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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Abgießen; Abgott; Abgottschlange; Abguß; Abhaaren; Abhaken; Abhalten; Abhandlung; Abhären; Abhärtung

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Abgießen - Abhärtung

Deutsche Entwurf (Motive V, 686) sieht außerhalb des Konkurses des Erben davon ab. Ein Absonderungsrecht kommt ferner vor für den Nacherben (s. d.) gegenüber dem Vorerben und, wie gegenüber dem Erben, so gegenüber dem Erbschaftskäufer. Vgl. Th. Wolff, Das Absonderungsrecht im Konkurse (Berl. 1892).

Abgießen, s. Dekantieren.

Abgott, s. Götzendienst.

Abgottschlange, s. Riesenschlangen.

Abguß, die Nachbildung eines körperlichen Gegenstandes in einer weichen, später erstarrenden Masse; so ist jedes Erzeugnis der Metallgießerei ein A. des gebrauchten Modells. In engerer Bedeutung wird das Wort A. auf Gegenstände der Bildnerei (s. d.) angewendet. Solche A. fertigt man meistenteils aus Gips, wenn sie klein sind auch aus Schwefel, Siegellack, Wachs, Papiermasse u. a. Die Formen für den Gipsguß bestehen meist selbst wieder aus Gips, der über das Original gegossen wird, öfters aus Leim, Schwefel, Guttapercha. Zum Abgießen von Hochreliefs oder ganzen Figuren sind Formen aus mehrern Stücken erforderlich. Da diese niemals dicht aneinanderschließen, entstehen auf dem A. erhöhte Linien (sog. Gußnähte), die man gewöhnlich wegschabt, bei Statuen oft auch stehen läßt. Gipsabgüsse erhalten durch Tränken mit Paraffin oder Stearin ein marmorähnliches Ansehen (sog. Elfenbeinmasse, s. Enkaustieren); auch lassen sie sich durch Musivgold (s. d.) oder Bronzefarben (s. d.) bronzieren, durch Einreiben von Graphitpulver oder Antimonschwarz eisenartig grau oder sonst verschieden färben. Doch beeinträchtigen derartige Zubereitungen die Reinheit und Schärfe der Züge von wirklichen Kunstwerken. Die Eigenschaft des Gipses, gleichmäßig zu schwinden, wenn man ihn nach dem Erstarren in starken Spiritus bringt, benutzt man, um A. zu verkleinern. Man läßt einen ersten A. nach dem Erstarren 24 Stunden in Spiritus liegen, macht hiervon einen zweiten, dritten A., der jedesmal im Spiritus eine Verkleinerung erfährt, bis man die gewünschte Größe erzielt hat. In der Neuzeit ist die Gipsformerei zu Bedeutung gekommen, indem sie für die zahlreich neu eröffneten Fach- und Zeichenschulen das Studienmaterial liefert, andererseits Sammlungen von Gipsabgüssen angelegt werden, um die Geschichte der Plastik zu veranschaulichen. Ein großartiges Beispiel dieser Art ist das Museum im Trocadero (s. d.) zu Paris; weitere große Sammlungen befinden sich u. a. in Berlin, Dresden (Albertinum), Nürnberg (Germanisches Museum). (S. Abdruck und Galvanoplastik.)

Abhaaren, Abhären, der Haarwechsel, der bei einigen Säugetieren im Frühjahr mit dem Ausfallen des dichtern Winterhaares eintritt. Im Herbst, mit Beginn der rauhern Jahreszeit, mehren sich die Haare bei sehr vielen Tieren, unter den Haustieren besonders beim Pferd, Hund, bei der Katze und der Ziege. Es wird ein, oft auch besonders gefärbtes (s. Farbenwechsel) Winterkleid dadurch erzeugt, daß von einer Haarpapille aus und in einem und demselben Haarbalg, in welchem das alte Haar liegt, neben letzterm ein neues Haar gebildet wird. Im Frühjahr lösen sich die ältern, sog. Winterhaare von der Haut, das A. beginnt, nachdem Haarzwiebeln und Haarscheiden der alten Haare abgestorben und verschrumpft sind; die jüngern Haare bleiben stehen und bilden das Sommerkleid. Mit diesem Haarwechsel wird die Farbe des Tiers in der Regel eine hellere, als sie während der Winterzeit war; die Haardecke wird feiner, nach dem Ausfallen der ältern dickern Haare dünner und glatter. Der Prozeß gleicht dem Mausern der Vögel. Wie diese sind auch die Säugetiere während des A. sehr empfindlich und zu katarrhalischer Erkrankung disponiert. Gute Hautpflege, Schutz vor Erkältung, Verabreichen von Leinsamenschleim und etwas Kochsalz helfen das A. leichter überstehen.

