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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Altaier; Altaisches Berggebiet

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Altaier - Altaisches Berggebiet

und Krasnojarsk und endet mit dem 1666 m hohen Taskül; der andere nimmt seine Richtung nach NW. auf Tomsk hin. Die im NW. von Kusnezk gelegene Salaïrkette zwischen Ob und Tom, niedriger als die erstern, ist wegen ihres Silbers, ihr Ostabhang wegen seines Goldreichtums berühmt. In geolog. Beziehung besteht die Hauptmasse des Gebirges aus krystallinischen und altsedimentären Schiefergesteinen mit verschiedenen untergeordneten Einlagerungen; durchbrochen werden dieselben von weitgedehnten Granitmassen und, in viel beschränkterm Maße, von Porphyr, von sehr häufig auftretendem, alle andern Formationen durchsetzendem, also neuerm Serpentin und Grünstein. Gneis scheint kaum vorzukommen, vielfach aber Glimmerschiefer und seine Verwandten. Die Sedimentgesteine gehören der Silur-, Devon- und Kohlenperiode an; Thonschiefer mit eingelagertem Sandstein, Ouarzit, Hornstein und Kalkstein. Unregelmäßig gangförmig eingelagert erscheinen die Erzlagerstätten, vorherrschend aus Schwerspat und Quarz mit Schwefelmetallen und deren Zersetzungsprodukten bestehend. Von Gesteinen der spätern Perioden ist nirgends eine Spur; an den Fuß der Gebirge legen sich die neuern diluvialen und alluvialen Bildungen, so daß also erst in der Diluvialzeit die Wasserbedeckung des weiten Raums zwischen dem Arktischen und Schwarzen Meere begonnen haben muß. Nördlich vom A., im NW. von Kusnezk, ist die echte Steinkohlenformation ausgedehnt vorhanden und setzt sich bis gegen Tomsk fort.

Die Bevölkerung des Ä. ist eine sehr spärliche. Eine dichtere russ. Bevölkerung lebt in Dörfern als Bauern und in den Berg- und Hüttenwerken als Bergarbeiter nur im nördl. und westl. Teile des Bergbereiches, beginnt aber allmählich in den zum Ackerbau geeigneten Flußthälern in das Innere des A. vorzudringen. Überreste der frühern Kosakenbevölkerung finden sich noch vereinzelt in Stanizen und in den jetzt nur nominell als Festungen geltenden Ortschaften Buchtarminsk und Ust-Kamenogorsk. Die Urbewohner des A. sind ausschließlich Völkerschaften türk. Zunge. 1) Die Altaier, gewöhnlich Bergkalmücken genannt, westlich von der Katun und südlich vom Telezker See (türk. Altyn-Köl = Goldsee). Die Dwojodaner (doppelzinspflichtige Kalmücken), östlich von der obern Katun, zahlen jetzt nur den Russen Jasak (s. d.) und werden zu den Altaiern gerechnet. Die früher eine selbständige Völkerschaft bildenden Tölössen am Südufer des Telezker Sees sind seit langer Zeit in den Bergkalmücken aufgegangen. 2) Die Teleuten, im Gebiete der untern Katun, sind erst seit diesem Jahrhundert aus dem Batschat (bei Salaïr) übergesiedelt und stehen sprachlich den Altaiern sehr nahe. 3) Die Kumandiner an der Bija. 4) Die Schwarzwaldtataren (russ. Tschernowvje-Tatary) in den Waldgebirgen nördlich vom Teleszker See. 5) Die Schoren, nordöstlich vom Teleszker See bis zum obern Tom. - Die Berkalmücken beschäftigen sich ausschließlich mit Viehzucht und Jagd und leben in Filzjurten, im Sommer auf den offenen Bergterrassen, im Winter in den geschützten bewaldeten Schluchten. Die Schwarzwaldtataren und Schoren leben in Rindenjurten oder Bretterhütten und beschäftigen sich mit Fischfang, Jagd (besonders Eichhörnchen) und dem Einsammeln von Cedernüssen. Sie halten wenig Vieh und bebauen nur kleine Ackerstücke. Die Kumandiner und Teleuten leben in Dörfern fast wie russ. Bauern und treiben Ackerbau und Bienenzucht. Rein mongol. Typus zeigen nur die Physiognomien der Altaier und Teleuten. Außer den Teleuten, die hier alle zum Christentum bekehrt sind, sind die türk. Ureinwohner des A. zum größten Teil noch Götzendiener schamanischen Glaubens. Zu den Urbewohnern (d. h. Jasak zahlenden) werden aber auch die sog. Kamenschtschiki oder Felsenbewohner gerechnet, obgleich sie nach Abstammung, Sprache und Religion Russen sind. Sie stammen nämlich teilweise von Kosaken und russ. Bauern aus den Hüttenwerken ab, die auf chines. Gebiet geflohen waren und sich später mitsamt ihren Wohnsitzen freiwillig wieder Rußland ergaben. - Vgl. Cotta, Der A., sein geolog. Bau und seine Erzlagerstätten (Lpz. 1871); Radloff, Aus Sibirien (ebd. 1884).

