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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Aldborough; Aldea; Aldebaran; Aldeburgh; Aldegonde; Aldegrever; Aldehyd; Aldehyde; Aldehydgrün

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Aldborough - Aldehydgrün

zuletzt nordwestl. Laufe von ungefähr 1867 km bei Kaminskoi, etwa 180 km unterhalb Jakutsk. Obwohl sehr reißend, ist der A. doch auf etwa 1000 km schiffbar: auch ist er sehr reich an Fischen, besonders an Stören und Sterletts. Die wichtigsten Nebenflüsse sind links die Amga, rechts der Utschur und die Maja. Nach dem A. ist das Aldanische Gebirge benannt, welches das linke Ufer des Stroms begleitet und sich in der Richtung von SSW. nach NNO. zwischen 55 und 61° nördl. Br. erstreckt. Die Gipfel sind im Sommer schneefrei; der Lärchenbaum findet sich bis über 1100 m hinauf.

Aldborough (spr. áhldborro), s. Aldeburgh.

Aldea, in Spanien (Aldeia in Portugal und Brasilien) soviel wie eine offene Gemeinde, etwa dem deutschen Weiler oder Dorf entsprechend. Manche solche Gemeinden sind aber im Laufe der Zeit zu Flecken und Städten emporgewachsen.

Aldebaran, Stern erster Größe, der hellste im Sternbild des Stiers, zeichnet sich durch seine rote Farbe aus. A., Sirius und Wega sind die drei Fixsterne, die Halley durch Vergleichung seiner eigenen Beobachtungen mit den 140 v. Chr. von Hipparch angestellten auf die Vermutung brachten, daß auch die Fixsterne gegeneinander eigene Bewegungen zeigen. (S. Eigenbewegungen der Fixsterne.)

Aldeburgh oder Aldborough, Hafenstadt und Seebadeort in der engl. Grafschaft Suffolk, 135 km im NO. von London, an der Zweiglinie A.-Saxmundham der Eisenbahn London-Marmouth, hat (1891) 7467, als Gemeindebezirk 2159 E., eine 3 1/2 km lange Promenade, Hummer- und Heringfang und ist Geburtsort des Dichters Crabbe (s. d.), der die Stadt in seinem Gedicht "The Borough" geschildert hat.

Aldegonde, Philipp von Marnix, Herr von Mont-Sainte A., s. Marnix.

Aldegrever, Heinrich, auch Alde Grave, Maler und Kupferstecher, geb. 1502 wahrscheinlich in Paderborn, war später Bürger zu Soest und entschiedener Anhänger der Reformation. Er starb daselbst nach 1555. A. gehört zu den sog. Kleinmeistern (s. d.). Unter seinen wenigen Gemälden sind vor allem die Bildnisse bedeutend; doch liegt seine Hauptwirksamkeit auf dem Gebiete des Stichs. Er wählte zumeist Erzählungen des Alten und Neuen Testaments in zusammenhängenden Folgen, wobei er besonders deren rein menschlichen Inhalt betont. Obwohl von Dürer und der ital. Renaissance, von Pencz und Beham beeinflußt, zeigt seine Formensprache doch bemerkenswerte Selbständigkeit. Er hat mehr als 300 Kupferstiche sowie einige Holzschnitte angefertigt; von Bedeutung sind die Ornamentstiche (Vorlagen für Schmucksachen u. ä.), von denen 41 in Faksimile (Münch. 1876) erschienen.

Aldehyd, Acetaldehyd, Äthylaldehyd, hat die Zusammensetzung C2H4O ^[C<sub>2</sub>H<sub>4</sub>O] und die Konstitutionsformel CH3.CHO ^[CH<sub>3</sub>.CHO]. Er entsteht durch Oxydation des Äthylalkohols, C2H6O ^[C<sub>2</sub>H<sub>6</sub>O], wobei diesem zwei Wasserstoffatome entzogen werden. Daher ist auch der Name abgeleitet: Al(cohol) dehyd(rogenatus). Der im Handel vorkommende und namentlich zur Herstellung von Anilinfarben angewandte A. wird aus dem Vorlauf bei der Spiritusfabrikation gewonnen und entsteht durch Oxydation von Alkohol beim Filtrieren über Holzkohle. Zur Darstellung des reinen A. übergießt man in einem Kolben 3 Teile Kaliumbichromat mit 12 Teilen Wasser und fügt allmählich unter Kühlung ein Gemisch von 4 Teilen konzentrierter Schwefelsäure und 3 Teilen Alkohol hinzu. Das beim Erwärmen erhaltene Destillat wird rektifiziert und durch Einleiten in ammoniakhaltigen Äther in festes Aldehydammoniak verwandelt. Aus diesem erhält man dann den A. durch Erwärmen mit verdünnter Schwefelsäure. Der A. ist eine farblose, leicht bewegliche Flüssigkeit von eigentümlichem Geruch, die bei 20,8° siedet und das specifische Gewicht 0,8009 besitzt. Er mischt sich in allen Verhältnissen mit Wasser, Äther und Alkohol. An der Luft oxydiert er sich zu Essigsäure, aus einer ammoniakalischen Silberlösung scheidet er metallisches Silber als spiegelnden Belag an der Gefäßwandung aus. Mit Ammoniak und mit Alkalibisulfit (s. Schweflige Säure) verbindet sich der A. zu krystallinischen Additionsprodukten. Durch geringe Mengen von Säuren oder Salzen verwandelt sich der A. bei gewöhnlicher Temperatur in den polymeren Paraldehyd, eine Flüssigkeit von der Zusammensetzung C6H12O3 ^[C<sub>6</sub>H<sub>12</sub>O<sub>3</sub>], die bei 124° siedet und bei der Destillation mit Schwefelsäure wieder in gewöhnlichen A. übergeht. Unter 0° entsteht der feste Metaldehyd (s. d.).

