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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Alkmaion; Alkman; Alkmäoniden; Alkmar; Alkmene; Alkohol

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Alkmaion - Alkohol

ein Holzgewölbe, ein Bild in sieben Tafeln (1507), die die Werte der Barmherzigkeit darstellen, die kupferne Grabplatte des Pieter Claas Palinek (1546), geschnitzte Kirchenstühle in Renaissancestil und im Chor das Grab des Grafen Floris V. von Holland (gest. 1296). Das 1507 in der Langestraat erbaute got. Rathaus mit Turm hat ein Museum Alkmaarscher Altertümer und eine Bibliothek. Die Stadtwage wurde 1582 erbaut und in neuester Zeit restauriert. A. hat bedeutende Schiffswerfte, Segeltuchweberei, Seesalzraffinerie sowie Handel mit Getreide, Vieh, Butter, besonders aber mit Käse (jährlich 5 Mill. kg). A. war die erste Stadt der Niederlande, die den Spaniern erfolgreichen Widerstand bot (1573); daher der Wahlspruch: "Von A. fängt der Sieg an." Zur Erinnerung daran wurde 1873 ein Denkmal errichtet, eine Victoria von Stracké. In A. schloß l0. Okt. 1799 der Herzog von York eine unrühmliche Kapitulation ab mit dem franz. General Brune.

Alkmaion (Alkmäon, Alcmäon), der Sohn des Amphiaraos (s. d.) und der Eriphyle. Als er den Tod seines Vaters, der auf Zureden seiner Gattin am Zuge gegen Theben teilnahm und daselbst umgekommen war, durch Ermordung seiner Mutter gerächt hatte, verfiel er in Wahnsinn und wurde von den Erinnyen verfolgt. Diesen konnte er, nach dem Ausspruche des Orakels, nur dann entgehen, wenn er sich in einem Lande niederließ, das erst nach der Zeit des Muttermordes entstanden war, da seine Mutter jedes (zur Zeit bestehende) Land, das ihn aufnehmen würde, verflucht hatte. Endlich fand A. Ruhe auf einer jüngst im Flusse Acheloos entstandenen Insel, wo er die Kallirrhoe, die Tochter dieses Flußgottes, nach Verstoßung seiner Gemahlin Arsinoe heiratete. Allein als er, den Wunsch seiner Gemahlin zu befriedigen, das von der Harmonia (s.d.) herrührende Halsband der Eriphyle von seinem ersten Schwiegervater Phegeus listigerweise zurückgeholt hatte, ließ dieser ihn durch seine Söhne ermorden. Die Schicksale des A. behandelten ein altes Epos (die "Alkmaionis") und mehrere Tragödien; doch ist keins dieser Werke erhalten.

Alkman, griech. Lyriker, geb. zu Sardes in Lydien, kam als Sklave nach Sparta und wurde dann dort freigelassen. Er dichtete um und nach Mitte des 7. Jahrh. v. Chr. in dor., mit ion. und äol. Elementen gemischter Mundart Chorgesänge, Hymnen, Päane, Parthenien, Hymenäen und Liebeslieder. Seine Poesie verrät heitere Lebenslust und sinnige Naturanschauung und hat die volksmäßige Liedform seiner kleinasiat. Heimat zum kunstvollen dreiteiligen Bau der Chorgesänge ausgebildet. Erhalten sind von ihm nur kleine Fragmente und ein größeres, in einem ägypt. Grabe gefundenes Stück eines Parthenions, hg. von Bergk in den "Poetae lyrici graeci", Bd. 3 (4. Aufl., Lpz. 1882). - Das nach A. benannte Versmaß besteht aus katalektischen und akatalektischen daktylischen Tetrametern: ^[img]