Altaier oder altaische Bergkalmücken, ein türk. Volksstamm im Altai (s. d.).

Altaisches Berggebiet, amtlich auch Distrikt der Altaischen Bergwerke oder Kolywan-Woskresensker Hüttenbezirk genannt, eine der wertvollsten Provinzen des Russischen Reichs, erstreckt sich von 49° nördl. Br. an 900 km weit nach N. und von 77° östl. L. von Greenwich 750 km ostwärts und umfaßt vier von den sechs Bezirken des westsibir. Gouvernements Tomsk, nämlich Kaïnsk, Barnaul, Kusnezk und Biisk samt dem südl. Teile des Bezirks Tomsk, ein Gebiet von über 483 000 qkm mit etwa 700 000 E. Der überwiegende Teil dieser Bevölkerung besteht aus Bauern, der kleinere aus Berg- und Hüttenarbeitern, die teils in den Bauerndörfern angesiedelt, teils bei den Werken geblieben sind, außerdem aus nomadisierenden Volksstämmen. Die Thäler des Ob und des Alej trennen zwei sehr verschiedene Hälften. Die Osthälfte ist gebirgig und vielfach bewaldet, hat rauheres Klima als die Westhälfte, eignet sich aber dennoch zum Ackerbau, da sie am Ob fruchtbaren Boden enthält. Die Westhälfte bildet zwischen dem Ob und Irtysch eine gegen die Steppe geneigte, zum Teil wellige Ebene, ist fast ganz waldlos, nur von schleichenden Bächen durchzogen, die Seen und Sümpfe bilden, reich an Koch- und Bittersalz, aber im ganzen mit ergiebiger Fruchterde bedeckt und wegen des etwas mildern Klimas mehr für die Viehzucht geeignet. In Barnaul ist die mittlere Jahrestemperatur 0,34°. Die Vegetation ist an den südl. und nördl. Gehängen sehr verschieden, hier Steppe, dort sibir. Wald, oben die Alpenflora. An die Steppe pflegt sich zu unterst die Kiefer anzuschließen mit Birke und Espe, über 800 m Höhe folgt als Hauptbaum die Lärche. Die Zirbelkiefer bildet die Waldgrenze, auf der Südseite 1700 m und auf der Nordseite 1350 m hoch, darüber reiche Alpenflora. Die Kultur folgt dieser Regionsverschiedenheit mit Hirse, Weizen, Hanf u. s. w. häufiger im Süden und mit Sommer- oder Winterroggen häufiger am Nordhang. Ebenso zieht man vortreffliche Pferde, auch Rinder, Schafe und Ziegen, viel Federvieh und Bienen, dagegen wenig Schweine. Die Fischerei in den Flüssen und Seen ist sehr ergiebig. Die Jagd liefert Zobel, Hermeline, gestreifte und andere Eichhörnchen, Murmeltiere, wilde Katzen, Füchse, Bären, Wölfe, Ottern, Hasen, Rehe, Hirsche, Elen- und Renntiere, Moschustiere, außerdem auch Luchse, Wildschafe, Dachse, Wildschweine u. s. w. Die ländliche Bevölkerung ist bei weitem die betriebsamste. Abgesehen von den in bergmännischen und metallurgischen Anstalten Beschäftigten, fehlt es an einem Bürger- und Hand-^[folgende Seite]