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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Töne - Tonpsychologie
ten zur Allsführung der Tollwutschutzimpfung ist in , Deutschland ohne praktisches Interesse. Pasteursche! Institute bestehen außer dem Pariser ? in Rußland,5 in Italien, je 1 in Wien, Pest, Bukarest, Konstantinopel, Barcelona, Rio de Janeiro, Buenos Ayres, Mexiko und Havana.
Tone, tiefste. Um sehr tiefe und zugleich hinreichend starke Töne zu erzeugen, bedient sich Appunn eines 1 mm dicken, 12 mm breiten und 420 mm langen Metallstreifens, an dessen freiem Ende eine runde Metallscheibe von etwa 40 mm Durchmesser befestigt ist. Auf dem Streifen ist eine Skala angebracht, so daß bei Einklemmung desselben an den entsprechenden Stellen 4-24 Schwingungen in der Sekunde erhalten werden können. Dieses Instru-! ment, welches von Obertönen frei ist, wurde nun zur Bestimmung der untern Grenze der Hörbarkeit benutzt. Es ergab sich, daß bei absteigender Tonfolge 10-9 Schwingungen, bei aufsteigender dagegen erst 11-12 Schwingungen als Ton empfunden wurden.
Dieser Unterschied erklärt sich leicht aus der erforderlichen Vorbereitung des Ohres.
Tongaland, Landschaft in Südostafrika, begrenzt im O. vom Indischen Ozean, im N. von Portugiesisch-Ostafrika, im W. von Swasiland und der südafrikanischen Republik, im S. von Sululand;7770(ikm (141 QM.) groß, mit 20,000 Einw. Das Land, an seiner Westgrenze durch das Lebombogebirge hügelig, ist im übrigen völlig flach, teils sandig, teils gut begrast, aber fast ohne allen Baumwuchs. Es wird von Zuflüssen des Maputa (Ungouuma, Pongola) im W. durchzogen, der Mkosi erreicht nur zuzeiten die große, 40 km lange und 6 km breite Strandlagune, welche sich an dem niedrigen, einförmigen, von Klippen besäumten Uferrand hinzieht und im Kosifluß sich in die Kosibai des Indischen Ozeans ergießt.
Die Bewohner, die Amatonga, gehören zur großen Völkerfamilie der Kaffern. Ein Freundschaftsvertrag wurde 1887 zwischen England und der Königin Zambili von T. abgeschlossen, wonach sich das Land unter britischen Schutz stellte. Nach dem Vertrag mit Swasiland vom August 1890 kann die Südafrikanische Republik einen Streifen Land von der Grenze des Swasilandes bis zur See zur Anlage einer Eisenbahn bis zur Küste und ein Stück Land von 16 km Radius an der Kosibai (26" 35' südl. Br.), wo ein Hafen am Ende der Eisenbahn angelegt werden darf, käuflich erwerben. Doch kann das so abgetretene Land niemals in den Besitz, unter die Kontrolle oder Herrschaft einer fremden Macht fallen.
Tongting. Diese ehemalige anamitische Provinz steht jetzt unter einer besondern französischen Leitung. Unter einem Oberresidenren in Hanoi stehen Residenten in Haiphong, Tanhhoa und Tuyenquan, -welche die Aufsicht über die anamitischen Beamten ausüben. Die Residenten verwalten das Steuerwesen und französische Beamte die Zölle im ganzen Königreich. Der Handel hatte 1889 einen Gesamtwert uon 34,750,392 Frank, wovon nur 7,809,791 Fr. aus Frankreich, dagegen 26,675,254 Fr. auf das Ausland kommen. Man ist in Frankreich über dies Resultat sehr ungehalten, da man bereits 25,000 Menschen und 500 Mill. Fr. für diese Kolonie geopfert hat. Da die Einkünfte Tongkings hinter den Ausgaben weit zurückbleiben, fo sucht man den Ausfall durch die Überschüffe Kotschinchinas zudecken, dessen wirtschaftliche Entwickelung darunter indessen schwer leidet. Hauptausfuhrartikel ist Reis, dann Seide. Es liefen 1889 ein 397 Schiffe (35 französische) von 103,159 Ton., aus 340 Schiffe (34 fran zösische) von 95,748 Ton. Eine Bahn von Phu-Lang-Thuong nach Lang-Son, dem wichtigen östlichsten Posten an der chinesischen Grenze, ist in Angriff genommen. Es ist dies die erste Bahn in T.; sie soll der alten Mandarinenstraße folgen und schmalspurig sein. Ihre Gesamtkosten sind auf 4^2 Mill. Fr. geschätzt; man denkt aber dadurch eine große Ersparnis zu erzielen, da der bisherige Transport zwischen den genannten Plätzen durch Ochsen oder Kulis jährlich '800,000 Fr. kostete. Zudem war er unsicher.
