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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Alliance; Alliance Israélite Universelle

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Alliance - Alliance Israélite Universelle

Alliance (frz., spr. -ángß), Bündnis, s. Allianz. Auch Name eines neuern franz., im wesentlichen dem deutschen Solo nachgebildeten Kartenspiels unter 4-6 Personen. Bei nur 4 Mitspielenden erhält jeder 12, bei 5 jeder 10, bei 6 jeder 8 Blätter; die übrigen bleiben verdeckt liegen bis auf das letzte, das, offen aufgelegt, die Farbe des Spiels bezeichnet. Die Figuren sind König, Dame, Bube, Fahne (die Neun in den roten, die Drei in den schwarzen Farben), in der eben angegebenen Reihenfolge, eine, zwei, drei und vier Marken geltend. Im Gange des Spiels stechen die Fahnen nur nach ihrem Werte, im Stiche aber zählen sie am höchsten. Da nur die in den Stichen eingenommenen Figuren zählen, so ist es Zweck des Spiels, die meisten Stiche und in ihnen so viele Figuren als möglich zu erhalten. In der Farbe, in der gespielt wird, sticht das As den König, in den übrigen rangiert es hinter dem Buben. Sieben Stiche gewinnen das Spiel. Die üblichen Spielarten sind: Couleur, Levée und Solo. Glaubt jedoch einer durch bedeutendes Gegenspiel dem Solo die Spitze bieten zu können, so kündigt er Résistance an. Er hat, wird das Solo gewonnen, das Doppelte zu zahlen: dieses bekommt er, wenn er das Solo stürzt.

Alliance (spr. älleiĕns), Stadt im County Stark des nordamerik. Staates Ohio, südöstlich von Cleveland, Bahnknotenpunkt, hat (1890) 7607 E.

Alliance Israélite Universelle, ein 1860 in Paris auf Anregung einer Anzahl hervorragender Israeliten gegründeter Verein, welcher sich von da über die ganze Erde verbreitet hat. Der erste Präsident war Königswarter (bis 1863), dann folgte Adolphe Cremiéux, hierauf Salomon Munk (1866-67), 1868-80 wieder Crémieux und seit 1881 bis jetzt S. H. Goldschmidt. Der Zweck der A. I. U. ist die Verteidigung des Judentums gegen jeglichen Angriff, die Ermunterung zum Betriebe jeder Art von Handwerksarbeit, die Gründung von Unterrichtsanstalten, die Emancipation der Israeliten von Ausnahmegesetzen durch gesetzliche Mittel, die geistige und sittliche Wiedergeburt durch Förderung der Kultur und Verbreitung von Kenntnissen unter den Juden in solchen Ländern, wo die Kultur und Wissenschaft noch auf tiefer Stufe stehen. Alle politischen, socialen, nationalen und religiösen Fragen sind von dem Programm ausgeschlossen. Der Verein wird geleitet durch ein aus 60 Mitgliedern aller Länder bestehendes Centralkomitee, welches seinen Sitz in Paris hat und mittels der Bezirks- und Lokalkomitees mit den Mitgliedern in Verbindung steht. In jedem Orte, wo der Verein 10 Mitglieder zählt, kann ein Lokalkomitee, wo mehrere Lokalkomitees bestehen, ein Bezirkskomitee gebildet werden. Der Jahresbeitrag beträgt 5 M. Alljährlich findet in Paris eine Generalversammlung statt, in welcher über die Wirksamkeit des Vereins und die finanzielle Lage Bericht erstattet wird.

Das erste Land, in welchem nach Frankreich die A. I. U. Boden fand, war Italien. Dann folgten von 1864 ab mit bedeutenden Beiträgen die Türkei, die skandinav. Staaten, die span. Gemeinden Amerikas; von 1868 ab Ungarn, England, die Niederlande, Belgien und die Schweiz. Die Beteiligung Deutschlands war 1868 noch ziemlich gering; sie nahm indes seit 1869 zu, als die in Breslau und Leipzig abgehaltenen jüd. Synoden die A. I. U. und ihre Wirksamkeit empfahlen. Die Vereinigten Staaten Amerikas hatten von Anfang an dem Verein große Sympathie entgegengebracht. Die Mitgliederzahl des Vereins, welche 1862 erst 1112 betrug, belief sich am 31. Dez. 1894 auf 32 100, davon nahezu 12 000 auf Deutschland. In Rußland ist der A. I. U. jede Wirksamkeit untersagt.