Abhaken, s. Ablegen.

Abhalten, ein Schiff so steuern, daß es vom Winde abgeht und dieser mehr von hinten kommt.

Abhandlung, eine Gedankenentwicklung, die zum Mittelpunkt einen Begriff, eine Frage, eine Idee hat (wie die Erzählung eine Begebenheit, die Beschreibung einen Gegenstand). Man unterscheidet untersuchende, erklärende, begründende und anwendende A. Die untersuchenden streben die Lösung eines wissenschaftlichen oder andern Problems, die Erhellung einer zweifelhaften Thatsache, die Beantwortung einer unentschiedenen Frage an, die erklärenden beziehen sich auf den Inhalt (z. B. die Abbts über das Verdienst) oder den Umfang (z. B. die Barnums über die Mittel, reich zu werden) eines Begriffs, die begründenden auf ein Urteil, die anwendenden ermuntern oder warnen. Gelehrte A. nennt man Dissertationen, so die akademischen Bewerbungsschriften um den Doktorgrad.

Abhären, s. Abhaaren.

Abhärtung, die Gewöhnung des Menschen an äußere Einwirkungen, Anstrengungen oder Entbehrungen, welche leicht zu schädlichen Nachwirkungen führen können. Es giebt eine geistige und eine körperliche A., und zwar ist die eine in gewissem Maße durch die andere bedingt, da einerseits die Energie und Widerstandsfähigkeit des geistigen Menschen ihn auch körperlich widerstandsfähiger gegen schädliche Einflüsse macht, andererseits aber ein abgehärteter Körper eine größere geistige Rüstigkeit mit sich bringt. Für die geistige wie die körperliche A. gilt das physiol. Gesetz, daß jedes Organ durch eine maßvolle Anspannung seiner Thätigkeit mit nachfolgender Ruhe immer kräftiger und innerhalb gewisser Grenzen zu immer größern Leistungen befähigt wird, während alle Überspannung, sei es dem Maße oder der Dauer nach, zur Abspannung oder Krankheit führt. Für jede A. gilt es, daß man in geringem Maße und behutsam die A. anfängt, allmählich dieselbe steigert, aber sofort nachläßt, wenn statt der beabsichtigten Gewöhnung eine erhöhte Empfindlichkeit eintritt.

Die Hauptmittel der körperlichen A. sind: kalte, frische, reine Luft (Morgenluft, Gebirgsluft, Winterluft, kaltes Klima), kaltes Wasser (Waschungen, Fluß- und Seebäder, Regen- und Wellenbäder, Douchen), leichte Kleidung, kühles und hartes Nachtlager, Körperbewegung (Turnen, Fechten, Reiten, Fußreisen), einfache, aber nicht zu einförmige Kost, Gewöhnung an Licht, Lärm, Schmerz, Hunger und Durst. Durch eine zweckmäßige A. werden Katarrhe und Rheumatismen, Hämorrhoiden, Verdauungsschwäche, Bleichsucht, Hypochondrie, Hysterie und die Neigung zu gefährlichen Erkältungen in zahlreichen Fällen verhütet.

Unter den verschiedenen Organen bedarf besonders die Haut der A., weil gerade diese häufig Erkältungen ausgesetzt ist. Man trage bei kühlem Wetter Flanell auf der bloßen Haut, meide aber zu warme, schweißerregende Kleidung. Man reibe sich täglich in einem warmen Zimmer den ganzen Körper