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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Ägyptische Chlorose; Ägyptische Expedition der Franzosen

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Ägyptische Chlorose - Ägyptische Expedition der Franzosen

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Ägyptische Augenentzündung'

entspricht keiner bestimmten Entzündungsform, sondern ist ein Sammelname für eine Anzahl verschiedener Ophthalmien, die Blennorrhöe, die Diphtheritis, die kruppöse und granulöse Entzündung und das Trachom, die den Bestand und die Funktionsfähigkeit der befallenen Augen zum Teil im höchsten Grade, zum Teil nur wenig gefährden. (S. Augenentzündung.) Die Krankheit überträgt sich von Auge zu Auge, von Individuum zu Individuum. Der Träger des Kontagiums ist wahrscheinlich nur der von dem erkrankten Auge abgesonderte Schleim und Eiter, insbesondere darin enthaltene specifische Entzündungsträger (Kokken), die in ein gesundes Auge gelangen. Ob auch ein Luftkontagium besteht, ob auch die in der Luft suspendierten Eiterzellen gesunde Augen infizieren können, ist zweifelhaft. Jedenfalls wird aber die Ausbreitung auf viele Personen und somit die Entstehung von Epidemien begünstigt durch Unreinlichkeit, ungenügende Lüftung stark belegter Wohn-, Schlaf- und Arbeitsräume.

Im J. 1798 fanden die in Ägypten gelandeten franz. Truppen die Krankheit dort vor und wurden sofort in großer Anzahl von derselben befallen. Daher rührt der Name. Franz., ital. und engl. Truppen verschleppten die Krankheit nach den verschiedensten Gegenden. Sie grassierte in den verschiedenen Heeren, namentlich zu Anfang des 19. Jahrh. (daher die Namen Ophthalmia militaris oder Ophthalmia bellica), befiel 1813–20 besonders heftig die preuß. Truppen und gelangte mit diesen nach Belgien, wo sie bedeutende Opfer forderte. Die sog. Epidemien von Ä. A., die in neuester Zeit öfters in Schulen beobachtet wurden und eine ärztliche Überwachung derselben nötig machten, haben mit jenen gefährlichen Augenentzündungen nichts gemein. Es handelte sich gewöhnlich nur um einen ansteckenden, kumuliert auftretenden Bindehautkatarrh, dem in vielen Fällen durch das Auftreten einzelner Knötchen und Bläschen in der Bindehaut eine gewisse Ähnlichkeit mit jenen Formen und eine besondere Hartnäckigkeit verliehen wurde.

Ägyptische Chlorose, s. Dochmius duodenalis.

