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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Alexander

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Alexander III. Alexandrowitsch (Kaiser von Rußland)

beschäftigt hatten, vereitelte sein Tod. In Helsingfors wurde ihm 1894 ein Denkmal errichtet.

A. war vermählt seit 28. (16.) April 1841 mit Maria Alexandrowna (vorher Maximiliane Wilhelmine Auguste Sophie Marie, geb. 8. Aug. 1824, gest. 3. Juni [22. Mai] 1880), Tochter des Großherzogs Ludwig II. von Hessen, aus welcher Ehe sechs Söhne und zwei Töchter hervorgingen: Alexandra, geb. 30. (18.) Aug. 1842, gest. 28. (16.) Juni 1849; Nikolaus, geb. als Cäsarewitsch 20. (8.) Sept. 1843, gest. 24. (12.) April 1865; Kaiser Alexander III. (s. d.); Wladimir, geb. 22. (10.) April 1847, vermählt 28. (16.) Aug. 1874 mit Maria Pawlowna, geborenen Prinzessin Maria von Mecklenburg-Schwerin (geb. 14. [2.] Mai 1854); Alexis, geb. 14. (2.) Jan. 1850; Maria, geb. 17. (5.) Okt. 1853, vermählt 23. (11.) Jan. 1874 mit Herzog Alfred von Edinburgh; Sergius, geb. 11. Mai (29. April) 1857, vermählt 15. (3.) Juni 1884 mit Jelissaweta Feodorowna, geborenen Prinzessin Elisabeth von Hessen (geb. 2. Nov. [21. Okt.] 1864); Paul, geb. 3. Okt. (21. Sept.) 1860, vermählt 17. (5.) Juni 1889 mit Alexandra Georgewna, Prinzessin von Griechenland (geb. 30. [18.] Aug. 1870).

Litteratur. Jomini, La Russie sous l'empereur Alexandre II (Lpz. 1870); Lengenfeldt, Rußland im 19. Jahrh. (Berl. 1874); Strelbitskij, Die Landerwerbungen Rußlands unter A. II. (russisch, Petersb. 1881); Von Nikolaus I. zu Alexander III. (Lpz. 1881); Laferté (Pseudonym der Fürstin Dolgorukij), Alexandre II. Détails inédits sur sa vie intime et sa mort (Bas. 1882); Cardonne, L'empereur Alexandre II; vingt-six ans de règne (Par. 1883).