Die Hauptmitarbeiter der A. I. U. sind die zahlreichen Lokal-, Bezirks- und Landeskomitees. In Deutschland befinden sich Hauptkomitees in Breslau, Berlin, Köln, Dürkheim, Mannheim, Nürnberg, Posen. In Köln werden unter Leitung und Aufsicht des Rabbiners Dr. Frank die Monats- und Jahresberichte der A. I. U. aus dem Französischen übersetzt, gedruckt und in 20 000 Exemplaren nach allen Richtungen hin versandt. Es erscheint auch eine engl. Ausgabe der Berichte und ein niederländ. Auszug aus dem Jahresbericht. Außerdem giebt es Hauptkomitees in Amsterdam, Budapest, Neuyork, Philadelphia u. a. Nach dem letzten, 1895 erschienenen Jahresbericht hat die A. I. U. 1894 über 698 000 Frs. eingenommen, 668 000 Frs. ausgegeben. An Effekten und sonstigen Werten besitzt der Verein ein Vermögen von 931 830 Frs., außer der Stiftung des Baron von Hirsch in Paris, die, 1873 mit einer Summe von 1 Mill. Frs. begründet, jetzt 1 140 578 Frs. beträgt und deren Erträgnisse (jährlich 55 000 Frs.) ausschließlich den Schulen in der Türkei zukommen. In Argentinien werden für die durch Baron Hirsch dort ansässig gemachten russ. Juden durch die A. I. U. Schulen mit span. Unterrichtssprache gegründet. Der Verein hat bereits 56 Knaben- und Mädchenschulen gegründet und dauernd unterstützt. Zunächst giebt es in Paris eine Vorbereitungsschule für Jünglinge und Mädchen aus dem Orient und Afrika, die zu Lehrern und Lehrerinnen ausgebildet werden, um dann in ihrer Heimat zu wirken. Die im Orient und in Afrika gegründeten Schulen sind zahlreich. Das Lehrer- und Lehrerinnenpersonal betrug 1891 über 300, die Schülerzahl 12 000 in 35 Knaben- und 21 Mädchenschulen. Über drei Viertel der Schüler erhält den Unterricht unentgeltlich. Die Unterrichtssprache richtet sich nach der Sprache des Landes oder der Mehrzahl der Schüler. 1894 wurde in Adrianopel eine rabbinische Schule gegründet.

Auch der Förderung des Handwerks unter den Juden im Orient, in der Türkei und in Afrika widmet der Verein seine dauernde Aufmerksamkeit. Die Zahl der Werkstätten belief sich 1891 auf 22, in denen gegen 620 Lehrlinge untergebracht sind. Neben den Knaben-Handwerkstätten sind auch für junge Mädchen Werkstätten (15 mit 360 Schülerinnen) gegründet, in welchen sie zu weiblichen Berufsarten, Nähen u. s. w. ausgebildet werden. Ferner widmet die A. I. U. der Förderung des Ackerbaues ihre Pflege. Bei Jaffa (Palästina) wurde von ihr eine Ackerbauschule gegründet, welche 1. Nov. 1894 100 Schüler zählte, die nach ihrer Ausbildung u. a. in Ackerbaukolonien, die jetzt in Palästina von russ. und rumän. Juden gegründet worden, lohnende Beschäftigung finden.

Nach dem Vorbilde oder im Anschluß der A. I. U. haben sich mehrere verwandte Vereine gebildet. Zunächst gründeten die engl. Juden 1871 einen Verein, welcher sich Englisch-Jüdische Association in Verbindung mit der Allgemeinen Jüdischen Allianz (Anglo-Jewish Association, in connexion with the Alliance israélite universelle) benennt. Dieser Verein verfolgt dieselben Zwecke wie die A. I. U.; er unterscheidet sich von derselben nur durch die Unabhängigkeit des leitenden Komitees. Ein anderer Verein bildete sich 1873 in Wien nach dem Vorbild der A. I. U. und unter dem Namen "Israelitische Allianz zu