Ägyptische Expedition der Franzosen. Schon lange vor der franz. Revolution hatte Leibniz, um Ludwig XIV. von Deutschland abzulenken, ihn auf die Nilländer hingewiesen. Später vertraten Minister Rene Louis d'Argenson und wohl auch Choiseul den gleichen Gedanken. Argenson hatte auch schon an die Durchstechung der Suesenge gedacht, doch blieb es bei Entwürfen, bis Kaiser Joseph II., der bei dem Plane der Teilung der Türkei zwischen Österreich und Rußland sich Frankreichs Mitwirkung erkaufen wollte, die Sache am Versailler Hofe in Anregung brachte. In der Revolutionszeit lenkte der franz. Konsul Magallon in Kairo die Aufmerksamkeit des Direktoriums wiederholt auf diese Frage und Talleyrand unterstützte ihn mit dem «Essai sur les avantages à retirer des colonies nouvelles» vom Juli 1797. Bald nachher vertrat Bonaparte den gleichen Plan, um die verlorenen Kolonien zu ersetzen und die engl. Interessen im Orient, vielleicht in Indien zu gefährden. Das Direktorium nahm seinen Vorschlag an, weil es den ehrgeizigen General aus Rücksichten innerer Politik ans Frankreich entfernen wollte. Die Expedition wurde im tiefsten Geheimnis (Dekret vom 5. März 1798) vorbereitet. Talleyrand sollte dem Sultan die Expedition als eine auf Unterwerfung der Mamluken unter seine Herrschaft abzielende darstellen. Am 19. Mai 1798 ging Bonaparte ↔ mit einem Teile der etwa 40000 Mann starken Expeditionsarmee in Toulon in See, andere Teile liefen von Genua, Ajaccio und Civitavecchia aus; Admiral Brueys mit 15 Linienschiffen, ebensoviel Fregatten, 7 Korvetten und über 30 kleinern Kriegsfahrzeugen führte die Transportflotte (400 Schiffe). Die Truppen waren meist der siegreichen ital. Armee entnommen, ihre Generale die besten, außerdem befanden sich über 120 Gelehrte, Künstler und Techniker im Gefolge des Oberfeldherrn. Ungünstige Witterung und irrige Annahmen über das Ziel der Expedition hinderten die engl. Flotte unter Nelson, das Auslaufen der franz. Schiffe und ihre Vereinigung zu stören. Zuerst wurde Malta bis auf das feste Lavaletta nach kurzem Bombardement 12. Juni genommen (s. Hompesch), und der Malteserorden trat tags darauf die Insel an Frankreich ab. Dann richtete Bonaparte, um der engl. Flotte zu entgehen, den Lauf nach der Südküste Candias und von dort nach Alexandria, das sofort nach der Landung, 2. Juli, erstürmt wurde. Die Flotte ankerte vor Abukir, das Heer trat den Marsch auf Kairo an. Ihm voraus ging eine arab. Proklamation Bonapartes, die den Einwohnern Achtung ihrer Religion und Sitte zusicherte. Vergebens griffen 5000 Mamluken mit ihrer Hauptmacht unter 23 vereinigten Beis, deren mächtigste Murad und Ibrahim waren, die Franzosen 21. Juli bei Embabeh oder den Pyramiden an. Sie wurden geschlagen; Murad floh nach Oberägypten, Ibrahim in die Syrische Wüste. Bonaparte zog 25. Juli in Kairo ein, folgte mit Lannes' Division dem Ibrahim, erreichte dessen Nachhut 11. Aug. bei Salihieh, ohne sie zum Stehen zu bringen, kehrte nach Kairo zurück und beschäftigte sich nun mit der Organisation des Landes, während er Desaix nach Oberägypten zur Verfolgung Murads entsandte. Die franz. Flotte wurde aber 1. Aug. von Nelson bei Abukir (s. d.) angegriffen und vernichtet. Dadurch ermutigt, erklärte die Pforte an Frankreich 1. Sept. den Krieg, und der Pascha von Syrien, Ahmed Dschezzar («der Schlächter»), sollte gegen Ägypten vorrücken. Bonaparte kam ihm jedoch zuvor. Nachdem durch Desaix' Sieg bei Sediman über Murad, 7. Okt., Oberägypten bis zu den Katarakten erobert worden war, Bonaparte 22. und 23. Okt. einen Aufstand in Kairo niedergeschlagen, Sues besetzt und die Verwaltung des ganzen Landes eingerichtet hatte, rückte er 6. Febr. 1799 mit 13000 Mann in Syrien ein, nahm 21. Febr. El-Arisch, erstürmte 5. März Jaffa, berannte 17. März Akka (s. d.), mußte aber die Belagerung 20. Mai aufheben und mit schwerem Verluste den Rückmarsch nach Ägypten antreten, obwohl er 16. April beim Berge Tabor ein türk. Entsatzheer geschlagen hatte. Im Juli landete eine türk. Truppe. Bonaparte eilte aus Kairo herbei und vernichtete sie 25. Juli in entscheidender Schlacht bei Abukir (s. d.). Rücksichten auf die Ereignisse in Frankreich, von denen er durch heimliche Boten unterrichtet war, bewogen ihn Ägypten 22. Aug. zu verlassen. Er übergab den Befehl an Kleber, der, als der Großwesir mit einem mächtigen Heere auf engl. Schiffen herankam und die Pest ausbrach, zu freier Rückkehr nach Frankreich 28. Jan. den Vertrag von El-Arisch schloß. Da jedoch England auf bedingungsloser Unterwerfung bestand, nahm Kleber den Kampf wieder auf und schlug 20. März 1800 bei Heliopolis den Großwesir bis zur Vernichtung und eroberte auch das verlorene Kairo. Er wurde

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 254.