nach bestimmt worden, und es ergaben sich außer der schon erwähnten Gleichmäßigkeit in der Verteilung als weitere Resultate, daß die Volumina der Fänge in wärmern Meeresabschnitten auffallenderweise im allgemeinen geringer sind als diejenigen aus den kältern, und daß das Sargassomeer ärmer an P. ist als die andern von der Planktonexpedition untersuchten Meeresabschnitte. Anch die Zahl des Vorkommens bestimmter Tierarten in den während der Expedition gemachten Fängen spricht nach Angabe der Vearbeiter dieser Tiere für eine gleichmäßige Verteilung des Planktons; es fand dies Maas für die kleinen Qual-! lenformen, Apstein für die Tomopteriden, welche die ^ Hauptmasse der frei fchwimmeuden Würmer bilden, und Dahl für die zu den spaltfüßigen Krebsen gehörige Gattung (^o Mi^; aus der Zahl der in den ^ einzelnen Netzzügen gefangenen Individuen letzterer l Gattung ließ sich beispielsweise berechnen, daß deren z Menge/obwohl die Gattung nicht häufig ist, in dem ^ von der Planktonexpedition durchfahrenen Gebiet ungefähr 30 Billionen beträgt. Daß die Gleichmäßigkeit in der Verteilung des Planktons über weite Strecken hin auch durch das Auftreten von Schwärmen größerer pelagischer Organismen nicht gestört wird/ erklärt sich nach Ansicht der Gelehrten der Planktonexpedition aus der enormen Masse der gleichmäßig verteilten Planktonorganismen, denen gegenüber das Volumen selbst großer pelagischer Organismen verschwindend klein ist. So kommt, wie Hensen angibt, im Sargassomeer eine Sargassumpflanze auf etwa 175 <im, während das Volumen des Planktons auf solcher Strecke etwa das Fünfzigfache beträgt; trotzdem das Sargassomeer besonders arm an P. ist, ist demnach das Planktonuolumen doch noch ungefähr 50ma! größer als dasjenigeder Sargassumdüschel. Noch weniger fallen, wie Brandt hervorhebt, die Schwärme größerer frei treibender Tiere dem Gesamtplanktonvolumen gegenüber ins Gewicht. Ihre Masse wird, wenn man sie sich gleichmäßig verteilt denkt, weniger als 1 Proz. des Planktonvolumens betragen müssen.
Dieser Ansicht von einer gleichmäßigen Verteilung des Planktons tritt Häckel gegenüber, indem er gerade umgekehrt eine sehr ungleichmäßige Verteilung der frei schwimmenden organischen Massen im Mvere als die Regel bezeichnet und den exakten Ergebnissen der Planktonexpedition entgegenhält, daß eine nur kurze Fahrt über ein relativ nur kleines Gebiet nicht die Verallgemeinerung der hierbei erlangten Ergebnisse dulde, und daß die von der Planktonexpedition gemachten Forschungen nur Stichproben seien, die keinen Schluß auf die Verteilung des P. in andern Meeresteilen und zu andrer Jahreszeit gestatteten.
Als Stütze für seine Ansicht führt tzä'ckel neben den
Erfahrungen bisheriger Expeditionen, die allerdings beim Sammeln nicht die quantitative Erforschung des Planktons im Auge hatten, besonders die theoretischen Erwägungen ins Feld, die eine sehr ungleichmäßige Verteilung der Planktonmassen annehmen lassen. In erster Linie betrachtet er die Meeresströmungen als eine der wichtigsten Ursachen einer wechselnden und ungleichmäßigen Verteilung des Planktons im Meere. Sowohl die Ozeanströme, die Halikorrenten, als auch die Küstenströme oder Nerokorrenten zeichnen fich nach Häckel aus durch größere Anhäufungen von schwimmenden Organismen; unter gewissen günstigen Umständen, die wir noch nicht näher kennen, können auch solche Anhäufungen tierischer Organismen im Meere entstehen, daß das Meer stellenweise davon erfüllt ist und einen förmlichen Tierbrei bildet; es findet fich diese Erscheinung überall, z. B. in Italien, wo diese Tierstraßen als cori'kmi oder i'6m^ bezeichnet werden, oder bei den Kanaren, wo sie ^ain heißen; Häckel schlag: den Namen Zookorrenten oder Zooremen für diese außerordentlichen Planktonmassen vor. Diesem in Meeresströmungen vorhandenen Reichtum an Planktonmassen gegenüber betrachtet Häckel die ström freien Meeresgebiete, die »Meeresstillen« oder Halist äsen, als relativ arm an P. Für dievertikale Verteilung des Planktons spielen nach Häckel außer den allgemein anerkannten physikalischen Unterschieden in Druck, Licht und Wärme besonders auch die Tiefenströme oder Vathykorrenten eine Rolle, die in verschiedenen Tiefen des Ozeans eine ganz andre Beschaffenheit, Richtung und Stärke haben können als die Oberflächenst'.öme, die Epikorrenten. Weitere Untersuchungen in dieser Richtung ergeben möglicherweise die Thatsache, daß die gleichmäßige Verteilung des Planktons allerdings speziell für die hohe See gilt, während besonders in der Nähe der Küsten durch Strömungen eine Anstauung des Planktons bewirkt wird; auf diese Weise würde sich auch die durch die Planktonexpedition nachgewiesene Thatsache erklären, daß der Atlantische Ozean weit weniger reich an P. ist als die flachen Depressionen der Ost- und Nordsee.
Bei den Untersuchungen über die Tiefenverbreitung frei schwimmender Organismen ergab sich bei der Planktonexpedition das merkwürdige Resultat, daß noch in Tiefen von 1W0-2l)t)0iu zahlreiche lebende Exemplare einer grünen, Chlorophyll führenden Alge (Haw8i)Iik6i'k vii'iäis) schwebend angetroffen wurden. Größere pelagische Organismen scheinen nach den Ergebnissen dieser Forschungsfahrt in nordischen Meeren und kalten Strömungen zu einer Zeit an der Oberfläche zu schwimmen, während welcher sie in tropischen und südtropischen Teilen des Ozeans noch in der Tiefe verweilen.
Zur Kennzeichnung der Verschiedenheiten des Planktons nach Zusammensetzung und Vorkommen hat Häckel eine eigne Nomenklatur in die Planktologie eingeführt. Tem P., der frei im Wasser schwimmenden und treibenden Masse, stehen als Benthos alle nicht schwimmenden Organismen des Meeres gegenüber, also alle am Grunde des Meeres sich aufhaltenden Pflanzen und Tiere, entweder festsitzend, sessil, oder der freien Ortsbewegung fähig, kriechend oder laufend, vagil. Da in großen Süßwasserbecken die Verhältnisse des Meeres sich im kleinen wiederholen, sind das Meeresplankton, Haliplankton oder P. kurzweg, und die frei schwimmenden Organismen des Süßwassers, das Limnoplankton, zu unterscheiden. Der Begriff des Planktons kann in weiterm oder engerm Sinne gefaßt werden, indem
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