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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Alpenratte; Alpenrose; Alpensalamander; Alpensaudistel; Alpenseen; Alpenspitzmaus; Alpenstich; Alpenstraßen und Alpenbahnen

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Alpenratte - Alpenstraßen und Alpenbahnen

zen, Fig. 3); ihm schließen sich die Alpenrosen (Almenrausch), Rhododendron ferrugineum L (Fig. 9) und Rhododendron hirsutum L (s. Rhododendron), wie auch die Edelraute, Artemisia mutellina Vill. (Fig. 1, s. Artemisia), an. Auffallend schönblütige, meist tiefblaue Blumen haben die Enziane, deren schönste Art Gentiana acaulis L. (Fig. 13) auch als Gartenpflanze sehr geschätzt ist (s. Enzian). Leicht ist im Garten auch die Silberwurz, Dryas octopetala L. (Fig. 12), zu ziehen; sehr schwer dagegen lassen sich die reizenden Soldanellaarten, deren zierlichste Soldanella minima Hoppe (Fig. 2) ist, kultivieren (s. Soldanella). Zwerge unter den A. sind Saxifraga Burseriana L. (Fig. 8, s. Saxifraga) und Primula minima L. (Fig. 4, s. Primel). Von den Campanulaarten ist Campanula caespitosa Scop. (Fig. 6) eine der schönsten (s. Campanula); auch die Alpennelke, Dianthus alpinus L. (Fig. 10), ist eine sehr schöne Alpenpflanze. Eine bekannte Pflanze der niedern Alpenregion ist Cyclamen europaeum L. (Fig. 11), unrichtig Alpenveilchen genannt (s. Cyclamen). Das eigentliche Alpenveilchen, Viola alpina L. (Fig. 5), ist dem gewöhnlichen Veilchen sehr ähnlich, jedoch geruchlos. Viel Beachtung verdient der Alpenmohn, Papaver alpinum L. (Fig. 7), wegen seiner großen gelben, oft auch weißen Blumen (s. Papaver). Außerdem finden sich in den Alpen verschiedene Anemonen, Ranunkeln, Heidearten sowie gewisse Gramineen und Cyperaceen.

Litteratur. Christ, über die Verbreitung der Pflanzen der alpinen Region der europ. Alpenkette (Zür. 1867); ders., Das Pflanzenleben der Schweiz (ebd. 1879); Seboth, Die A. nach der Natur gemalt (mit Text von Graf, 4 Bde., Prag 1879-84); Hartinger, Atlas der Alpenflora (mit Text von W. von Dalla Torre, Lfg. 1-36, Wien 1881-84); Schröter, Taschenflora des Alpenwanderers (3. Aufl., Zür. 1892); Wünsche, Die A. (Zwickau 1893); Kerner, Die Kultur der A. (Innsbr. 1864).

Alpenratte, s. Wühlmaus.

Alpenrose, s. Alpenpflanzen u. Rhododendron.

Alpensalamander, s. Landsalamander.

Alpensaudistel, s. Sonchus.

Alpenseen, s. Seen.

Alpenspitzmaus, s. Spitzmaus.

Alpenstich, eine in den Hochgebirgen der Schweiz meist im Frühjahr endemische gefährliche Brustfellentzündung, gilt für eine Folge des Föhns.