Alexander III. Alexandrowitsch, Kaiser von Rußland, geb. 10. März (26. Febr.) 1845 als zweiter Sohn des Kaisers Alexander II. Nach dem am 24. (12.) April 1865 zu Nizza erfolgten Tode seines ältern Bruders Nikolaus wurde A. feierlich zum Thronfolger ernannt. Am 9. Nov. (28. Okt.) 1866 vermählte er sich mit der Braut seines verstorbenen Bruders, der Prinzessin Dagmar von Dänemark, der Tochter Christians IX. Anfangs schien A. sich dereinst als Herrscher an die Spitze aller fanatisch-nationalen russ. Parteien stellen zu wollen. Während des Deutsch-Französischen Krieges von 1870 und 1871, wo der Hof den Sympathien des Kaisers für Deutschland zustimmte, nahmen der Cäsarewitsch A. und sein Hof ebenso entschieden Partei für Frankreich. Der Aufstand der Commune in Frankreich, dann die Agitationen und Attentate der Nihilisten in Rußland riefen jedoch eine wesentliche Änderung in seinen Anschauungen hervor. Nach der Ermordung seines Vaters (13./1. März 1881) bestieg er den russ. Thron. Man hatte von ihm die Verheißung baldiger liberaler Reformen, wie der Teilnahme der Bevölkerung an der Gesetzgebung und der Kontrolle der Finanzen, erwartet. Statt dessen befahl er, den von seinem Vater am Tage seines Todes unterzeichneten Ukas über Einberufung einer Notabelnversammlung nicht zu veröffentlichen. Sowohl das bei seiner Thronbesteigung erlassene Manifest, wie das vom 11. Mai (29. April) 1881 betonte in scharfer Weise die selbstherrliche Gewalt. Bald nach dem letztern Manifest entließ er Loris-Melikow als Minister des Innern und ernannte den General Ignatjew zu dessen Nachfolger. Infolge dieser Maßregeln wuchs die Erbitterung der nihilistischen Partei, die dem Kaiser mit dem Schicksal des Vaters drohte. Von Polizei und Militär bewacht, lebte der Kaiser mit seiner Familie meist in den Schlössern Gatschina oder Peterhof und sah sich genötigt, die herkömmliche Krönung in Moskau zu verschieben; dieselbe erfolgte erst 27. Mai 1883. Der Kaiser suchte Ordnung in die innere Verwaltung zu bringen, die herrschenden Mißbräuche, die Bestechungen und Betrügereien und die das Volk drückende Willkürherrschaft der Beamten zu beseitigen und in allen Zweigen des Staatshaushalts Sparsamkeit einzuführen. Die von Kaiser Paul festgestellte Familienordnung des russ. Kaiserhauses wurde durch kaiserl. Erlaß dahin abgeändert, daß die Titel der nachfolgenden Großfürsten niedriger gestellt und die Apanagen sämtlicher Mitglieder des Kaiserhauses herabgesetzt wurden. Am 9. Sept. 1881 hatte A. in Danzig eine Zusammenkunft mit Kaiser Wilhelm I.; doch blieb dieselbe ohne Einfluß auf die russ. Politik. Die Beziehungen des Kaisers zu den Höfen von Berlin und von Wien gestalteten sich erst dann besser, als 1882 der deutschfeindliche Reichskanzler Fürst Gortschakow in den Ruhestand versetzt, der panslawistische Minister des Innern, Graf Ignatjew, seines Amtes entbunden und von Giers zum Minister des Auswärtigen ernannt wurde. Die Zusammenkunft, welche Kaiser A. 15. Sept. 1884 mit den Kaisern Wilhelm und Franz Joseph in dem poln. Lustschloß Skierniewice hatte, und der Besuch, welchen A. dem Kaiser Franz Joseph in dem mähr. Städtchen Kremsier 25. Aug. 1885 machte, schienen auf ein Einverständnis der drei Mächte in der auswärtigen, besonders der orient. Politik hinzuweisen. Die bulgar. Krisis von 1885 und 1886 stellte dasselbe in Frage. A. forderte von Alexander von Bulgarien, daß er in ein Vasallenverhältnis zu Rußland träte, und schickte, als dieser nach dem Ausbruch der Verschwörung in Sofia 7. Sept. 1886 abdankte, den General Kaulbars nach Bulgarien, dessen Mission jedoch mißlang. Die Beziehungen zu Bulgarien wurden hierauf ganz abgebrochen. Schon vorher hatten ein kriegerischer Tagesbefehl an die Flotte des Schwarzen Meers (Mai 1886) und die Umwandlung des Freihafens von Batum entgegen dem Berliner Vertrag in einen russ. Hafen (23. Juni) es offenbar gemacht, daß A. nahe daran war, mit den Waffen einzugreifen und dadurch bei der damaligen Lage der Dinge einen europ. Krieg herbeizuführen. An dem Ziele der Unterwerfung der Balkanländer, besonders Bulgariens, unter russ. Einfluß hielt A. unbedingt fest. Doch gab er den Gedanken an ein gewaltsames Einschreiten vorläufig auf und nahm, dem Rate seines Ministers Giers folgend, eine abwartende Haltung ein, in der Absicht, beim Ausbruch eines europ. Krieges das volle Gewicht seiner Macht in die Wagschale zu werfen und die Lage für sich auszunutzen. Eine Folge dieser Politik waren die seither ununterbrochen mit größtem Eifer betriebenen Rüstungen. Hierdurch blieb zwar die Spannung in der europ. Politik, andererseits aber wirkte die hieraus folgende Abneigung der russ. Regierung gegen ein vorzeitiges Losschlagen für den Augenblick immer wieder beruhigend. Den nationalen Heißspornen, die Anfang 1887 auf einen Krieg mit Deutschland hinarbeiteten, trat der "Regierungsanzeiger" am 21. März mit der Erklärung entgegen, daß zu Deutschland die besten Beziehungen beständen. Mit dieser Politik vertrug sich jedoch weder der Ukas gegen die Ausländer vom 24. Mai 1887, noch das Vorgehen gegen die Ostseeprovinzen. Eine