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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Al secco; Al segno; Alräunchen; Alrunen; Alsatia; Alse; Alsen

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Alräunchen, Alruneken - Alsen

(s. d.) officinalis L., als Radix Mandragorae noch unlängst offizinell. Abgebildet ist er schon in der Handschrift des Dioskorides aus dem Anfange des 6. Jahrh. (in der Hofbibliothek zu Wien). Früher knüpfte sich viel Aberglaube an ihn. Man gab ihm menschliche (meist männliche) Gestalt und nannte ihn A. (Alräunchen, Alruneken), Alraun-, Wurzel-, Wichtel-, Erd- oder Galgenmännchen (holländ. Pisdiefje, d. i. Harndiebchen). Diese wurden im deutschen Altertum als Hausgötter betrachtet, an geheimen Orten in Kästchen gehütet, sorglich gepflegt, z. B. prächtig gekleidet und Sonnabends in Wasser oder Wein gebadet, auch wohl bei Mahlzeiten beteiligt (vgl. Lectisternium), und sollten dem verschwiegenen Besitzer Reichtum (darum auch Geld- oder Heckmändl), Gesundheit und andere irdische Güter, Glück bei Prozessen, Fruchtbarkeit der Frauen, Beförderung der Geburten bringen, leisteten auch Orakeldienst. Die Charlatane des Mittelalters verkauften sie um hohen Preis. Den meisten Wert hatten die unter dem Galgen gefundenen, angeblich entstanden aus dem Samen eines gehängten Diebes, der noch reiner Junggeselle ist. Der Glaube an die Wirksamkeit der A. ist in manchen Gegenden noch jetzt nicht verschwunden. Obige Abbildung, ein Alraunmännchen in drei Ansichten (a, b, c), ist einem Dokument von 1575 in Keyßlers "Antiquitates selectae septentrionales et celticae" (Hannov. 1720) entnommen. In vielen Gegenden, namentlich Nordwestdeutschlands, trennte man die Erscheinung ganz von der Pflanze und faßte sie wie die Kobolde (s. d.) auf, die als Hunde oder Vögel Glück bringen.

^[Abb.]

Alräunchen, Alruneken, s. Alraun.

Alrunen, s. Albrûna.

Alsatia, neulat. Name des Elsaß.

Alsatia, Feuerversicherungsgesellschaft in Straßburg i. E., s. Feuerversicherung.

Alse oder Alose (Alosa Cuv.), Fischgattung der Familie der Heringe, unterscheidet sich von den echten Heringen durch die leicht verloren gehende Bezahnung. Der Leib erscheint zusammengedrückt und an der Bauchkante durch vortretende Schuppen sägenartig. Die Augen sind von einem vordern und einem hintern Augenlide so bedeckt, daß nur der mittlere Teil in Form eines senkrechten Ovals frei bleibt. Die eigentliche A., Maifisch, Mutterhering (Alosa vulgaris Cuv., mit metallischgrünem Rücken, goldglänzenden Kiemendeckeln und Seiten, silberweißem Bauch, einem dunkeln verwaschenen Schulterfleck und zahlreichen spitzen Lamellen auf den innern Kiemenbogen, lebt im Mittelmeer und in der Nordsee, steigt im Frühjahr in die Flüsse und kehrt im Norden bald ins Meer zurück. Man fängt sie mit Angeln, Netzen und Reusen. Sie wird bis 60 cm lang und 2 kg schwer; ihr Fleisch ist wohlschmeckend, gesund und wird am Rhein demjenigen des Salms am nächsten geschätzt. Schwer zu unterscheiden von der A. ist die Finte (Alosa finta Cuv.), die in Farbe, Bezahnung, Gestalt u. s. w. ganz übereinstimmt, aber auf der innern Seite der Kiemenbogen nur kurze, dicke Dornen trägt. Außerdem unterscheidet sie sich aber dadurch, daß sie nur halb so groß und schwer wird wie die A. und später, im Hochsommer (Juli), in die Flüsse aufsteigt. Das Fleisch der Finte, die man häufig für eine junge A. hielt, ist weich und wenig schmackhaft. Die großen italienischen A. steigen aus dem Meere auf, heißen Cheppie und sind wenig geschätzt; die kleinern dagegen, bis 1/2 kg schwer, die in den Seen laichen, werden erwachsen Agoni, ganz jung Antesini genannt, oft in großen Mengen gefangen und gelten am Comer See für einen der besten Fische.

Al secco (ital.), s. Seccomalerei.

Al segno (spr. senjo) oder Dal segno (ital.; Musik), d. h. beim Zeichen, resp. vom Zeichen, Wiederholung eines Abschnitts von dem Zeichen ^[img] an.

Alsen (dän. Als), eine zur preuß. Provinz Schleswig-Holstein gehörige Insel im Kleinen Belt, ist von dem Festlande durch den Alsen- oder Alssund getrennt, der 19 km lang, in seinem nördl. Teile bis 4 km breit, in seinem südlichen hingegen sehr schmal ist, eine Tiefe von 7 bis 21 m hat und an der schmalsten Stelle (etwa 250 m) bei Sonderburg von einer Schiffbrücke überspannt wird. Die Insel umfaßt 321 qkm; ihre größte Länge beträgt 30, die größte Breite 17 km. Sie ist sehr fruchtbar, hat schöne Waldungen mit vielem Wild, fischreiche Landseen und wird gut bewirtschaftet. Berühmt ist die Obstbaumzucht. Die Mitte des Landes zeigt eine Reihe von Hügeln mit flacher Abdachung nach den Küsten zu. Der höchste Punkt ist der 80 m hohe Hügeberg (Högebjerget). Die Insel macht den größten Teil des Sonderburger Kreises aus. Darin liegen die frühern adligen Güter des Herzogs von Augustenburg, die Stadt Sonderburg und der Flecken Augustenburg. Im nördl. Teile der Insel der Flecken Norburg (dän. Nordborg) mit den Resten eines Schlosses, das anfänglich Burg A. hieß. Den südwestl. Teil der Insel bildet die Halbinsel Kekenis (Kainäs), die durch das Hörup-Haff abgetrennt wird und auf deren südl. Spitze sich ein Leuchtturm befindet. (Vgl. Döring, Führer durch A. und Sundewitt, 2. Aufl., Sonderb. 1884.) In unmittelbarer Nähe Schleswigs gelegen, ist die Insel stets sowohl als Rückzugs- wie als Angriffspunkt von strategischer Bedeutung gewesen. Von hier aus unternahmen die Dänen 28. Mai 1848 den Angriff gegen General Halkett, wie auch bei Wrangels Angriff 5. Juni die dän. Truppen von A. aus verwendet wurden. Nach der Besetzung der Düppeler Höhen 13. April 1849 durch die Sachsen und Bayern und der Befestigung derselben deutscherseits verlor A. als Angriffspunkt seine Wichtigkeit. Im Deutsch-Dänischen Kriege von 1864 war die Eroberung der von 10 000 Dänen unter General Steinmann besetzten Insel A. durch General Herwarth von Bittenfeld eine der glänzendsten Waffenthaten. Der Übergang erfolgte 29. Juni mittels Booten und Pontons in vier Kolonnen unter General von Manstein. Eine Reservebrigade und noch eine andere folgten über den Sund, so daß schließlich 18 000 Preußen auf A. standen. Beim Dorfe Kjär kam es zu einem leb-^[folgende Seite]