Aldehyde sind organische Verbindungen, welche die Gruppe CH:O enthalten. In ihren Reaktionen stehen sie den Ketonen mit der Gruppe -CO- sehr nahe. Die allgemeinen Bildungsweisen der A. sind folgende:

1) Oxydation der primären Alkohole. So bildet sich der gewöhnliche Aldehyd (s. d.) ans dem Äthylalkohol nach folgender Gleichung:

CH3.CH2.OH + O = CH3.CO + H2O ^[CH<sub>3</sub>.CH<sub>2</sub>] + O = CH<sub>3</sub>.CO + H<sub>2</sub>O

2) Trockne Destillation des Kalksalzes einer Säure mit ameisensaurem Kalk. So entsteht z. B. Propionaldehyd aus propionsaurem und ameisensaurem Kalk, indem sich außerdem noch kohlensaurer Kalk bildet:

(C2H5.COO)2Ca + (HCOO)2Ca = 2 C2H5.CHO + 2 CaCO3 ^[(C<sub>2</sub>H<sub>5</sub>.COO)<sub>2</sub>Ca + (HCOO)<sub>2</sub>Ca = 2 C<sub>2</sub>H<sub>5</sub>.CHO + 2 CaCO<sub>3</sub>].

Die A. sind mit Ausnahme der Glieder mit sehr hohem Molekulargewicht meist flüchtige farblose Flüssigkeiten von starkem, meist angenehmem Geruch, die mit Ausnahme der niedersten Vertreter (Formaldehyd, Äthyl- und Propylaldehyd) in Wasser schwer löslich oder unlöslich sind. An der Luft oxydieren sich die A. leicht zu Carbonsäuren: so geht der Benzaldehyd allmählich in Benzoesäure über nach der Gleichung:

C6H5.COH + O = C6H5.COOH ^[C<sub>6</sub>H<sub>5</sub>.COH + O = C<sub>6</sub>H<sub>5</sub>.COOH].

Durch Reduktionsmittel werden die A. unter Wasserstoffaufnahme wieder in primäre Alkohole übergeführt. Die A. sind außerordentlich reaktionsfähige Substanzen. Sie verbinden sich mit Ammoniak zu den Aldehydammoniaken, mit Alkalibisulfiten (s. Schweflige Säure) zu den ebenfalls festen sog. Bisulfitverbindungen, mit Phenylhydrazin und Hydroxylamin kondensieren sie sich unter Wasseraustritt zu Phenylhydrazonen oder Oximen (Aldoximen, s. d.), die bei den Gliedern mit höherm Molekulargewicht meist gut krystallisieren. Mit Blausäure geben die A. die sog. Oxycyanide oder Cyanhydrine, aus denen Oxysäuren gewonnen werden können. Vermöge ihrer leichten Oxydierbarkeit sind die A. im stande, die Edelmetalle aus ihren Oxyden und Salzen in metallischem Zustande abzuscheiden. Von starken Alkalilösungen werden die A. zur Hälfte in Säure, zur andern Hälfte in Alkohol verwandelt; so entsteht ans Amylaldehyd und Kalilauge valeriansaures Kali und Amylalkohol:

2 C4H9.CHO + KOH = C4H9COOK + C4H9.CH2OH ^[2 C<sub>4</sub>H<sub>9</sub>.CHO + KOH = C<sub>4</sub>H<sub>9</sub>COOK + C<sub>4</sub>H<sub>9</sub>.CH<sub>2</sub>OH]

Aldehydgrün, ein grüner Farbstoff, wird erhalten, indem man Aldehyd (s. d.) auf eine saure Lösung von schwefelsaurem Rosanilin so lange