Außer französischen Truppen (s. unter An am) stehen hier 5 einheimische Infanterieregimenter zu je 3 Bataillonen unter der Führung von französischen Offizieren und Unteroffizieren, im ganzen 18,000 Mann. Für ein unterseeisches Kabel zahlt die Regierung jährlich einen Zuschuß von 450,000 Fr.
Tonnen, s. Seezeichen.
Tonnenschnocke, s. Schnecken.
Tonpsychol agie. )) Wenn wir eine Empfindung als den Ton il. bezeichnen, so drücken wir damit ein Sinnesurteil aus, d. h. ein auf sinnliche Erscheinungen bezügliches und durch sie hervorgerufenes Urteil.
Es fragt sich, inwieweit ein solches Sinnesurteil zuverlässig ist. Das wird einmal von der Empfindlichkeit des Individuums, zum andern von der richtigen Auffassung der mehr oder weniger fein wahrgenommenen Empfindungen abhängen. Unter den Einflüssen, welche auf die Zuverlässigkeit der Tonbeurteilung einwirken, stehen Aufmerksamkeit, Übung und Ermüdung obenan. Daneben kommen Erinnerungen an frühere Erfahrungen und die Mithilfe andrer ^)inne in Betracht. So wird einer, dem es zweifelhaft bleibt, welcher von zwei Tönen der höhere sei, vielleicht versuchen, sie zu singen, also den Muskelsinn des Kehlkopfes fragen. Aber außer den genannten Bedingungen wird für ihn nichts Wesentliches bei der Beurteilung von Tönen in Betracht kommen. 2) Unter »Ton« ist zunächst der einfache Ton ohne Obertöne verstanden, doch gilt alles Gesagte und zu Sagende auch für Töne im populären Sinne, d. h. für Klänge, in denen der Grundton von hervorragender Stärke, die Obertöne nicht von demselben unterschieden sind und das Ganze dem Hörenden die Höhe des Grundtones zu haben scheint. Nun unterscheiden sich Töne durch ihre Höhe, Stärke, Klangfarbe. Die letztere scheint jedoch nicht eine Eigentümlichkeit der Empfindungen als solcher, sondern ein Gefühl zu sein, vergleichbar der an einen Geruch geknüpften Lust. Die Differenzen der Stärke sind weniger beträchtlich als die der Höhe. Doch unterscheiden sich Töne untereinander offenbar auch örtlich und zeitlich. Töne von gleicher Höhe und Stärke können aufeinander folgend oder gleichzeitig gehört und in dieser Hinsicht, wie auch in Hinsicht ihrer Dauer beurteilt werden. Ebenso können solche Töne z.B. rechts oder links gehört und als örtlich verschieden erkannt werden. 3) Für das wirkliche Leben und die musikalische Auffassung bleiben immerhin die Höhenunterschiede uon Tönen die wichtigsten.
Es ist nun wahrscheinlich, daß die Unterscheidung auf Grund eines unmittelbaren Qualitätenurteil^ erfolgt, wonach eine Art Steigerung in den Tönen unmittelbar, und zwar schon in je zweien erkannt werden kann. Hierzu treten als Hilfe eine Anzahl mittelbarer Kriterien, von denen die Muskelempfindung im Kehlkopfe, welche wir bei der Erzeugung eines Tones erhalten, die wichtigste zu sein scheint.
Ob diese Muskelempfindung aus Vorgängen in den Muskeln, Sehnen, Bändern u. dgl. stammt, oder eine von solchen peripherischen Prozessen unabhängige