Alkmäoniden, athenisches Adelsgeschlecht, das seinen Ursprung von Alkmäon, einem Enkel des Nestor, ableitete, der nach der Eroberung Messeniens durch die Dorer nach Attika ausgewandert sein soll. Unter dem Archontat des A. Megakles (um 630 v. Chr.) machte ein gewisser Kylon (s. d.) einen vergeblichen Aufstandsversuch; seine Anhänger, die sich unter der Bedingung völliger Amnestie ergeben hatten, wurden an den Altären der Götter auf Anstiften des Megakles treulos ermordet. Um die Schuld zu sühnen, ward das ganze Geschlecht aus Athen verbannt. Es durfte zwar bald nach Solons Gesetzgebung wieder zurückkehren, aber Pisistratus vertrieb es von neuem und erst nach dem Sturze des Hippias konnten die A. wieder in ihre Rechte eingesetzt werden. Der letzte bedeutende Alkmäonide war Kleisthenes (s. d.). Auch die Mütter von Perikles und Alcibiades waren A.; aber der Makel der Blutschuld blieb selbst an diesen späten Nachkommen des Megakles so sehr haften, daß die Spartaner es wagen konnten, 430 v. Chr. die abermalige Austreibung der Familie von den Athenern zu verlangen.

Alkmar, Hinric von, niederländ. Dichter, 1477 in Utrecht nachgewiesen, noch 1486 Erzieher eines lothring. Prinzen, versah das mittelniederländ. Tierepos "Reinaert", das ihm in moralisierender Erweiterung (Reinaert II) vorlag, außer andern Änderungen mit einer allegorisch auslegenden Prosaglosse. Diese Bearbeitung, von der nur wenige Bruchstücke übrig sind, wurde 1498 niederdeutsch als "Reineke Vos" (s. d.) gedruckt und erhielt erst dadurch weiter reichende litterar. Bedeutung.

Alkmene, Tochter des Elektryon, Königs von Mykene, und Gemahlin des Amphitryon, dem sie den Iphikles gebar, während aus des Zeus Umarmung, der Amphitryons Gestalt angenommen hatte, Herakles entsprang. Nach dem Tode ihres Gemahls heiratete sie den Sohn des Zeus, Rhadamanthys, der in Okaleia in Böotien lebte. Nach älterer Sage ließ Zeus ihren Leichnam durch Hermes nach den Inseln der Seligen führen, wo sie mit dem Rhadamanthys vermählt ward. Als Urahnin der Herakliden ward sie vielfach von Dichtern besungen. - A. ist auch der Name des 82. Planetoiden.

Alkohol, gewöhnlicher (Äthylalkohol, Methylcarbinol) oder absoluter, d.i. wasserfreier, Weingeist, C2H6O ^[C<sub>2</sub>H<sub>6</sub>O], eine farblose, leichtflüssige, brennend schmeckende, leicht entzündliche Flüssigkeit, die leichter als Wasser ist, indem sie bei 15 °C. ein spec. Gewicht von 0,7947 hat. Unter dem mittlern Luftdruck von 760 mm Barometerstand siedet der A. bei 78,5 °C., erstarrt dagegen selbst bei einer Temperatur von etwa -90° noch nicht. Daher eignet sich der A. zur Füllung von Thermometern, die zur Messung sehr niedriger Temperaturen dienen sollen. Während Quecksilber schon bei -40° gefriert, wird A. durch die stärkste Kälte, die man hervorbringen kann, nur etwas dickflüssiger, aber noch nicht fest. Der A. bildet den wesentlichen, berauschenden Bestandteil aller geistigen Getränke und entsteht gewöhnlich durch Gärung (s. d.) der Zuckerarten, indem sich in der nicht zu konzentrierten Zuckerlösung nach Hefenzusatz der Zucker in A., Kohlensäure und noch einige andere Gärungsprodukte (Glycerin und Bernsteinsäure) zerlegt. Der Äthylalkohol läßt sich nach Berthelots Entdeckung aus mineralischen Körpern darstellen, indem man das durch trockne Destillation der Steinkohlen gewonnene schwere Steinkohlengas, das sog. Äthylen oder ölbildende Gas, mit engl. Schwefelsäure schüttelt. Nach anhaltendem Schütteln löst sich eine bedeutende Menge Gas in der Schwefelsäure auf und wandelt sich in Äthylschwefelsäure um, die sich beim Erwärmen mit Wasser in A. und Schwefelsäure spaltet. Diese Bereitungsweise findet aber keine Anwendung, weil in der Praxis die Gewinnung des A. aus Zucker bequemer und ökonomisch vorteilhafter ist. Häufig wird der Weingeist aus Pflanzenteilen dargestellt, die keinen Zucker enthalten,