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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Abbâs I. - Abbate

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Abbâs'

ihre Vertreter als machtlose Repräsentanten einer schattenhaften geistlichen Erbwürde von den dortigen Machthabern bevormundet wurden, bis nach der Eroberung Ägyptens durch die Osmanen 1517 auch dieser letzte Rest des abbâsidischen Chalifates vollends erlosch. Der letzte abbâsidische Scheinchalif, der 18. in der Reihe der ägypt. Abbâsiden, Muhammed al-Mutawakkil, wurde nach Stambul geführt, nachdem er in feierlicher Weise alle Chalifenrechte dem ottoman. Sultan übertragen hatte. (S. Chalif.) – Vgl. Weil, Geschichte des Abbâsidenchalifats in Ägypten (2 Bde., Stuttg. 1860–62).

Abbâs I. , der Große, der siebente Beherrscher Persiens aus der Dynastie der Seffi, geb. 1557, war der jüngste Sohn des Schah Mohammed Chodâbende und bei dessen Tode (1585) Statthalter von Chorassan. Nachdem seine beiden ältern Brüder auf sein Anstiften umgebracht waren, bemächtigte sich A. 1586 des Throns und suchte nun die im Westen an die Türken und im Nordosten an die Usbeken verloren gegangenen Gebiete wiederzuerobern. Chorassan kam erst 1597, nach dem Falle Herats, in A.' Gewalt. Inzwischen verleibte er auch Gilan und Masenderan, und im Süden Laristan seinem Reiche ein und dehnte seine Herrschaft über den größten Teil des heutigen Afghanistan aus. Schwerer waren die Kämpfe mit den Türken, die sich fast durch seine ganze Regierungszeit hindurchzogen. Nachdem A. 1601 Aserbeidschan, einen Teil Armeniens und Georgiens sowie Schirwan in Besitz genommen, wies er die bis 1613 fast alljährlich sich wiederholenden Angriffe der Türken auf die Städte Eriwan und Täbris meist glücklich zurück, drang zeitweise tief in das türk. Asien vor und zwang 1613 auch einen großen Teil Georgiens, die pers. Oberherrschaft anzuerkennen. 1614–17 erneuerten die Türken ihre Angriffe auf Persien, doch ohne Erfolg. Insbesondere erlitten sie 1618 eine starke Niederlage und schlossen darauf unter Osman II. einen Frieden mit Schah A. Der Kampf begann jedoch 1622 von neuem und wurde von den Türken so unglücklich geführt, daß 1623 selbst Bagdad in A.' Gewalt fiel. Das Reich der Seffi reichte vom Tigris bis zum Indus, als A. 27. Jan. 1628 zu Kaswin starb. Zum Thronfolger hatte er, weil er seinen Sohn umgebracht, seinen Enkel Seffi Mirza bestimmt. A. ist der bedeutendste Herrscher des mohammed. Persien. Er war ein Mann von Thatkraft und polit. Einsicht, reformierte das Heerwesen, baute Straßen und Brücken, suchte die Städte, besonders Ispahan, wohin er seine Residenz von Kaswin aus verlegte, zu verschönern, und war bestrebt, den Handel mit Indien wie mit Europa zu beleben. Den Christen zeigte er sich tolerant, weniger den Parsen und Juden; die Sunniten verfolgte er mit Feuer und Schwert. – Von geringerer Bedeutung ist sein Urenkel Abbâs II., der Eroberer von Kandahar, der 1641–66 regierte. – Abbâs III., der letzte Schah aus der Dynastie der Seffi, bestieg im Sept. 1732 als kleines Kind den pers. Thron unter der Regentschaft des Tahmasp Kuli Chan. Dieser beseitigte ihn jedoch 1736, um sich selbst die Krone aufzusetzen.

Abbâsiden, s. Abbâs und Chalif.