Alpenstraßen und Alpenbahnen. Der ältere Verkehr in den Alpen suchte sich die gangbarsten Joche auf, hohe unwegsame Ketten oft auf langen Umwegen umgehend, den Längsthälern folgend, bis endlich ein günstig gelegenes Querthal den Zutritt zum Hauptkamm des Gebirges und ein niedriges Joch den Übergang über denselben gestattete. Die Alpenpfade waren rauh, die Überschreitung derselben mit Beschwerde und Gefahr verbunden; aber trotzdem wurden die Alpen vom Altertum bis auf unsere Zeit immer häufiger überschritten. Mit der Frequenz der Alpenwege wuchs auch ihre Wegsamkeit. Die Pfade wurden verbreitert und gepflastert, wilde Bergwasser überbrückt, Felsen durchbohrt, Hospize und Schutzhäuser errichtet. So entstand nach und nach ein weitmaschiges Netz von Saumwegen zur Vermittelung des militärischen und des Handelsverkehrs zwischen Italien und den Ländern am Außenrande des Alpenbogens. Die bekanntesten Alpenstraßen des Altertums und Mittelalters waren: der Colle di Tenda, Mont-Genèvre, Mont-Cenis, der Kleine und der Große St. Bernhard, der Simplon, St. Gotthard, der übrigens merkwürdigerweise den Römern unbekannt blieb, der Bernhardin, Splügen, Septimer, Julier mit der Maloja, das Reschenscheideck mit dem Wormserjoch, der Brenner mit seinen Seitenstraßen durch das Puster-, Ampezzo-, Tagliamento- und Brentathal, der Paß von Saifnitz und der Predil; auch über den Korntauern, den Radstädter- und Rottenmanner Tauern führten röm. Straßen. Von diesen Alpenstraßen sind jetzt einzelne, wie der Septimer, der Korntauern und die Sölkerscharte, verödet und kommen, wie fast alle Saumwege, nur noch für den örtlichen Kleinverkehr in Betracht; andere sind fahrbar gemacht, noch andere überschient worden. Bis ins 19. Jahrh. war mit Ausnahme des Brenner, der 1772, des Col di Tenda, der 1782, und des Arlberg, der 1786 notdürftig für den Wagenverkehr hergestellt wurde, keiner dieser Straßenzüge fahrbar; die Wagen mußten am Fuße des Gebirges zerlegt, stückweise auf Saumtieren hinübergeschleppt und auf der andern Seite wieder zusammengesetzt werden. Den ersten Anstoß zur Entwicklung des Netzes fahrbarer Alpenstraßen gaben die ital. Feldzüge Napoleons I., der 1800-6 die Simplonstraße, 1802 die Straße über den Mont-Genevre und 1803-10 die über den Mont-Cenis bauen ließ. Um nicht durch diese Straßen vom ital. Verkehr abgeschnitten zu werden, bauten nun auch Österreich und die mittlern und östl. Kantone der Schweiz fahrbare Alpenstraßen, und diese drängten nach und nach die alten Saumwege in gleicher Weise in den Hintergrund, wie sie selbst jetzt durch die Alpenbahnen zurückgestellt werden. Für den Bau solcher Alpenstraßen bieten die West- und Mittelalpen gegenüber den Ostalpen den Vorteil, daß die langen, tief eingeschnittenen Flußthäler meist unmittelbaren Zutritt zum Hauptkamm gestatten, so daß die Überwindung eines Jochs in der Regel genügt, um quer durch das Gebirge vom Nord- zum Südrand zu gelangen. In den Ostalpen ist hierfür die Überschreitung mehrerer Pässe notwendig, aber dafür gestattet in ihnen die Niedrigkeit und Zugänglichkeit der Joche eine weit reichere Entwicklung des Eisenbahnnetzes. Fahrstraßen und Eisenbahnen vermitteln jetzt fast einzig den Großverkehr der Alpen; von den Saumwegen kommen hierfür nur noch wenige, wie etwa der Große St. Bernhard, einigermaßen in Betracht. Ein großer Schienengürtel, durch das Rhônethal, die schweiz., bayr. und österr. Hochebene, das Westungar. Hügelland und die Poebene gelegt, umzieht in weitem Kreise das Alpengebiet. Der äußere Abschnitt dieses Ringes wird mit dem innern verbunden im W. durch die Cornichebahn, die die Alpen umgebend längs der Mittelmeerküste von Marseille nach Genua führt und sich durch die Linien Savona-Coni-Turin und Genua-Alessandria an das Bahnnetz der Poebene anschließt; im O. durch die Linie Triest-Fiume-Agram. Die Hauptpunkte dieses Ringes werden durch zahlreiche Querstraßen und Bahnen verknüpft, die zum Teil durch Längslinien miteinander verbunden sind. Die wichtigsten dieser Querübergänge sind: die Straße über den Col di Tenda (1890 m), die bei Mentone von der Cornichebahn abzweigt und bei Cuneo die Eisenbahn nach Turin erreicht; die Straßen über den Col della Maddalena (auch Col de l'Argentière oder Col de Larche genannt, 1995 m) und über den Mont-Genèvre (Eisenbahn