Abbas Mirza, pers. Prinz, bekannt durch seine Kriegführung gegen Rußland, wurde als zweiter Sohn des Schah von Persien Feth Ali aus dem Hause der Kadscharen um 1783 geboren. Da seine Mutter demselben Hause entstammt war, bestimmte ihn sein Vater mit Übergehung des von einer ↔ Sklavin geborenen ältern Bruders Ali Mirza zum Thronfolger. Talentvoll und patriotisch, erkannte A. M. die Überlegenheit europ. Sitte und Bildung an und suchte sie für sein Volk nutzbar zu machen. Noch sehr jung zum Statthalter von Täbris ernannt, zog er Europäer an seinen Hof, mit deren Hilfe er das pers. Heer zu reformieren suchte. 1811 führte er in dem Kriege gegen Rußland die pers. Hauptarmee, wurde aber geschlagen; ebenso ging es ihm in dem 1826 auf sein Betreiben erneuerten Kriege. (S. Persien, Geschichte.) 1831 und 1832 kämpfte A. M. gegen die Kurdenhäuptlinge von Chorassan und starb auf einem Zuge gegen Herat im Dez. 1833 zu Meschhed. A. M.s ältester Sohn, Mohammed Mirza, bestieg 1834 den pers. Thron.

Abbas Pascha, Vicekönig von Ägypten, Enkel Mehmed Alis von dessen jung verstorbenem Sohne Tussûn, wurde 1813 zu Dschidda in Arabien geboren. Nach dem Tode Ibrahim Paschas trat A. P. 10. Nov. 1848 die Regierung an. Er suchte vor allem die eingeführte neuere Civilisation wieder zu beseitigen, weshalb er die Europäer aus seinem Dienste entließ und die von seinen Vorgängern gegründeten Bildungsanstalten vernachlässigte. Durch Beschränkungen des Handels und Verkehrs und durch habgierige Willkürakte machte er sich bald unbeliebt, so daß, als seine eigenen Verwandten gegen ihn klagend auftraten, die Pforte die Gelegenheit benutzte, die Vorrechte Ägyptens zu schmälern. So wurde A. P. 1851 genötigt, den Tansimat (s. d.) in Ägypten einzuführen; doch verschaffte er sich 1852 von der Pforte weitere Zugeständnisse und stellte dafür 1854 bei Ausbruch des russ. Krieges dem Sultan seine Flotte und 15000 Mann zur Verfügung. Da ereilte ihn 13. Juli 1854 der Tod; wahrscheinlich wurde er ermordet. Ihm folgte sein Oheim Said Pascha.

Abbas Pascha, Chediv von Ägypten, ältester Sohn des Chediv Tewfik Pascha, geb. 14. Juli 1874, erhielt seine Bildung seit 1887 auf dem Wiener Theresianum, wo er das Gymnasium absolvierte und Zögling der jurist. Abteilung war, als er durch den Tod seines Vaters, 7. Jan. 1892, auf den ägypt. Thron berufen wurde. Er empfing 14. April den Investitur-Ferman der Pforte. Sein Versuch, Jan. 1893 den engl. Einfluß zu beschränken, mißglückte. Er vermählte sich 19. Febr. 1895 mit Ikbal Hanem, die ihm eine Tochter gebar. (S. Ägypten.)

Abbāte (ital.), s. Abate.

Abbāte, Niccolò dell', auch Niccolò di Abbati, ital. Maler, geb. 1512 zu Modena, erhielt die erste Anleitung in der Kunst durch seinen Vater, den Stuckbildner Giovanni dell' A. (gest. 1559), dann durch Begarelli. Entschiedenen Einfluß auf seine Kunstweise übten anfänglich Correggio und Parmegianino, später namentlich die Römische Schule aus. Seine ersten größern, jetzt meist untergegangenen Werke führte er zu Modena aus, wo im Palazzo della Commune und im Museum sich noch Wandmalereien von ihm befinden. In dieselbe Zeit gehört auch die jetzt in der Dresdener Galerie befindliche Marter der Apostel Petrus und Paulus. Zwischen den J. 1547 und 1552 arbeitete A. zu Bologna, wo unter andern eine Anbetung der Hirten, im Portico de' Leoni, entstand. Mit dem Maler Primaticcio (s. d.) führte er seit 1552 Fresken im Schlosse zu Fontainebleau aus, die durch die Ungeschicktheit eines Architekten 1738 fast gänzlich zerstört wurden. Er starb 1571 zu Fontainebleau. – Vgl. Reiset, Niccolò dell' A. (Par. 1859).